„Millionen für Lobhudelkampagnen rausgeworfen“
Vassilakou über die (Un-)Glaubwürdigkeit
der SPÖ und schimpfende (Ex-)Grüne
mokant.at: In letzter Zeit waren die Grünen mehr mit Personen,
als mit Themen in den Schlagzeilen, etwa durch den Wechsel von Stefan
Schennach zur SPÖ oder die Spaltungen im achten und sechsten Bezirk.
Wie ist das passiert, noch dazu kurz vor der Wahl?
Maria Vassilakou: Ich finde es schade, wenn langjährige
Mitarbeiter die Fronten wechseln, wenn sie nicht das Mandat bekommen,
das sie gerne hätten. Aber andererseits brachte das auch eine Klärung
und das alles ist jetzt bereinigt.
mokant.at: Hat das nicht auch mit der politischen Positionierung
der Grünen zu tun? Immerhin sind die Grünen seit der Zeit ihrer
Entstehung immer weiter nach links gerückt. Der grüne Bezirksvorsteher
im achten Bezirk, Herbert Rahdjian, der jetzt mit einer eigenen Liste
kandidiert, ist aber eher ein Bürgerlicher.
Maria Vassilakou: Nein, das hat damit nichts zu tun. Es sind
eine Handvoll Leute gegangen, laut schimpfend, aber sie hatten keine
politischen Motive, sondern persönliche.
mokant.at: Es scheint den Grünen auf jeden Fall ziemlich
geschadet zu haben. Bei der letzten Wahl hatten sie 14,6 Prozent, eine
neue Umfrage prophezeit nur zehn Prozent. Das wäre ein Verlust von
einem Drittel der Stimmen.
Maria Vassilakou: Wir erholen uns zunehmend. Umfragen sind
Kampfinstrumente der Parteien, um die eigenen Wähler bei der Stange zu
halten und andere zu demoralisieren. Wenn über uns kaum berichtet wird,
außer über die Probleme in der Partei, dann ist es klar, dass das
Auswirkungen hat. Aber jeder in Wien weiß, was man an den Grünen hat.
Nämlich eine Kraft, die kompromisslos für soziale Gerechtigkeit,
Umweltschutz und Menschenrechte eintritt. Das ist für die, die uns
wählen, ausschlaggebend.
mokant.at: Sollten die Grünen in die Regierung kommen, dann nur
in einer Koalition mit der SPÖ, wofür Sie auch werben. Wenn man sich
das Wahlprogramm anschaut, sind sich die beiden Parteien in vielen
wichtigen Punkten ziemlich einig. Warum sollte man trotzdem die Grünen
wählen?
Maria Vassilakou: Das Problem der SPÖ liegt in ihrer
Glaubwürdigkeit, nicht in ihrem Programm. Die Frage, die sich die SPÖ
jetzt gefallen lassen muss, ist, warum sie so wenig umgesetzt hat,
obwohl sie alleine regiert hat.
Der Unterschied zu den Grünen ist: Die Grünen haben die Kraft und den
politischen Willen zu Reformen. Wir würden es endlich angehen, dass man
in neue saubere Energie investiert mit dem Ziel, dass man unabhängig
wird von teuren Öl- und Gasimporten. Wir würden eine große Schulreform
durchführen. Wir wollen in den öffentlichen Verkehr investieren, etwa
durch die Hundert-Euro-Jahreskarte für die Öffis.
mokant.at: Die Öffi-Jahreskarte oder auch die vorher genannten
Integrationsmaßnahmen hören sich ja an sich nicht schlecht an. Aber:
Ist das alles auch realisierbar? Woher soll das Geld kommen?
Maria Vassilakou: Die Tarifreform würde im ersten Jahr 150
Millionen Euro kosten. Dann würde es immer weniger werden, weil durch
den Verkauf der Tickets Geld hereinkommen würde. Aber es ist nicht nur
das. Die SPÖ hat heuer hundert Millionen Euro für Lobhudel-Kampagnen
rausgeworfen, Geld, das man für andere Dinge verwenden kann. Wir haben
in Wien ein Budget von elf Milliarden Euro, es ist also eine Frage der
Prioritätensetzung.





