05. Oktober 2010 | Politik

„Grüne sind spaßbefreit“

mokant.at > foto: georg marlovics
„Halte in einer Demokratie alles für möglich“, meint Strache

H.C. Strache über die Harmlosigkeit

seines Comics und Computerspiele

Polarisierend und nie um einen Sager verlegen – Heinz-Christian Strache, FPÖ-Spitzenkandidat bei den Wiener Gemeinderatswahlen, redet gerne und viel. Nicht nur über den Wahlkampf, den er zur Zeit führt, sondern auch über die Getränke, die er während seiner basischen Entgiftung zu sich nehmen darf. „Der Rest ist Sport“, schließlich ist so ein Wahlkampf kein Spaziergang, sondern „ein Marathon“. Im Gespräch mit mokant.at bekräftigt er sein Ziel, die rote Absolute brechen zu wollen. Denn: „schwarz ist machtgeil“ und wenn Häupl rappt, gehen alle nach Hause.
mokant.at collage > fotos: georg marlovics
Über Strache-Comics:
„Sind viel lustiger als Haderer“

mokant.at: Egal wem ich erzählt habe, dass ich ein Interview mit Ihnen führen werde – es hat extreme Reaktionen hervorgerufen, von Begeisterung bis hin zu totaler Ablehnung.
H.C. Strache: Sie brauchen keine Angst haben, ich beiße nicht. (lacht)

mokant.at: Gefällt es Ihnen, so zu polarisieren?
H.C. Strache: Nein, ganz und gar nicht. Aber es ist immer so, dass es Neider gibt in einer Gesellschaft, wenn man so erfolgreich ist. Wir sind angetreten um das Proporzsystem in unserer Gesellschaft aufzubrechen und Fehlentwicklungen in unserer Gesellschaft aufzuhalten und sie in eine sozial gerechtere und bessere Entwicklung zu führen. Und da gibt es natürlich immer Menschen, die andere Interessenslagen haben, weil sie Macht und Privilegien nicht verlieren wollen. Es wird oft mit Diffamierungen, mit bewusst falschen Unterstellungen gearbeitet, und man muss es immer so sehen: Wir, die Freiheitliche Partei, sind der kleine David, und wir haben einen Goliath gegen uns stehen.

mokant.at: Was ist das wichtigste Wahlziel für Wien? Über die zwanzig Prozent zu kommen?
H.C. Strache: Es gibt mehrere große Wahlziele. Das eine ist die rote Arroganz und Allmacht der SPÖ zu brechen. Wenn ich mir die jetzige SPÖ anschaue, mit Häupl als Verantwortungsträger, dann hat er Wien in vielen Bereichen in eine negative Richtung geführt.

mokant.at: Häupl oder die SPÖ allgemein?
H.C. Strache: Häupl als Chef hat die Entwicklung der SPÖ zu verantworten. Und da sieht man, dass zum Beispiel 35.000 Arbeitsplätze in zehn Jahren abgebaut worden sind. Es gibt sehr viele Fehlentwicklungen, bei denen ich sage: Das kann man ändern, indem man auch anderen Parteien wie der Freiheitlichen Partei die Chance gibt, es besser zu machen. Ich will daher als ein Hauptziel diese rote absolute Mehrheit brechen. Ich will die Zwanzig-Prozent-Marke überspringen. Denn dann muss die Wählermeinung ernst genommen werden. Das ist ein Ziel, das ich habe, weil ich Verantwortung übernehmen möchte, diese Inhalte auch umzusetzen.

mokant.at: Wie schaut es auf Bezirksebene aus? Glauben Sie, dass einzelne Bezirke blau werden?
H.C. Strache: Das wäre schön, das würde durch einen Erdrutsch möglich sein. Es bräuchte einen Erdrutsch in Wien, dessen sind wir uns bewusst, und wenn es den geben könnte in manchen Bezirken, Favoriten, Simmering, Floridsdorf oder Donaustadt, wäre das erfreulich.

mokant.at: Das halten Sie für möglich?
H.C. Strache: Ich halte in einer Demokratie prinzipiell alles für möglich. Als Realpolitiker sage ich, wir werden einige Bezirksvorsteher-Stellvertreter zusätzlich gewinnen und es ist realpolitisch eher unwahrscheinlich, einen Bezirksvorsteher möglich zu machen. Ich spüre einen riesigen Aufbruch in Wien. Nicht nur bei den Jungen, bei denen sind wir besonders stark, weil die ja die negativen Entwicklungen wie einen Rucksack mit Steinen gefüllt zu tragen haben, die von SPÖ und ÖVP aufgebürdet wurden. Dort sind wir stärkste Partei, aber auch bei den älteren Menschen erlebe ich einen Aufbruch, die seit dreißig Jahren aus Treue heraus die SPÖ oder ÖVP gewählt haben. Denen reicht es auch, die kommen auf mich zu und sagen: Ich kann die SPÖ nach vierzig Jahren nicht mehr wählen.

mokant.at: Frau Marek kandidiert nicht als Bürgermeisterin, weil sie weiß, ein Sieg ist nicht realistisch. Warum platzieren Sie sich bewusst als Bürgermeisterkandidat?
H.C. Strache: Das zeigt, dass Frau Marek sich selbst nichts zutraut, damit ist sie zumindest ehrlich. Als Spitzenkandidatin sollte man sich schon auskennen in Wien, Frau Marek braucht ja einen Stadtplan, um zum Rathaus zu finden. Wenn ich mir die Wahlautos von ihr ansehe, auf denen steht „Schwarz macht geil“, dann glaubt man, das ist Werbung für einen Sexclub, und dann bemerkt man, der Slogan stimmt: Wenn es heißt „Schwarz ist machtgeil“, dann hat sie Recht. Das erkennen die Wähler auch und wissen, eine Stimme an sie, ist eine vergebene Stimme. Wir wissen, dass sechzig Prozent aller Wiener keine absolute SPÖ-Mehrheit mehr wollen, und die sprechen wir an.

mokant.at: In Ihrem Wahlkampf ist immer wieder von „unserer“ Kultur die Rede. Was ist das für Sie?
H.C. Strache: Ich habe versucht, das mit dem Plakat „Mehr Mut für unser Wiener Blut“ zum Ausdruck zu bringen. Unsere Kultur, das Wiener Blut, bringt die Wiener Lebensfreude zum Ausdruck. Ich empfinde diese Wiener Lebensart, die Lebensfreude, die Kultur, und deshalb sage ich auch, ich will Wien als Weltstadt erhalten, nicht zur Allerweltstadt verkommen lassen, sie soll unverwechselbar sein. All diese Positiva möchte ich erhalten wissen. Es gibt eine wundervolle Vielfalt in Europa, mit vielen Kulturen und Sprachen, und genauso liegt es mir am Herzen, die Kulturen und Sprachen in Europa zu erhalten. Ich will nicht diesen zentralistischen EU-melting-pot, wo eine Sprache am Ende gesprochen wird und sich alle Kulturen vermengen.

mokant.at: Gegen die Vermengung der Kulturen scheint sich auch Ihr Comic zu richten.
H.C. Strache: Wir haben unter anderem Wiener Sagen bearbeitet und im Comedy-Comic dargestellt. Darin haben wir meine Person und Michael Häupl in eine Zeitreise in die Vergangenheit zurückgeschickt, um zu zeigen, wie sich beide möglicherweise verhalten hätten. Allerdings in einer sehr lustigen Art und Weise, wo man sehen kann, dass in der Realität die Grausamkeiten sicher wesentlich dramatischer waren.

(Zeigt auf ein Bild)
Hier sieht man einen kleinen Jungen, der Kara Mustafa, dem Belagerer, eine mit einer Steinschleuder „aufbrennt“. Der kleine David gegen den großen Goliath, der damals erfolgreich war, zum Glück. Bei Asterix und Obelix fliegen Hinkelsteine, da werden die Römer als Spinner bezeichnet! Und niemand sagt, das ist italophob, da wird keine Anzeige wegen Hetze gemacht. Bei uns sehr wohl, und das zeigt, dass die Grünen spaßbefreit sind und überhaupt mit Comics und Comedy nichts anfangen können.

mokant.at: Sie sind immer als Superheld dargestellt, im Gegensatz zu Herrn Häupl. Muss ein Politiker in Ihren Augen körperliche Qualitäten haben?
H.C. Strache: Nein, aber ich kann nichts dafür, dass ich jünger, sportlicher und dynamischer bin, auch mehr Vorzugsstimmen kriege als Häupl. Ich kann nichts dafür, dass die Menschen in mir einen Hoffnungsträger sehen und in Häupl einen abgehalfterten Politiker, der versagt hat und daher eigentlich pensionsreif ist.

mokant.at: Die vor kurzem veröffentlichte Erstwählerstudie sagt was ganz anderes.
H.C. Strache: Gut, dass Sie das ansprechen. Die Ergebnisse der Studie machen nicht, wie die SPÖ vorgibt, die Sozialdemokratie zum Sieger, sondern zeigt, dass die Panik der Genossen sehr groß ist. Warum? Der Vorstand dieses Instituts war von 1985 bis 1988 VSSTÖ-Vorsitzender, das ist also eine Studie, die die SPÖ in Auftrag gegeben hat. Ich zitiere aus Studien, die ich nicht in Auftrag gegeben habe, die nicht SPÖ-nahestehende Zeitungen zitiert haben, wonach wir bei den jungen Wählern mit Abstand die stärkste Partei sind.

mokant.at: Liegt es an Ihrem Aussehen, dass Sie populär sind bei den Jungen?
H.C. Strache: Ich glaube es liegt daran, dass ich authentisch bin und als ehrlicher Mensch wahrgenommen werde, der den Mut hat, Fehlentwicklungen aufzuzeigen.

mokant.at: Herr Oxonitsch hat Ihnen wenig Authentizität bescheinigt, wenn Sie im Praterdome rappen.
H.C. Strache: Das ist insofern sehr authentisch, weil ich es ja mache. Ich gehe dort hin, bin für die Menschen da, jeder kann mit mir reden. Herr Oxonitsch geht dort gar nicht hin, und wenn er es täte, würde ihn erstens niemand kennen und zweitens keiner mit ihm reden wollen. Und wenn Josef Pröll und Häupl noch dazukommen, würden sie alle Menschen aus der Disco hinaustreiben. So gesehen ist es authentisch.

mokant.at: Sie haben sich als „Polit-Rapper“ bezeichnet …
H.C. Strache: Die Freiheit der Kunst habe ich für mich in Anspruch genommen.

mokant.at: Würden Sie es begrüßen, wenn andere Politiker darauf einstiegen?
H.C. Strache: Naja, dann würden sie mich kopieren. Was ist denn der Grund dafür, dass manche so aufgeregt reagieren? Weil ich im Bereich der modernen Kommunikationstechniken den anderen um Lichtjahre voraus bin. Als ich 2004 Landesobmann geworden bin, war ich der jüngste Landesobmann aber auch der jüngste Bundesparteiobmann in der Geschichte der Republik. Ich habe damals bemerkt: Die Menschen sind nicht politikverdrossen, sondern Politiker-verdrossen. Wie kann ich Politik moderner, frischer transportieren, damit Menschen, die vielleicht gar nichts mehr mit Politik am Hut haben, sich wieder dafür interessieren? Das haben wir mit neuen Zugängen geschafft, unter anderem mit dem Rap. Warum nicht selbst einmal Probleme unserer Zeit offen ansprechen und damit einen Diskurs ermöglichen? Von Facebook, wo ich mit 65.000 Fans als Politiker die meisten Fans im deutschsprachigen Raum habe, bis hin zu Comics, wo wir die Freiheit der Kunst und der Karikaturen nützen. Wir sind auch viel lustiger als ein Haderer.

mokant.at: Beim Minarett-Computerspiel haben Sie in Sachen Modernität aber zurückgerudert.
H.C. Strache: Da habe ich nicht zurückgerudert, sondern bin nicht gefragt worden und habe nichts gewusst. Derjenige Berater, der das der FPÖ Steiermark angeboten hat, hat das Spiel mir auch angeboten, und ich habe abgelehnt, weil ich gesagt habe, ich brauche keine Spiele, ich mache das mit anderen Argumenten. Aber Spiele sind für mich nicht das geeignete Mittel, um politische Inhalte zu vermitteln.

mokant.at: Von Ihnen wird es also keine Spiele geben?
H.C. Strache: Wenn es Spiele gibt, dann nicht mit dem Anspruch, etwas politisch bewegen zu wollen sondern mit dem Anspruch, etwas humoristisch thematisieren zu wollen.

 

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„Sind nicht prüde“

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