„Sind nicht prüde“
H.C. Strache über Sexobjekte und unglaubwürdige Stadtratsposten
mokant.at: Zum Thema Bildung: Sie haben eine 25-prozentige Quote
an Migrationskindern in Schulklassen verlangt, momentan sind es über
vierzig Prozent. Was wollen Sie mit den restlichen Kindern machen?
H.C. Strache: Es ist schlimmer, wir haben mittlerweile schon über fünfzig Prozent im städtischen Raum.
mokant.at: Aber was soll mit den Kindern passieren?
H.C. Strache: Es sind mittlerweile fünfzig Prozent. Was zeigt, dass die
SPÖ falsche Familienpolitik gemacht hat, das heißt die eigenen Familien
nicht gefördert, nicht unterstützt hat. Uns hat man eingeredet, nur wenn
man in Zuwanderung investiert, sind unsere Pensionen gesichert, heute
bemerken wir, das Gegenteil ist der Fall. Der Schulbereich ist
dramatisch: Wir haben eine SPÖ in Wien, die siebenhundert Landeslehrer
eingespart hat, wir haben überfüllte Klassen mit dreißig Kindern und
mehr, wo teilweise nur zwei bis drei Kinder aus Österreich stammen, was
nicht unbedingt gut ist für die Integration oder für die Anhebung des
Bildungsniveaus.
H.C. Strache: Ja, aber es ist halt oftmals so, dass Kinder, die kein Deutsch können, einen Migrationshintergrund haben und nicht umgekehrt. Und deshalb gibt es die Problematik, dass unsere Kinder in den Schulen zur Minderheit geworden sind. Wir müssen eine verpflichtende Deutschvorschule einführen, für Kinder, die mit fünf Jahren kaum Deutsch können, bevor sie in die Regelschule dürfen.
mokant.at: Und was passiert mit jenen Kindern, die erst mit vierzehn nach Wien kommen? Sollen die mit den Fünfjährigen in die Vorschule gehen?
H.C. Strache: Vierzehnjährige müssen ihre Integrationsbringschuld leben. Die müssen so rasch wie möglich die Landessprache lernen. Wir wollen zum Beispiel die Schülerhöchstzahl in Klassen auf 25 senken als Muss, siebenhundert bis tausend neue Lehrer anstellen, und wir wollen sicherstellen, dass sich die heutigen Zustände verbessern. Ganz ehrlich: bevor ich nur noch zwei österreichische Kinder in einer Klasse habe, nehme ich sie raus und gebe sie in eine Klasse, wo sie nicht die Minderheit sind. Dann ist das sicherlich besser als umgekehrt. Ansonsten sind wir in der Situation, in der unsere Kinder sich integrieren müssen, und das kann es nicht sein. Deshalb habe ich auch von Quoten gesprochen, das muss man sich ansehen, wo das überhaupt möglich ist.
mokant.at: Was ist für Sie eine freie Frau?
H.C. Strache: Eine freie, selbstbestimmte Frau ist eine Frau, die bei gleicher Leistung gleichen Lohn erhält, die frei und selbstbestimmt wählt, welchen Lebensweg sie geht und nicht einer Zwangsbeschneidung ausgesetzt wird, einer Zwangsheirat, unterdrückt wird oder gezwungen wird, eine Burka zu tragen, daheim zu bleiben und nicht den Deutschkurs besuchen zu dürfen. Wenn wir heute in die Jugendanwaltschaft hineinschauen, wenden sich zwei Drittel der Mädchen dorthin, weil sie Gewalt in der Familie erfahren, unter Kopftuchzwang gestellt werden und so weiter. Das zeigt auf, dass Frauen in unserer Gesellschaft unterdrückt werden, und das kann und darf nicht der Fall sein. Man darf die Frauen nicht auf ein Sexobjekt reduzieren.
mokant.at: Wenn man sich Ihren Comic ansieht, sehen die abgebildeten Nixen aber wie Sexobjekte aus.
H.C. Strache: Wir sind mit Sicherheit nicht prüde. Wir haben mit Sexualität kein Problem. Warum sollte eine Frau sich nicht pflegen und sich hübsch herrichten?
mokant.at: Auf Ihrer Homepage ist die Forderung nachzulesen: „Sofortige Ausweisung bei nichtvorhandener Integrationsbereitschaft“. Wie wollen Sie eine solche feststellen?
H.C. Strache: In Amerika gibt es die Green Card, eine gute Einrichtung, wo die Amerikaner ganz genau schauen, wen sie ins Land lassen, und was sie von ihm erwarten. Wen man nicht braucht am Arbeitsmarkt, wer die sprachlichen Erwartungen nicht erfüllt, wird gar nicht zugelassen. Und wenn man zugelassen wird, hat man Dinge zu erfüllen: man hat den Arbeitsprozess wahrzunehmen, wenn man arbeitslos wird, hat man das Land zu verlassen.
mokant.at: Und das könnten Sie sich auch vorstellen?
H.C. Strache: Solche Mechanismen brauchen wir auch in unserer Gesellschaft. Wir können nicht Menschen, die zu uns kommen, langzeitarbeitslos sind und glauben, vom Sozialstaat leben zu können, bei uns lassen. Die müssen halt dann wieder zurückgehen.
mokant.at: Wenn die zwanzig Prozent nicht erreicht werden – bleiben Sie in Wien? Können Sie sich einen Stadtratsposten auch vorstellen?
H.C. Strache: Ich sage ganz offen: alles, was ein Plus vor dem Ergebnis hat, ist ein Gewinn. Aber ich stehe als Bürgermeisterkandidat zur Verfügung, das heißt, mich gibt es nur als Bürgermeister, weil ich mit Sicherheit nicht als Nummer zwei zur Verfügung stehen kann (H.C. Strache hat mittlerweile bekanntgegeben, auch als Vizebürgermeister zur Verfügung zu stehen, Anmerkung der Redaktion). Ich möchte in Wien das Vorzeigemodell für Österreich möglich machen. Häupl hat alleine in den letzten Jahren 35.000 Arbeitsplätze vernichtet durch seine Politik, er hat durch die Kommunalsteuern Wien so unattraktiv gemacht, dass die Betriebe abgewandert sind ins Wiener Umland. Wien ist heruntergewirtschaftet worden in den letzten Jahren.
mokant.at: Aber das wäre ja ein Grund, in Wien auch als Nummer zwei zu bleiben.
H.C. Strache: Ich kann nur dann in Wien bleiben, wenn ich die Kraft durch die Wähler bekomme. Wenn ich den Bürgermeister stellen kann, dann macht es Sinn, in Wien zu bleiben. Sonst kann ich ja auf parlamentarischer Ebene mehr für das Land möglich machen.
mokant.at: Die Frage ist, wie glaubwürdig es ist, wenn sie wieder in die Bundespolitik gehen.
H.C. Strache: Es wäre unglaubwürdig, würde ich mich mit einem Stadtrat zufrieden gebe, wo ich diese freiheitlichen, richtigen Programme nicht umsetzen könnte. Ich kann sie nur als Bürgermeister umsetzen. Keine halben, sondern ganze Sachen, das ist mein Anspruch.
mokant.at: Glauben Sie, dass Häupl für weitere fünf Jahre bleiben wird?
H.C. Strache: Ich glaube, dass er in Wirklichkeit längst abgedankt hat, und nach längstens einem Jahr einen Nachfolger einsetzen wird.
mokant.at: Glauben Sie, dass die Zusammenarbeit mit der SPÖ einfacher werden würde, wenn Häupl weg wäre?
H.C. Strache: Wenn eine Person Macht verliert, zwingt sie das zum Umdenken und zum Ablegen der ideologisch verfärbten Brille. Dann wird es vielleicht einmal Persönlichkeiten geben in der Wiener Sozialdemokratie, die offen sind und bereit sind, mit allen legitimierten demokratischen Parteien korrekt umzugehen.
mokant.at: Wie hält man sich fit im Wahlkampf?
H.C. Strache: Im Wahlkampf gar nicht. (lacht) Ich komme aus dem Leistungssport, und bereite mich auf Wahlkämpfe langfristig vor. Ich habe seit dem Jahr 2005 bis heute vierzehn Wahlkämpfe geführt. Und das geht natürlich an die Substanz. Ich habe mich vorbereitet, habe im März vergangenen Jahres begonnen, eine hunderttägige basische Entgiftung zu machen, die ich einmal im Jahr mache, wo ich mich ausschließlich basisch ernähre, jeden Tag zwei Liter Entgiftungstee trinke, zwei Liter naturtrüben Apfelsaft mit Leitungswasser und ein Glas Rotwein. Der Rest ist Sport. Ich habe wieder bis zu zwölf Kilo abgenommen, heute ist mein Optimalgewicht 82 Kilo bei einer Größe von 1,86 Meter. Da bin ich auch wieder angekommen. Der Wahlkampf ist wie ein Marathon, noch dazu, wie ich ihn betreibe. Jetzt, kurz vor der Wahl, steigere ich die Intensität, und wenn ich am 10. Oktober durch das Ziel laufe, bin ich natürlich am Limit. Wäre ich da nicht am Limit, hätte ich nicht alles gegeben.
mokant.at: Sind Sie schon froh, wenn es vorbei ist?
H.C. Strache: An so etwas denkt man nicht. Man ist voll in der Konzentration, diesen Weg zu Ende zu gehen. Dann erst beginnt man darüber nachzudenken.
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