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Frankfurter Buchmesse: statt zu lesen, wurden Namen und Nummern ausgetauscht
Endlos scheinen die verspiegelten Hochhäuser und Türme in den Himmel zu ragen. Dazwischen laufen alterslose Geschäftsfrauen und -männer in dunkelblauem Einheitslook hektisch von einer dicht befahrenen Straßenecke zur nächsten. Frankfurt am Main zählt zwar in erster Linie zu den bedeutendsten Finanzzentren der Welt, letzte Woche stand jedoch etwas ganz anderes im Mittelpunkt des Interesses. Von 5. bis 10. Oktober fand die Frankfurter Buchmesse statt und lies die Herzen von Bücherliebhabern und kontaktfreudigen Geschäftemachern höher schlagen.
Amazon, Thalia und Co.
1949 vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels gegründet, ist die
Frankfurter Buchmesse die größte der Welt. In erster Linie wird sie von
Verlegern, Autoren, Übersetzern, Buchhändlern und Agenten genutzt, die
zusammen treffen um Geschäfte anzubahnen und abzuwickeln. Auf dem
Marktplatz des digitalen Zeitalters eröffnen sich nicht nur für die Art
der Informationsvermittlung vom Buch bis zum E-Book neue Wege, die noch
zaghaft beschritten werden. Große Konzerne wie Thalia und Amazon spielen
in einer eigenen wirtschaftlichen Liga, kleine Verlage verschwinden
zusehends und die großen sind für Autoren oft nur noch mithilfe von
Vermittleragenturen und Agenten zu erreichen. Die Spielregeln verändern
sich. So gelangt beispielsweise nur noch ein minimaler Prozentsatz an
unangeforderten Manuskripten bis zur tatsächlichen Veröffentlichung;
vorausgesetzt die Arbeitszeit, sie zu bearbeiten ist überhaupt
vorhanden. Der Markt ist auf allen Seiten hart und wer als Verlag kein
prominentes und massentaugliches Aushängeschild wie Thilo Sarrazin oder
Günther Grass vorweisen kann, hat Schwierigkeiten ein großes Publikum zu
erreichen.
Gerade deswegen ist die Messe für alle Beteiligten wichtig, da sie Platz schafft sich persönlich zu treffen und zu vernetzen, für Kleine wie für Große. Denn auch wenn heute vieles der Geschäftsanbahnung auf einer nicht greifbaren Ebene abläuft und vor allem ökonomische Interessen die Fäden ziehen, ist es umso wichtiger sich zu kennen, vielleicht auf einem der zahlreichen Feiern rund um die Messe einmal anzustoßen, Präsenz zu zeigen und Kontakte zu knüpfen. Gerade für jene kleinen Verlage, die spezialisierter sind als die großen und mit ihrem Angebot nicht so einfach eine breite Masse erreichen, bietet die Messe eine Bühne.
Preisträger, Gastländer und der Rest
Der große Rahmen der Messe erlaubt die Branche in seiner Vielfalt
darzustellen und bietet zahlreiche Lesungen, Vorträge und Diskussionen
an. Außerdem gibt es mehrere Preisverleihungen und damit genug Platz
sich selbst zu feiern. Etwa, als parallel zur Messe der
Literaturnobelpreisträger 2010 verkündet wird. Der Peruaner Mario Vargas
Llosa erscheint in deutscher Übersetzung im Suhrkamp-Verlag und als
sein Name feststeht, bildet sich sofort eine Traube um den Messestand
und die Chefin Ulla Unseld-Berkéwicz lässt sich und „ihren“ Autor
hochleben.
Als Gastland war dieses Jahr Argentinien eingeladen und obwohl das Land
eine reiche Literaturszene hat, die nicht nur zeitgenössisch einiges zu
bieten hat, ist die deutschsprachige Resonanz relativ gering. Das mag
einerseits daran liegen, dass bis heute vieles nicht ins Deutsche
übersetzt wurde, wie bei der Schriftstellerin Luisa Valenzuela, die auf
Spanisch und Englisch seit Jahrzehnten breit rezipiert wird.
Andererseits scheint auch die Berichterstattung speziell in Zusammenhang
mit der Buchmesse eher oberflächlich und mager. Einzig dem 1977
ermordeten Rudolfo Walsh fiel besondere Aufmerksamkeit zu und das wohl
auch nur, weil sein Roman Das Massaker von San MartÃn eben von dem
prominenten Übersetzer und Schriftsteller Erich Hackl übersetzt wurde.
Auch im Prozess einer stetig vorangetriebenen Digitalisierung der Welt hat die Frankfurter Buchmesse eine wichtige Funktion. Sie zeigt Fortschritte und Trends und bietet vor allem für Interessierte der Branche die Möglichkeit sich zu vernetzen. Private Besucher, die im Gegensatz zum Fachpublikum nur am Wochenende Zutritt zur Messe bekommen, fühlen sich schnell durch die Größe und Vielfalt der Stände erschlagen, es gibt jedoch ein breites Rahmenprogramm, das sowohl mit populären als auch fachspezifischen Inhalten für Unterhaltung sorgt. Wer nicht nach Frankfurt fahren will und sich trotzdem für die Welt der Verleger und Autoren interessiert, kann auch zuhause bleiben: Von 18. bis 21. November findet mit der „Buch Wien“ ein Mini-Ableger der Buchmesse in Wien statt.




























