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Die richtigen Worte bei rechten Sprüchen zu finden, ist nicht leicht

Vorurteile gegenüber Migranten sind Alltag, eine neue Broschüre soll das ändern

 

„Alle Türken rennen in Banden und mit Messern rum“, ist der 16-jährige Daniel überzeugt. Ob er selbst schon mal welche gesehen hat? Nein, aber ein Freund von ihm sei mal von so einer „Türkenbande“ verprügelt worden. Daniel ist mit seiner Meinung über „die Türken“ nicht alleine. Ein Drittel aller Jugendlichen hat negative Einstellungen gegenüber „Fremden“, also „Ausländern“ und vor allem „türkischen“ Muslimen. Das besagt etwa eine Jugendwertestudie, in der Jugendliche unter anderem zu genau diesen Einstellungen befragt wurden. Doch wie begegnen Gleichaltrige solchen Vorurteilen? Eine Broschüre soll Anregungen und Mut geben, gegen „rechte Sprüche“ aufzutreten.

 

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Denkmuster auflösen
„Ausländer nehmen uns die Jobs weg“, „viele Ausländer sind kriminell“ oder „ausländische Jugendliche suchen immer Streit“ – Sprüche, die weit verbreitet und oft zu hören sind.
„Die in solchen Sprüchen beinhalteten Vorurteile sind alte Sündenbock-Konstruktionen, die in der Geschichte in unterschiedlichen Formen mit unterschiedlichen ‚Zielgruppen' immer wieder vorkommen“, meint die Historikerin Marion Wisinger, die Workshops zu diesem Thema veranstaltet. „Rechte Sprüche bieten einfache Erklärungsmuster an. Sie sind oft Ausdruck einer Desorientierung und der Versuch, sich die Welt zu erklären.“ Solche Denkmuster aufzulösen sei schwierig, da sie eine unmittelbare psychologische Funktion hätten, nämlich sich für kurze Zeit besser zu fühlen, und eigene Probleme auf andere zu schieben.

 

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Unwissen schafft Vorurteile
Vor allem junge Männer mit wenig beruflichen Zukunftsperspektiven neigten zu fremdenfeindlichen Einstellungen, erzählt Regina Polak, eine Autorin der oben genannten Jugendwertestudie im mokant.at-Gespräch: „Der Bildungsfaktor ist entscheidend.“ Die Schule sei ihrer Meinung nach auch allen voran gefragt, wenn es darum geht, den Umgang mit Differenz und Pluralität zu thematisieren. „Man muss Unterschiede sichtbar machen und sich damit auseinandersetzen, einander kennen lernen.“

„Einander kennen lernen“ ist ein wichtiges Stichwort. Vorurteile entstehen nämlich zumeist dann, wenn man wenig über jemanden, zum Beispiel eine ethnische Gruppe weiß. Fundiertes Wissen und eine sachliche Auseinandersetzung bauen Vorurteile ab. „Wir alle sagen dann und wann Sprüche dieser Art, übernehmen Vorurteile und sind unreflektiert. Es kommt aber darauf an, wie wir damit umgehen.“ In ihren Workshops greift sie gängige „rechte“ Sprüche auf und die Jugendlichen können über Fakten und Meinungen diskutieren.

 

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Argumente gegen „rechte“ Sprüche
Aus dieser Erfahrung ist jetzt die von wienXtra herausgegebene Broschüre „Da mach ich nicht mit! Argumente gegen ‚rechte' Sprüche“ entstanden, in der Aussagen, wie „ausländische Jugendliche suchen immer Streit“ thematisiert werden. Es gibt zu jedem Spruch eine Gegenfrage und Fakten. Die Broschüre ist an Jugendliche adressiert, die gegen solche Aussagen sind, sie etwa in ihrem Freundeskreis hören und nicht wissen, wie sie darauf reagieren sollen. Jedoch: „Zielgruppe sind vor allem auch Jugendliche, die diese Sprüche selbst sagen und vielleicht einmal in Ruhe nachdenken – nämlich wenn ihnen diese Broschüre in die Hände fällt – und ihre Haltungen ändern können“, meint Wisinger.

Sie räumt ein, dass es nicht immer einfach ist so eine Haltung zu ändern, vor allem, wenn ein Jugendlicher tatsächlich etwa von einer Gruppe türkischstämmiger Jugendlicher überfallen wurde.
„Gegen persönliche Erfahrungen ist nicht zu argumentieren. Sie sind zu respektieren“, meint Marion Wisinger. Man sollte aber sehr wohl thematisieren, dass Verallgemeinerungen falsch sind, wer eigentlich etwa mit dem Wort „ausländisch“ gemeint sein soll, oder warum solche Überfälle passieren. „Das entschuldigt Gewalt nicht, bringt sie aber in einen Zusammenhang, der nicht ethnisch oder national begründet wird, sondern sozial.“

 

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