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Die Unis stehen vor dem Totalschaden, die Politik sieht zu, meint Hans-Georg Eilenberger
Die Situation der heimischen Hochschulen erinnert an das Beobachten
eines Auffahrunfalls: Ein Fahrzeug nähert sich mit unverminderter
Geschwindigkeit der Kreuzung. Das Heck des Vordermannes kommt näher und
näher. Auf den letzten Metern vor dem Zusammenprall scheint die Zeit
fast stillzustehen, während Schaulustige mit weit aufgerissenen Augen
das Faszinosum des Unausweichlichen begaffen. Die Unis stehen am Rand
ihrer Kapazitäten. Geld und Platz fehlen hinten und vorne, überfüllte
Hörsäle und Massenabfertigung strafen den freien Hochschulzugang Lügen.
Und doch sorgen unzumutbaren Zustände wie diese keineswegs für einen
öffentlichen Aufschrei. Ganz im Gegenteil mutet es geradezu banal an,
diese Zustände überhaupt aufzugreifen. Wen interessiert das denn noch?
Dass die Unis den Bach runtergehen, wissen wir doch schon seit Jahren.
Seit Jahren steht die Politik daneben und beäugt die armen Schweine,
denen nichts Besseres eingefallen ist, als Politikwissenschaft oder
Publizistik in Österreich zu studieren.
Für den Aufschrei mussten erst die Studierenden in der Audimax-Bewegung
und jetzt die Uni-Rektoren sorgen. Anfang Oktober kündigten sie
drastische Konsequenzen an, sollte das Budget für den tertiären
Bildungssektor wie geplant bis 2015 eingefroren werden: Institute
müssten notfalls zusperren, ganze Studienrichtungen ausgesetzt werden.
Ähnlich klingt es, wenn Wissenschaftsministerin Beatrix Karl im
Kurier-Interview ohne zusätzliche Mittel die Kündigung von bis zu drei
Viertel der Professorinnen und Professoren in Aussicht stellt. Die
Wissenschaftsministerin will mehr Geld, aber nicht protestieren – ganz
im Gegensatz zum Universitäts-Personal und den Studierenden.
Unterstützt von der ÖH werden sie am 19. Oktober eine solidarische
Vollversammlung abhalten. Auch was die Erschließung neuer Geldquellen
betrifft, dürften die Meinungen auseinandergehen. Für Karl sind
Studienbeiträge das Mittel der Wahl, um die Finanzierungslöcher der
Unis zu stopfen. Dabei weiß wahrscheinlich niemand besser als sie, dass
Beiträge alleine nicht einmal reichen werden, um den Status quo zu
sichern.
Also geht es in der Hochschulpolitik nur ums Geld? Ja, denn
unverbindliche Bekenntnisse gibt es mittlerweile zu Hauf. Wie sonst
lässt sich die seltene Einigkeit der Wiener Großparteien verstehen, die
auf Anfrage der ÖH unisono erklärten: Die Unis brauchen mehr Geld. Dumm
wären die Politikerinnen und Politiker aller Lager, würden sie abwinken
und die Studierenden gegen sich aufbringen. Glaubwürdiger macht sie das
freilich nicht. Ebenso herzig (um das Vokabular des
niederösterreichischen Landeshauptmannes zu bemühen) ist das ewige
Zwei-Prozent-Versprechen der Bundespolitik. Zwei Prozent des BIP für
die Hochschulen sollen es sein. So stand es in jedem Regierungsprogramm
der vergangenen Jahre wie das Amen im Gebet. Von „moderner
Wissensgesellschaft“ und „innovationsorientierter Hochschul- und
Forschungspolitik“ ist im Programm des Kabinetts Faymann die Rede.
Angesichts der Lage klingt das nicht mehr zynisch, sondern wie blanker
Hohn.
Natürlich hat die Finanzkrise einiges verändert. Bei schlechter
Konjunktur in Bildung und Forschung zu investieren, ist trotzdem kein
Ding der Unmöglichkeit. Andere europäische Staaten machen es vor. Der
Großen Koalition hingegen dient die Wirtschaftslage lediglich als
Feigenblatt für den Mangel an politischem Willen. Statt in die Zukunft
zu investieren, finanziert Rot-Schwarz lieber teure Pensionsprivilegien
und institutionelle Doppelgleisigkeit. Man könnte freilich auch anders
argumentieren: Geld ist nicht alles, Rankings sind nur die halbe
Wahrheit, Wettbewerb an den Unis stärkt den Charakter. Und mit ein
bisschen Glück werfen genug Leute nach zwei Semestern frustriert das
Handtuch. Dann wird es im Hörsaal noch richtig wohnlich.
Bildung als Zankapfel
Link dazu ...
Beatrix Karl im Kurier-Interview
Regierungsprogramm 2008-2013
Kommentar von





















































