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Wer die Auswahl hat, sollte nicht nach dem Kriminalroman greifen

Warnung! Du bist im Begriff einen absolut miserablen Freizeittipp zu lesen. Zum Wohle deiner eigenen Lebensqualität: Bitte nicht nachmachen!

 

„Na los, töte mich doch, aber in 24 Stunden wird mokant.at trotzdem offline gehen! Harharhar!“. Der Abzug der Magnum schreckt die Vögel von den kahlen Bäumen auf. Ein kalter Windstoß. Ein in sich verstummendes Lachen. Eine Gestalt sackt zusammen. Was für ein beschissener Anfang für einen Anti-Freizeit-Tipp.

Und warum? Weil er wie ein Krimi beginnt. Eigentlich liegt es doch auf der Hand: Der Krimi ist das Valium unter den Literaturgenres. Für die, die das nicht einsehen wollen, hier einige stichfeste Beweise:
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1) Der Wahnsinn in Krimis ist simpel, übermenschlich und durchschaubar und widerspricht damit in allen drei Punkten dem Prinzip, ja, dem Fundament von Wahnsinn.

2) Man muss mit dieser Aussage zwar vorsichtig sein, aber so durchtrieben wie in Krimis ist unsere Welt nun auch wieder nicht. Hinter jeder Organisation steckt ein Geheimbund, hinter jedem Objekt eine tiefere Bedeutung, hinter jedem Baum lauert ein Freimaurer. Naja, obwohl, der letzte Punkt könnte sogar stimmen.

3) Wie viele Psychopathen habt ihr in eurem Bekanntenkreis? Ich meine damit so richtige Psychopathen, also mordende, kaltblütige Psychopathen, nicht die „Oida, da Pepi is ur der Psycho“-Typen? Der Detektiv im Kriminalroman hat mindestens einen davon. Und während er so klug ist und die irrwitzigsten Geheimbotschaften entschlüsselt, braucht er geschlagene zweihundert Seiten, bis er erkennt, dass sein bester Freund oder Kollege dahintersteckt. Was ist denn das bitteschön für eine Prioritätensetzung?

 

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4) Wie sagte Thomas Bernhard so schön? „Ich schreib ja nicht für Depperte, denen man alles vorgeben muss. Da wächst ein Gras, da ist ein Orangenbaum, der hat Orangen und die Orangen sind zuerst grün, dann werden sie gelb und dann werden sie orangenfarbig. (…) Damit lass ich den Leuten einen Spielraum. Aber die Leute, die das alles beschreiben – sie geht zur Tür hin, dann trifft sie den Doktor Übermichl und der hat eine Aktentasche und in der Aktentasche sind sieben Akten (…) – das ist doch alles uninteressant, aber daraus besteht die meiste Schriftstellerei.“ Nachsatz: Daraus bestehen die meisten Krimis.

5) Der Krimi zählt zur Trivialliteratur. Punkt.

6) Die Erkenntnis ist nicht neu: Menschen finden Schockierendes, menschliche Untiefen, Katastrophen, Mord und Totschlag einfach voll geil. Deshalb sind Krimis auch so erfolgreich. Wer Krimis nicht liest, kann sich in diesem Punkt zu einem besseren Menschen zählen. Zumindest solange, bis er „Österreich“ kauft.

7) Gibt man in Google die Phrase „Ich hasse Krimis“ ein, spuckt die Suchmaschine stolze 720 Ergebnisse aus, bei keinem anderen Literaturgenre stößt man auf so viele Ergebnisse. „Ich hasse Liebesromane“ hat 52 Suchergebnisse, „Ich hasse Lyrik“ 113 Ergebnisse, „Ich hasse historische Romane“ 36 Ergebnisse, und so weiter. Wir sind uns also eh alle einig.

 

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