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Uni-Finanzierung? Sozialleistungen kürzen? Wallerberger erklärt die ÖH-Sichtweise
Thomas Wallerberger diskutiert mit Beatrix Karl – nicht ganz. Der
stellvertretende ÖH-Bundesvorsitzende argumentiert gegen gängige Thesen
einer „neoliberalen Hochschulpolitik“. Zugangsbeschränkungen?
Studiengebühren? Wallerberger erklärt, was die ÖH dazu sagt.
Wir befinden uns in einer Weltwirtschaftskrise, da müssen eben alle
ihren Teil zur Budgetsanierung beitragen – auch die Studierenden.
Thomas Wallerberger:
Wir müssen nicht im Bildungssystem streichen, das ist eine Frage der
Prioritätensetzung. Es ist genug Geld da, es braucht nur frisches Geld,
es braucht eine Umschichtung. Wenn man genug Geld hat für
Infrastrukturprojekte, kann man auch Geld für Bildung aufwenden. Der
Staat hat die Verantwortung, Bildung zu finanzieren, und nicht der
private Einzelne, der über kein Einkommen verfügt.
Sollen wir stattdessen die Sozialleistung kürzen? Ist Ihnen das lieber?
Thomas Wallerberger: Nein,
das soll man natürlich nicht. Sozialthemen sind wie Bildungsthemen ja
genau die Themen, die von der Bundesregierung und von den
Bundesregierungen der letzten Jahrzehnte kontinuierlich ignoriert
worden sind. Das sind beides wichtige Bereiche und keine besonders
populären, weil man dort halt keine Wahlen gewinnt. Wir wollen, dass
diejenigen, die es sich leisten können, einen Beitrag zahlen – das sagt
auch Karl immer wieder –, aber über ein gerechtes Steuersystem und über
vermögensbezogene Steuern, wo ja Österreich bekanntlich im OECD-Schnitt
an vorletzter Stelle liegt.
Führen wir doch wieder Studiengebühren ein, das ist sozial gerechter.
Thomas Wallerberger:
Das ist eben nicht so. Wir haben ein marodes Stipendien-System, es gibt
auch kein treffsicheres Stipendien-System und schon gar keine sozial
gerechten Studiengebühren. Die Studiengebühren an sich sind immer nur
ein grauslicher Nebenschauplatz, weil Karl davon ablenkt, dass es in
ihrer Verantwortung läge, für mehr Budget zu kämpfen. Studiengebühren
haben noch nie etwas verbessert an den österreichischen Hochschulen,
weil das Budget dann einfach in der gleichen Höhe wieder gekürzt worden
ist. Wir brauchen nicht Peanuts, sondern es braucht Millionen im
Hochschulsektor, es braucht einen verpflichtenden Finanzierungspfad und
nicht Ablenkungsmanöver.
Dann führen wir eben Zugangsbeschränkungen ein, dadurch würden die Unis auch entlastet.
Thomas Wallerberger: Da
gibt es zwei Dinge, die klar dagegen sprechen. Wir haben die absurde
Situation in Österreich: Wir haben zu wenig Studierende und sogar für
diese Studierenden zu wenig Geld. Zugangsbeschränkungen bedeuten: Wir
haben noch weniger Studierende. Österreich braucht aber diese
Hochschulabsolventen und auch diese Studierenden.
Zu sagen, für europäische Verhältnisse hätte Österreich zu wenige
Akademiker, heißt doch Äpfel mit Birnen zu vergleichen. Anderswo gelten
Krankenschwestern zum Beispiel auch als Akademiker.
Thomas Wallerberger: Gerade
bei den Krankenschwestern ist das eine Entwicklung, die Österreich auch
bevorsteht, beziehungsweise gerade durchmacht. Meine Argumentation ist
ganz klar: Es soll jeder studieren können, der studieren will. Bildung
ist ein Recht und kein Privileg.





