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Nicht nur Pro-, auch Gegenseiten entstehen in sozialen NetzwerkenDer Wien-Wahlkampf läuft, auch im Web kommen die Parteien langsam auf Touren
Die offiziellen Wahlkampfauftakte der Parteien finden kommende Woche statt, im Netz wird allerdings schon seit Monaten fleißig getwittert und gebloggt. Ein Blick auf die Webaktivitäten der einzelnen Parteien und deren Kandidaten fördert Interessantes zutage.
Nachahmer des Ziegelsteins
Wer auf Facebook nach dem Namen Häupl sucht, der findet zu aller erst ein „hirnloses Papierhandtuch“,
eine „Klomuschel“, oder auch eine „vollgekackte Windel“, die allesamt
darum buhlen, mehr Freunde als Michael Häupl zu haben. Schaffen sie
das? Allerdings, was wohl vor allem daran liegt, dass es kein
offizielles Profil Häupls gibt. Die größte private Unterstützergruppe
kommt auf 800 Freunde, die Unterstützer-Plattform „Team für Wien“ immerhin auf 1.355 (Stand 1. September). Auf Twitter ist nur die Bundes-SPÖ zu finden, einen Youtube-Kanal hat die SPÖ Wien allerdings.
„In Wien stürzen in letzter Zeit öfters Häuser ein. Die Absolute der
SPÖ bröckelt ja auch schon“ oder auch „Die Ottakringer Grünen stehen ja
angeblich auch vor der Spaltung. Wenn das so weitergeht, kann Frau
Vassilakou schön langsam ein eigenes Atomkraftwerk aufmachen“ sind nur
zwei Auszüge aus den Statusmeldungen des Facebook-Profils von Christine Marek.
Die Kommentare der User dazu, großteils ÖVP-Sympathisanten, fallen eher
negativ aus. Hinter den Sprüchen dürfte der neue Kommunikationschef der
ÖVP Wien stecken, der vormals einen Praktikanten für Josef Pröll
suchte. Nichtsdestotrotz sind die PR-Berater von Marek durchaus bemüht
um den Online-Auftritt, so finden sich auf der Website der ÖVP Wien auch Links zu den neuesten Beiträgen auf Twitter, Youtube und Flickr.
Wiener Blut
Den inoffiziellen Startschuss zum Wahlkampf lieferte die Wiener FPÖ mit
ihrem „Wiener Blut“-Plakat. Neben den Reaktionen der anderen Parteien
und Personen aus der Öffentlichkeit, regt sich auch auf Facebook
Widerstand. So fordern knapp 15.000 Mitglieder: „Runter mit den Mehr Mut für unser Wiener Blut - Plakaten“. Ebenso viele meinen in einer anderen Gruppe, dass „Wiener Blut“ für Offenheit und Toleranz stehe. Mit gut 55.000 Fans ist Heinz-Christian Strache
wiederum wenig verwunderlich Spitzenreiter aller Spitzenkandidaten für
Wien – er ist als einziger auch bundespolitisch aktiv. Die Website und
der Youtube-Kanal der FPÖ Wien sind ebenfalls auf aktuellem Stand, einzig die Suche nach einem Twitter-Account ist vergebens.
Neben den obligatorischen Facebook- und Twitter- Accounts
ist die Website der Grünen Wien hervorzuheben. Jeder Kandidat hat hier
seinen eigenen Bereich, wo er persönlich Kommentare schreibt und Links
zu seinem Facebook-Profil, Twitter-Account oder Youtube-Videos zu
finden sind. Maria Vassilakou hat in ihrem Bereich
Google Maps eingebunden und zeigt auf dieser Karte, was sie und die
Grünen wo in Wien verändern wollen. Zudem betreiben in keiner anderen
Partei dermaßen viele einen eigenen Blog. Schmankerln der Website sind
Dinge wie „Wir wollen's wissen“, wo auch nicht registrierte User Fragen
stellen können und tatsächlich innerhalb weniger Tage eine ausführliche
Antwort erhalten. Oder auch „Rent a green“, wo zwei angeblich beliebige
Kandidaten auf der Liste direkt ins Wohnzimmer der Interessenten kommen
und sich eineinhalb Stunden einer Diskussion stellen.
Chance für Kleinparteien
Das Netz bietet zwar eine aufwändige, aber kostengünstige Möglichkeit,
um möglichst viele Wähler zu erreichen. Aus diesem Grund ist das Web
gerade für Kleinparteien, die nur ein begrenztes Budget zur Verfügung
haben, äußerst attraktiv. Und Bemühen ist bei allen erkennbar, ganz
egal ob es sich um das LIF, die Julis, das BZÖ, die KPÖ oder die „Plattform direkte Demokratie“
handelt. Sogar der Senior darunter, Walter Sonnleitner, Spitzenkandidat
des Wiener BZÖ, hat ein persönliches Facebook-Profil, auf dem auch
Kindheitsfotos zu finden sind. Was die Web-Bemühungen der einzelnen
Parteien allerdings effektiv bringen, wird wohl erst der 10.Oktober
zeigen.
Titelbild: mokant.at montage > foto: wikipedia.org/boris23 (CC)





