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Walter Sonnleitner über den Bedarf von Gebetshäusern und Liberalismus
mokant.at: In einer Aussendung von Ihnen heißt es: „Im Gegensatz
zu den Systemparteien Rot und Schwarz und einem, der nur schimpft,
haben wir auch Lösungen.“ Wie sieht die Lösung zum Beispiel in Sachen
Migrationspolitik aus?
Walter Sonnleitner: Das Thema wird zum Wahlkampf überhöht und
polarisiert, um auf sich aufmerksam zu machen. Damit habe ich ein
bisschen ein Problem, weil ich nicht schimpfen mag, weil ich das
Argument habe, wir müssen aufeinander zugehen und schauen, wie wir
miteinander auskommen. Natürlich brauchen wir in Österreich
mittelfristig Migration, so wie der Fußballverein brauchen wir Leute,
die wir selbst nicht haben. Erstens, weil wir zu wenig Kinder haben in
Österreich und zweitens, weil wir sie bis jetzt auch zu wenig
ausgebildet haben.
mokant.at: Also auch eine Bildungsfrage?
Walter Sonnleitner: Ich war in den letzten Jahren in südosteuropäischen Ländern unterwegs,
voriges Jahr habe ich in PriÅ¡tina eine Vorlesung über
Wirtschaftsdemokratie gehalten. Kosovo ist ein kleines Land, aber allein
an der philosophischen Fakultät gibt es 41.000 Hörer. Die sind aber
anders unterwegs, wenn ich mir da unsere Studenten anschaue … Es fängt
damit an, dass sie alle mindestens drei Fremdsprachen sprechen. Dasselbe
habe ich heuer in Moldawien erlebt: Das ist eine sehr arme Republik,
aber dort gehen neunzig Prozent der Jugendlichen zumindest auf
Fachhochschulen oder auf eine Universität. Die werden natürlich stark
angeworben von anderen Ländern, die sind nicht so ungeschickt wie die
Österreicher. Wenn man hier studiert, kann man danach wieder heimgehen.
Was machen die anderen EU-Länder? Die nehmen die Leute auf, zum Beispiel
Techniker.
mokant.at: Das sind die Fächer, die an den Universitäten weniger gewählt werden.
Walter Sonnleitner: Bei uns werden eher Studien gewählt, die
nicht viele Berufsaussichten haben, aber man kommt leichter zu einem
Abschluss. Aber auf der Technik gibt es das nicht, deshalb haben wir
jetzt auch zu wenige Mittelschulprofessoren für Mathematik. Wir werden
vermutlich irgendwann anfangen müssen, sie besser zu bezahlen, wenn sie
sich schon mehr antun beim Studium. Die Leute, die Physik und
Mathematik studieren, werden wir brauchen. Diese Sperren sind sinnlos,
damit tun wir uns nur selbst weh. Was wir natürlich nicht brauchen,
sind Rabauken aus dem Ausland, die sich hier aufspielen wollen. Diese
Leute gibt es natürlich auch.
mokant.at: Wie ist ihre Meinung zu Moscheen und Minaretten?
Walter Sonnleitner: Ich sehe in dem Vorstoß von Anas Schakfeh (Vorsitzender
der muslimischen Glaubensgemeinschaft, fordert eine Moschee mit
Minarett in jeder Landeshauptstadt, Anmerkung der Redaktion) in
erster Linie eine Provokation. Man muss einmal sehen: Freie Ausübung
der Religion ist das eine, aber der Bedarf ist das andere, und wir
wissen alle, dass alle Religionen jammern, dass ihre Gebetshäuser nur
zu den hohen Festtagen wirklich überlastet sind. Das Jahr über sitzt
man mehr oder weniger alleine mit ein paar alten Leuten drinnen. Es
wird niemand etwas dagegen haben, wenn jemand sagt, wir brauchen ein
größeres Gebetshaus, aber das ist eine Frage des Bedarfs. Und die
Bedarfsfrage muss lokal erledigt werden, wo die Leute betroffen sind.
Das mit einem Gesetz regeln zu wollen, ist eigentlich eine Provokation.
Wenn Bedarf besteht, wird dieser Bedarf geschaffen werden müssen. Da,
wo es zum Stadtbild passt, in Wien wird es besser ausschauen als am
Land. Diese riesigen Türme, die nur Macht demonstrieren sollen, müssen
die wirklich sein? Jetzt haben wir endlich die Kirchen soweit, dass sie
nicht ständig läuten, und dann kommt der Lärm von den Minaretten dazu.
Wo steht geschrieben, dass man das braucht? Wenn ich in mich gehen will
für meine Motivation, da brauche ich keine Glocken, kein Tamtam, da
setze ich mich halt hin und mache das.
mokant.at: Aber wenn es Kirchen gibt, wären Minarette doch nur fair.
Walter Sonnleitner: Ja, dann gehen wir in die türkischen Dörfer und schauen, wie viele Kirchen es dort gibt.
mokant.at: Sollen wir in Österreich uns an der Türkei orientieren?
Walter Sonnleitner: Das Argument zählt nicht. Die Menschen
sollen haben, was sie brauchen, in Wien wird es kein Problem sein, da
ist es ohnehin so laut. Aber wenn ich schon die einen dazu bringe,
Rücksicht zu nehmen, dann sollen es die anderen bitte auch.
mokant.at: Was bedeutet für sie liberal?
Walter Sonnleitner: Liberal bedeutet für mich, dass ich mir
nicht sagen lasse, was ich zu denken habe, dass ich denke, was ich für
richtig halte, nach ethischen Gesichtspunkten, dass ich frei sprechen
darf und dass ich frei bin, das zu tun, was richtig ist.
mokant.at: Sie stehen als Person für den neuen,
wirtschaftliberalen Kurs des BZÖ. Wie passt das zu Petzner, Stadler und
Westenthaler, wird dadurch die Linie nicht unglaubwürdig?
Walter Sonnleitner: Man muss schon entscheiden, was Bucher mit
seiner Erneuerung mit einer stärkeren Fixierung auf den Mittelstand
meint: Es sind nicht die Reichen und Großindustriellen, die bei uns im
Vordergrund stehen, sondern der Mittelstand. Wenn man das
wirtschaftsliberal betrachtet, wird man auch sehen, dass das nicht so
sehr die Interessen der Großindustrie sind, sondern die Interessen der
Wirtschaftstreibenden, und das sind wir alle. Insofern haben wir es
großteils selbst in der Hand und gerade in Wien gibt es viele
Einzelunternehmer, die sagen, das, was sie für die anderen um wenig
Geld machen, können sie für sich selbst auch machen. Man muss ja keinen
riesigen Konzern aufziehen. Das machen immer mehr und die Tendenz geht
auch dahin.
„Wirtschaftsliberal“ ist immer mit negativen Eindrücken belastet. Dabei
sollte es anders sein, man sollte die Freiheit haben, das Beste für
sich selbst zu machen, aber die Menschen sehen das leider nicht so.
Adam Smith hat ein dünnes Buch geschrieben, „The Wealth of Nations“,
und er hat ein dickes Buch geschrieben über die Ethik und darüber, dass
freies Wirtschaften ohne Ethik nicht möglich ist. Was wurde gemacht?
Das dicke Buch wurde weggeräumt und gesagt: Kohle machen ist es, das
bringt es. Menschen mit Ideen haben meist das Problem, dass es Menschen
gibt, die aus ihren Ideen nicht das Beste machen.
mokant.at: Sie haben „Sparsamkeit“ als ein Schlagwort für ihren
Wien-Wahlkampf gewählt. Jetzt war Jörg Haider nicht unbedingt für seine
Sparsamkeit bekannt. In der Steiermark wird ein
Haider-Anbetungswahlkampf geführt. Wie passt das zum
wirtschaftsliberalen Kurs des BZÖ?
Walter Sonnleitner: Menschen sind verschieden. Herr Grosz hat
andere Vorstellungen, er hat Haider vermutlich auch besser gekannt als
ich. Haiders Verwandlungsfähigkeit war schon bemerkenswert. Er hat sich
manches geleistet, was unsereins sich nicht leisten kann, weil wir
nicht die Kohle dafür haben.
mokant.at: Bei anderen liberalen Themen wie Bildung und Integration, sind Sie da mit Stadler und Petzner einer Meinung?
Walter Sonnleitner: Ich hoffe, dass man sich da einigt. Mit
Herrn Bucher kann ich mich jederzeit verständigen. Nachdem sich diese
Personen in letzter Zeit nicht zu Wort gemeldet haben, sehe ich das
sehr positiv.
mokant.at: Ein Großteil des Vorstands der „Mittelstandsvereinigung“, deren Vorsitzender Sie sind, weist eine Nähe zum BZÖ auf …
Walter Sonnleitner: Großteil? Ich habe von Haus aus das Problem
gehabt, Leute zu finden, die es sich leisten können, sich für eine
Sache einzusetzen, ohne dass sie Karriere machen müssen, ohne dass sie
finanziell einen Vorteil haben wollen. Veit Schalle zum Beispiel ist
ein tüchtiger Manager, der es auch nicht nötig hat, sich um ein Zubrot
zu kümmern. Dasselbe gilt für Robert Glock, der es nicht nötig hat,
Karriere zu machen, im Gegenteil, er hat uns in seinem Haus ein Büro
zur Verfügung gestellt.
mokant.at: Haben Sie keine Angst, dass die Überparteilichkeit dadurch gefährdet ist?
Walter Sonnleitner: Ganz im Gegenteil, als ich ihnen von meiner
Kandidatur erzählt habe, haben sie mir ordentlich was erzählt, das war
nicht lustig. Warum ich wenig Rücksicht nehmen konnte auf Parteinähe:
Wir reden über Mittelstandspolitik. Ich schaue immer, dass ich Leute
finde, die das gerne machen, auch ohne finanziellen Vorteil, auch beim
Wahlkampf. Auch ich habe aus meiner Privatkassa viel bezahlt, weil es
mir ein Anliegen ist. Ich hätte das Geld natürlich auch mit Parties
durchbringen können.





