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Der Nino aus Wien über traurige Musik und seine Zukunft als heimischer Superstar
mokant.at: Trifft bei dir das Künstlerklischee zu, dass du
kreativ bist, wenn es dir schlecht geht? Oder kannst du auch, wenn du
gut gelaunt bist, kreativ sein?
Nino aus Wien: Mittlerweile ist es ja so, dass Leute
Auftragsarbeiten von mir wollen, dass sie sagen, schreib ein Lied über
irgendwas, morgen muss es fertig sein. Und das kann ich schon auch. Da
ist es mir egal, was ich bin, ob ich jetzt traurig bin, betrunken oder
fröhlich. Es funktioniert schon ganz gut. Wenn man traurig ist, kann
man auch ein lustiges Lied schreiben und wenn man lustig ist, kann man
auch ein lustiges Lied schreiben, aber auch ein trauriges. Man kann
schon immer schreiben, wenn man will oder muss.
mokant.at: Viele deiner Stücke sind eher melancholisch und langsam. Spiegelt das deine Gemütsverfassung wider?
Nino aus Wien: Ich wollte eigentlich nie Partymusik machen.
Vielleicht sind das auch Einflüsse, die man hat, wenn man selber auch
eher traurige Musik hört. Ich bin nicht unbedingt ein sehr trauriger
Mensch, ich bin fast ein Optimist. Ich finde es oft schöner, wenn ein
Lied traurig ist. Es gibt schon auch Lieder, die fröhlich sind, auch
von mir, wie „Holidays“. Wobei, da war ich lustigerweise sehr traurig,
als ich es schrieb.
mokant.at: Ist Musikmachen Arbeit für dich?
Nino aus Wien: Natürlich. Man muss viel beachten beim Aufnehmen,
beim Auftreten und beim Schreiben. Aber die meiste Zeit besteht aus
Warten. Man wartet viel und lernt Karten spielen.
mokant.at: Die meisten deiner Stücke komponierst du auf Gitarre, obwohl du auch Keyboard spielst. Warum dieses Instrument?
Nino aus Wien: „Holidays“ hab ich am Keyboard geschrieben, aber
ich bin eigentlich lausig am Keyboard. Bei Gitarre geht es gerade noch,
aber damit kann ich auch nicht wirklich das komponieren, was ich mir
vorstelle.
mokant.at: Einige Journalisten vergleichen dich mit dem frühen
André Heller. Du wirst oft als Austropopliterat bezeichnet. Bist du mit
dieser Bezeichnung zufrieden oder würdest du deine Musik anders
einordnen?
Nino aus Wien: Ich mag ja diese Austropop-Sachen aus den
Siebzigern. Als ich das erste Mal Musik gemacht habe, habe ich aber
überhaupt nicht gedacht, dass ich sowas machen will. Da habe ich eher
gedacht, ich will instrumentale, psychedelische, frühe Pink
Floyd-artige Sachen machen. Das kommt eher von Liedern wie „Du Oasch“,
dass man sagt: „Austropop, oder?“ Oder weil ich Deutsch singe,
vielleicht. Ich weiß es nicht, vielleicht ist es Austropop. Das finde
ich schon okay, dass man das sagt. Besser Austropop als Powerpop oder
Punkpop. Oder Folk.
mokant.at: Kommt es für dich auch in Frage, auf Englisch zu singen? Oder ist Deutsch die einzige Sprache …
Nino aus Wien: … die ich beherrsche.
mokant.at: Nein, die sich zum Musikmachen eignet.
Nino aus Wien: In „Holidays“ und „Du Oasch“ hab ich englische
Wörter. Nämlich „holidays“. Und „bitch“ hab ich. Da bin ich ja ein
bisschen HipHop-artig. Aber ich habe englische Lieder. Nur die kennt
keiner.
mokant.at: Wirst du sie einmal herzeigen?
Nino aus Wien: Naja, wer weiß. Es lungern so viele Lieder rum, auch
englische Lieder, aber man veröffentlicht ja ohnehin nur einen kleinen
Teil des Ganzen. Bis jetzt sind halt nur deutsche Sachen veröffentlicht
worden, außer einzelner Worte.
mokant.at: Findest du, deine Musik wird von den richtigen Leuten
gehört? Deine Musik wird hauptsächlich von der Fm4-Hörerschaft
wahrgenommen. Würdest du gern ein breiteres Publikum ansprechen?
Nino aus Wien: Ich finde das schon okay, dass das der Fm4-Hörer hört und Fm4 auch oft darüber schreibt und die Musik spielt.
mokant.at: Möchtest du auf Ö3 gespielt werden?
Nino aus Wien: Ich hätte nichts dagegen, aber ich glaube, dass
die bis jetzt veröffentlichten Sachen nicht so passend sind. Vielleicht
ist irgendwann einmal was passend, aber ich lege es nicht drauf an.
Skero ist jetzt auf Ö3 …
mokant.at: Und Bunny Lake.
Nino aus Wien: Bunny Lake, ja. Das passiert halt. Skero ist
jetzt fast vierzig. Und der war nicht auf Ö3 in den letzten Jahren. Ich
kann mir nicht vorstellen, dass ich mit vierzig mit so einem Lied in
die Ö3-Charts komme. Es gibt ja noch eine andere Seite außer Fm4 und
Ö3. Was mir auffällt, ist, dass wir sehr gut ankommen in dieser ganz
abgehobenen Kunstszene, Vernissagen, Galerien und so. Wo die Leute nur
dasitzen und still sind. Dort zu spielen, ist ein Erlebnis.
mokant.at: Würdest du sagen, der Indie-Begriff ist veraltet? Würdest du dich selbst als Indie oder Mainstream bezeichnen?
Nino aus Wien: Ich habe gelesen, dass in Wien jetzt bandmäßig
viel los ist. Und dass das der neue Pop ist aus Österreich. Vielleicht
schwappt das einfach so über, dass mehr Sachen auf Ö3 gespielt werden.
Diese typischen Ö3-Sachen sind ja sehr kurzlebig, so Luttenberger Klug
und Mondscheiner. Das ist ja auf Dauer nicht befriedigend. Vielleicht
kommt ein Umdenken zustande, sodass wir die neuen Superstars werden in
Österreich.
mokant.at: Würde dich das reizen, Superstar zu werden?
Nino aus Wien: Keine Ahnung. Ist Skero jetzt ein Superstar?
mokant.at: Ich denke nicht, dass man das so definieren kann.
Nino aus Wien: Eh nicht. Aber Ö3 wäre schon auch okay. Ich hätte nichts dagegen.
mokant.at: Der Nino aus Wien wird immer bekannter, gerade auch
durch die Nominierungen beim Amadeus Award. Wie geht es dir mit dem
Erfolg, wirst du inzwischen auf der Straße erkannt?
Nino aus Wien: (lacht) Überhaupt nicht, nein.
mokant.at: Mit wem würde dich eine Zusammenarbeit reizen? Du hast schon mit Anja Plaschg am Popfest gesungen.
Nino aus Wien: Mit Sir Tralala war es sehr schön, mit Anja
Plaschg war es sehr schön, weil die beiden einfach irrsinnig gut
singen. Man kommt sich da ziemlich klein vor, aber auch sehr glücklich.
Mit Skero habe ich auch gesungen, das war auch sehr nett. Wen gäbe es
noch? Vielleicht einen von den alten, damit dieses Austropop-Ding ein
bisschen verschärft wird. Da würde ich gerne mit Ludwig Hirsch singen.
Das stelle ich mir ganz lustig vor. Eine
Zusammenarbeit mit Freddy Gigele reizt mich auch immer schon. Und Peter
Rapp. Der ist zwar kein Sänger, aber ich will irgendwas mit ihm machen,
er könnte zum Beispiel die neue Album Release Show moderieren.
mokant.at: Woher nimmst du die Motivation, Musik zu machen? Ein lukratives Geschäft wird das ja nicht gerade sein
Nino aus Wien: Zumindest wird man reich an Erfahrungen. Motivation - es gibt
mir wohl schon viel, Lieder zu schreiben und sie vorzusingen.
mokant.at: Kann man heute im mp3-Zeitalter vom Musikmachen noch leben?
Nino aus Wien: Das kommt natürlich auch auf die Musik an. Im Schlagerbereich kann man ganz
gut leben, könnt ich mir vorstellen. In diesem Indie-Bereich ist es
natürlich deutlich schwieriger. Aber wenn man bescheiden lebt und sehr
viel spielt und sehr viel macht, vielleicht auch Sachen die einen
weniger freuen, dann kann es sich über einen gewissen Zeitraum schon
ausgehen für manche Leute. Von CD-Verkäufen bekommt man natürlich nicht
viel ab, aber Tantiemen und Gagen zusammengerechnet können zum Teil
schon ganz nette Summen ergeben. Das Schwierige ist aber wohl, sich
dauerhaft zu halten.
mokant.at: Kann man noch dieses Jahr mit einem neuen Album von dir rechnen?
Nino aus Wien: Es wird etwas erscheinen, aber kein Album. Ich
glaube, das Album wird erst nächstes Jahr kommen, und dieses Jahr wird
eine Single oder eine EP erscheinen.













