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Monty Pythons Film beschließt die heurige Sommerkinosaison

Monty Pythons „Wunderbare Welt der Schwerkraft“ (Ian MacNaughton, 1971)

 

Sechs Hauptdarsteller. 43 Sketche und Animationen. 85 Minuten. Eine filmische Provokation. Viele hilfreiche Tipps für Neurotiker zur täglichen Handhabung von Milch, Büschen, Wörterbüchern, Frauen, Scherzen, Tieren, Gabeln und vielem anderen. Monty Pythons fliegender Zirkus begibt sich aus dem Fernseher in die Wildnis des Kinos und liefert seine eigene Schwerkraft als die beste Medizin gegen jede Krise. Je nach Wunsch oder Bedarf entweder löffelweise oder auf einen Schlag einnehmbar. Vorsicht: dieser Film kann körperliche Veränderungen hervorrufen, vorwiegend im Bereich der Lachmuskeln.

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Es war einmal …
Man schrieb das Jahr 1969. Die US-Amerikaner eroberten den Mond. Liebe, Freiheit und Musik – kurz: Woodstock – eroberten Bethel, New York. Und in London stellte eine Truppe die BBC-Zentrale auf den Kopf. Fünf exzentrische Briten und ein nicht minder exzentrischer Amerikaner machten aus einer sehr vagen Idee Fernsehgeschichte. „Monty Pythons Flying Circus“ war ein makabrer Schlag gegen das konservative Großbritannien und eine Antwort auf die Avantgarden der damaligen Zeit. Graham Chapman, John Cleese, Terry Gilliam, Eric Idle und Michael Palin – Studienfreunde von den Universitäten Oxford und Cambridge – schufen damit Proto-Punk im TV-Format.

Nach dem Erfolg der Serie in Großbritannien und einem Spin-Off für das deutsche Publikum (Alfred Biolek produzierte zwei Folgen von „Monty Pythons Fliegendem Zirkus“) wollten die Jungs auch die USA erobern. Um dies zu erreichen, machten sie eine persönliche Auswahl der besten Sketche aus den ersten zwei (von später insgesamt vier) Staffeln der Serie, drehten sie zum mageren Budget von 80.000 Pfund neu und stellten daraus ihre „wunderbare Welt der Schwerkraft“ im Filmformat zusammen. Egal ob man schließlich bei Playboy oder dem Beatle George Harrison fündig wurde – eine der Begleiterscheinungen von Monty Pythons Kino-Karriere waren immer Finanzierungsprobleme. Nach der Auflösung der Truppe im Jahr 1983 entwickelten sich ihre Mitglieder unterschiedlich weiter: Cleese und Idle blieben vor allem Schauspieler, Palin und Jones wurden Moderatoren, Gilliam Kult-Regisseur („Brazil“, „12 Monkeys“) und Chapman bald darauf eine Leiche, deren Begräbnis man aber mit „Always look on the bright side of life“, dem Hit aus „Das Leben des Brian“, abschloss. Einmal Monty Python, immer Monty Python.

 

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Und jetzt zu etwas ganz anderem
Der schwerkräftige Debütfilm von Monty Python trägt einen viel aussagekräftigeren originalen Titel, nämlich „And now for something completely different“. Diese Phrase taucht oft schon in der Serie auf, wo durch sie ein Erzähler in vollkommen absurden Situationen die Sketche untereinander oder das Intro vom Vorspann trennt. Die „silly stories“ benötigen nämlich Trennwände wegen ihres oft vorkommenden wortreichen Spam-Charakters („spam“ als Bezeichnung unerwünschter Zusendungen entnahm seinen Namen gerade einem Sketch des „Flying Circus“). Auch im Film trennt dieses Element die nicht zusammenhängenden Sketche. Die Auswahl der Sketche ist hingegen naturgemäß derartig, dass sie einem Vergnügungspark ähnelt: nur seltenen werden alle Geschichten gefallen, doch zugleich können darin alle etwas für sich finden. Vorausgesetzt man liebt intellektuellen, politischen, selbstbezogenen und/oder schwarzen Humor.

 

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In den USA verfehlte der Film sein Ziel, sorgte jedoch in Großbritannien 1971 für eine visuelle Defloration – da sich das meiste TV-Publikum nur Schwarz-Weiß-Fernseher leisten konnte, bekamen die jetzt farbigen Sketche eine neue Dimension. Heute ist auch die „wunderbare Welt der Schwerkraft“ ein Klassiker und bleibt auch über die Feiern zum Anlass von „400 Jahren“ Monty Python hinaus immer noch relevant und erwünscht, sehr zur Freude der Macher und ihrer (Ex-)Frauen.

Der Film wird als einer der letzten Filme dieser Sommerkinosaison am 11. September im Rahmen von „Volxkino“ im Actin Park neben der Pirquetgasse im 22. Wiener Gemeindebezirk gezeigt.

 

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Rezension von

Fotos: uncut.at (1), filmstarts.de(3)

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