Archiv
Sängerin Yako des Noise-Rock-Gewitters Melt-Banana im mokant.at Interview
Wenn Melt-Banana aus Tokio, Japan, auf der Bühne stehen, bricht vor dem
Publikum ein Orkan los. Während Gitarrist Agata hinter seiner OP-Maske
Grimassen zu seinen irrwitzigen Gitarrenriffs schneidet, feuert
Sängerin Yako maschinengewehrhafte Texte von der Bühne.
Inzwischen hat sich die Band im Laufe ihres fast 20-jährigen Bestehens
an die Spitze der japanischen Noise-Rock-Bands gespielt und alles in
allem über dreißig Tonträger veröffentlicht. Die zwei Frauen und die
beiden Männer haben mit Musikgrößen wie John Zorn, Mike Patton und
Merzbow zusammengearbeitet und unter anderem Konzerte für Tool und die
Melvins eröffnet. Mit mokant.at sprach Sängerin Yasuko Onuki über die
Vorzüge der englischen Sprache und ihr Verhältnis zu J-Pop Bands.
mokant.at: Die meisten längeren Touren von Melt-Banana finden in
Europa oder der USA statt. Wieso nicht in Japan? Gibt es dort keine
Szene sondern nur die klischeehaften J-Pop Bands?
Yasuko Onuki: Doch, die Noise-Szene ist ziemlich groß in Japen,
aber es ist dort sehr schwierig und teuer zu touren. Melt-Banana hat
nicht viel mit J-Rock zu tun. Es gibt aber auch ein paar gute J-Pop-
und J-Rock-Bands. Ich mag allerdings nur sehr wenig davon.
mokant.at: Ihr habt bereits mit Größen wie John Zorn, Mike
Patton und Merzbow zusammengearbeitet. Wie kommen all diese
Kollaborationen zustande und wie lernt ihr diese Leute kennen?
Onuki: Als wir in unseren Anfängen in der USA waren, sahen wir
uns ein Boredoms-Konzert an. Dort im Publikum haben wir Trey Spruance,
den Gitarristen von Mr. Bungle, gesehen. Unser eigener Gitarrist Agata
ist ein riesen Fan von Trey und so haben wir unseren Mut
zusammengenommen und ihm ein Demotape von uns gegeben. Zwei Tage später
hatten wir selbst ein Konzert in der Nähe und Trey kam zur Show und hat
sie sich angesehen. Er mochte unsere Musik und schlug vor, für ein
Projekt zusammenzuarbeiten. So haben wir durch Mr. Bungle auch Mike
Patton getroffen. Und John Zorn wohnte eine Zeit lang in Japan, deshalb
haben wir auch ihn kennengelernt.
mokant.at: Für euer Album Cell-Scape habt ihr zwischen fünfzig
und sechzig Songs aufgenommen. Was passiert mit dem Rest des Materials
das ihr nicht veröffentlicht?
Onuki: Das wird alles auf unserer Festplatte archiviert. Wir
versuchen immer etwas Neues zu machen. Manchmal fließt es einfach aus
uns heraus und wir sind sehr produktiv. Manchmal haben wir aber auch
schwierigere Zeiten und brauchen länger um neues Material zu schreiben.
mokant.at: Melt-Banana hat bis jetzt bereits um die zehn Alben
und 25 Singles und EPs veröffentlicht. Könnt ihr von eurer Musik leben
oder wie schafft ihr es euch soviel Zeit zum Produktivsein zu nehmen?
Onuki: Ja, inzwischen können wir von unserer Musik leben. Doch ohne unser eigenes Label A-Zap wäre das sicher nicht möglich.
mokant.at: Auf A-Zap veröffentlicht ihr eure eigenen Alben und
die Soloalben eures Gitarristen Agata. Plant ihr auch andere Bands zu
veröffentlichen?
Onuki: Zur Zeit releasen wir damit nur unsere eigenen Projekte,
aber wir wollen in Zukunft vielleicht auch ein paar andere gute
japanische Bands veröffentlichen. Im Moment ist es aber noch schwierig.
mokant.at: Wie würdest du die Situation von Frauen im Rockmusikgeschäft einschätzen?
Onuki: Da gibt es eigentlich keine Probleme. Vielleicht war das
vor zwanzig Jahren noch schwieriger, aber mittlerweise sehe ich da
keine Probleme mehr.
mokant.at: Was hat es mit eurem neuen Melt-Banana Lite-Projekt auf sich?
Onuki: Im Prinzip ist es ähnlich wie Melt-Banana, aber wir haben
zur Zeit keinen fixen Schlagzeuger für das Projekt. Bei unseren
Liveauftritten mit Melt-Banana-Lite haben wir manchmal auch jemanden,
der einen Videoprojektor bedient, und arbeiten mehr elektronisch. Eine
Tour mit dem Projekt wäre zur Zeit noch schwierig, da wir erst ein Album
damit veröffentlicht haben. Aber manchmal spielen wir ein paar
Lite-Lieder während eines normalen Melt-Banana-Konzerts.
Onuki: Für mich waren das unter anderem die Sex Pistols.
mokant.at: Du hast einmal gesagt, dass du lieber in Englisch als Japanisch singst, weil es besser zu deinem Singstil passt. Wie meinst du das?
Onuki: In Japanisch enden die Wörter immer auf A, E, I, O oder U. Die englische Sprache beinhaltet viel mehr Konsonanten und ist härter, das hilft. Das passt besser zu unserer Musik, aber manchmal singe ich auch auf Japanisch.













