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Weibliche Kinderstars: Vorbild kleiner Mädchen, Schwarm vieler Männer
Amerikanische Fernsehsendungen stecken voller perfekt gestylter, süßer Teenagermädchen, die gleichzeitig auch erotisiert werden. Eine Entwicklung dahingehend zeigt sich auch in der europäischen Gesellschaft, „Werte“ wie Schönheit und Schlanksein zählen bei Mädchen heute genauso viel wie eine möglichst frühe, erwachsene Erscheinung
Unschuld à la Disney
Die Welle der amerikanischen Doppelmoral rollt in europäische
Kinderzimmer. Etwa in Form der beliebten Serie „Hannah Montana“. Der
Plot: Hübsches, amerikanisches Mädchen führt ein Leben zwischen
Normalität und Stardasein. Die wahre Geschichte dahinter: Die
minderjährige Miley Cyrus, ein nettes Mädchen von nebenan, wird durch
die Serie zum Megastar in Amerika und erlebt nun ihr Erwachsenwerden in
der Öffentlichkeit.
„Ich mag Miley, weil sie eine tolle Persönlichkeit hat“, „Ich finde
Mileys Style total cool!“, „Miley ist ein Vorbild!“, tönen begeisterte
Fans in Foren über Miley Cyrus. An sich nicht bedenklich, würde sich
Miley Cyrus nicht nach dem Vorbild von Britney Spears zum
übererotisierten Sexsymbol entwickeln, wo sie noch nicht einmal achtzehn
Jahre alt ist. Disneys PR-Maschinerie rattert fleißig vor sich hin:
„Das Ziel ist, möglichst viele Leute in allen Altersgruppen zu
erreichen“, meint Andrea Halasz-Stepansky, klinische Psychologin und
Psychotherapeutin am Wiener Otto Wagner-Spital. Dass diese Entwicklung
neben den guten Verkaufszahlen oftmals unerwünschte Folgen mit sich
bringt, ist eine Begleiterscheinung, die in Kauf genommen wird.
Das Lolita-Phänomen
Die Kehrseite der Medaille bekamen Disney und sein Star Miley Cyrus
schnell zu spüren, als ein 53-jähriger Stalker dem damals 16-jährigen
Mädchen nachstellte. Pädophilie und Kinderserien? Passt das wirklich
zusammen? Eigentlich ja, wenn man bedenkt, dass Cyrus dem Publikum
erotisch gestylt mit knappem Outfit sowie perfekter Frisur präsentiert
wird, und das trotz jungen Alters.
„Allgemein denke ich, dass es bei dem ‚Lolita-Phänomen' darum geht, dass
Mädchen angstreduzierend auf Männer wirken“, beschreibt
Halasz-Stepansky das Problem und fügt hinzu: „Ein Kind hat nicht so
viele Ansprüche und Erwartungen wie eine erwachsene Frau“.
Kulturtheoretikerin Gerda Elisabeth Moser weist dahingehend auf den
„Wert der Jugendlichkeit in unserer Gesellschaft“ hin: „Jugendlichkeit
steht nicht nur für Naivität und Unschuld, sondern auch zum Beispiel für
Frische und Vitalität.“ Aber auch der Gedanke daran, mit Unschuld in
Berührung zu kommen und diese vielleicht sogar zu brechen, reize viele
Männer. Gebot der gelungenen PR rund um „Hannah Montana“ ist, einen
erotischen Moment entstehen zu lassen, der das Verbotene mit weiblichen
Attributen kombiniert. Ein Preis, der zugunsten des
zielgruppenübergreifenden Merchandisings in Kauf genommen würde, meint
Moser, die die „Sexyness“ der weiblichen Kinderstars als „Teasing“
betrachtet: „Das verläuft nach dem Motto: ‚Schau mich an, bewundere
mich, hechel mir nach – aber don't touch'.“
Nahe an der Pornoindustrie?
Man kann die Verwandlung weiblicher Teenyidole in Amerika
„Erwachsenwerden“ nennen, gerade im Fall der 17-jährigen Miley Cyrus
scheint aber hart an der Grenze gearbeitet zu werden. Stoffarme
Bühnenoutfits, Tattoos unter der Brust, aufreizende Posen und viel
Make-Up irritieren besorgte Eltern, Experten und sogar Fans. „Fast immer
finde ich sie zu freizügig“, beschwert sich etwa ein weiblicher Fan im
Internet.
Gerda Moser vertritt die These, „dass viele pornographische Bilder eine
Fortsetzung von Narzissmus und mitunter sogar Gewalt mit sexuellen
Mitteln sind.“ Das Posing der jungen Mediendarstellerinnen erklärt sie
mit dem Wunsch „Blicke auf sich zu ziehen und sie quasi zu erzwingen“,
wobei auch sie anmerkt, dass diese Strategie unter Umständen das
Gegenteil der gewünschten Reaktion beim Rezipienten bewirken kann. Ein
weiteres Problem bei dieser PR-Idee sieht Halasz-Stepansky: „Die
ständigen Wertevorgaben an die Mädchen im Starbusiness, wie sie
auszusehen haben und dass sie jungfräulich sein sollen, sind für diese
nicht mehr tragbar. Zwischen dem, wie es wirklich ist und was sein soll,
liegen Welten.“ Untragbar erscheint ihr da auch, dass die kleine
Schwester von Miley Cyrus mit ihren neun Jahren eine eigene
Unterwäschelinie für Mädchen hat: „Das ‚Lolita-Image' gab es immer
schon, aber es war nie so zu beobachten wie heute. PR wie diese muss ja
förmlich Pädophile anziehen.“
Man sieht sie auf den Straßen, in der U-Bahn und natürlich auch in Schulen – die Kindfrau. Mädchen, die sich in sexy Kleidung, stark geschminkt und bemerkenswert körperlich entwickelt in der Öffentlichkeit präsentieren. Mehrmals gab es bereits Diskussionen um den schlechten Einfluss der Medien auf Heranwachsende, gerade was ihre Optik betrifft. Gerda Moser weist hierbei aber darauf hin, dass man Kinder nach dem Psychoanalytiker Sigmund Freud keinesfalls als asexuell sehen sollte: „Gerade wenn man unter Sexualität ebenso das Bedürfnis nach Aufmerksamkeit, Anerkennung, Liebe und Hingabe, die Lust am eigenen Körper und dem der anderen, die Lust am Berühren und Berührtwerden versteht.“
Medien haben aber auch eine Verantwortung dem Rezipienten gegenüber, nicht zuletzt, weil sie Bedürfnisse und tiefe Sehnsüchte der Gesellschaft aufgreifen und Schönheitsideale prägen. „Es ist schlimm, dass sich Neunjährige Sorgen darüber machen, wie sie aussehen und sich präsentieren müssen“, ärgert sich Halasz-Stepansky: „Mittlerweile ist da ein Druck auf die Jüngsten entstanden, den ich bedenklich finde.“ Problematisch sieht sie hierbei die fehlende Beschäftigung der Eltern mit ihren Kindern, wenn es um die medial vermittelten Schönheiten und Vorbilder geht. Die Eltern nehmen sich oft keine Zeit, ihren Kindern zu erklären, dass mediale Darstellungen nicht real sind und sie diesen Zwängen nicht folgen müssen.
Falsche Vorbilder
Stars der Popkultur haben eine wichtige Bedeutung für ihre Anhänger, gerade für Mädchen. Bereits 2005 belegte eine Studie des Instituts für Jugendkulturforschung, in Zusammenarbeit mit dem Mädchenzentrum Amazone, den Einfluss von weiblichen Popstars auf ihre weiblichen Fans. Popmusik werde in den Alltag integriert und erhalte aufgrund verschiedener Motive eine hohe Bedeutung. Im Fall von Miley Cyrus scheint es sich laut der Studie um das „Ausbruch-Motiv“ zu handeln, bei dem Mädchen davon träumen, anders und aufregender als der Durchschnittsbürger zu leben.
Das Bild der Heranwachsenden hat sich verändert, Mädchen wirken immer früher erwachsen. Wichtig wäre es nach Gerda Moser, seinen Kindern „die Schönheiten des Sexuellen und des Erotischen zu vermitteln“ und dabei zu deren Souveränität mit dem Thema beizutragen.
Links dazu ...
Miley Cirus
Mädchen Studie 2005 (PDF)
Mag. Dr. Gerda Elisabeth Moser (Uni Klagenfurt)
Otto Wagner-Spital
Artikel von
Fotos: flickr.com/pink_chicle (CC), quint baker, lorena cupcake, samborowski, willrad (CC)




















