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Der Schatz ist gefunden: Ein typischer Cache der Größe „Micro“

Wie man bei einem Spaziergang besondere Orte kennenlernt und Schätze entdeckt

 

Seltsames spielt sich zur Dämmerung in einem nahen Waldstück ab: Abseits des Weges suchen zwei Gestalten offenbar nach etwas. Während die eine gebannt auf den leuchtenden Bildschirm eines Geräts starrt, inspiziert ihr Begleiter morsche Baumstämme und steckt seine Arm bis zum Ellenbogen in Astlöcher hinein. Dieses rätselhafte Verhalten könnte eine ganz harmlose Erklärung haben: Geocaching. Das ist eine Art moderner Schnitzeljagd unter freiem Himmel, die Technikaffinität mit Rätselspaß kombiniert. Trotz der wachsenden Verbreitung und des zehnjährigen Bestehens ist diese Freizeitbeschäftigung vielen noch unbekannt. Hierzulande gibt es laut geocache.at über 30.000 registrierte Schatzsucher – zwei Jahre zuvor waren es noch halb so viele.

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Unbekanntes Terrain
Die Geocacher begeben sich auf die Suche nach verborgenen Behältern, auch „Caches“ genannt, von denen es weltweit über eine Million gibt. Wer selbst in die Welt der Koordinaten, Logbücher und Muggel eintauchen will, muss sich dafür kostenlos auf der Webseite „geocaching.com“ anmelden. Dort sind die einzelnen Caches mit Koordinaten und Beschreibung aufgelistet. Die angegebenen Daten werden anschließend notiert oder in ein GPS-Gerät geladen. Neben den speziellen Empfangsgeräten eignen sich dafür auch neuere Mobiltelefone mit GPS-Funktion.

Mit Stift und Empfänger ausgerüstet geht es dann nach draußen. Die digitale Kompassnadel auf dem Gerät weist dabei in Richtung des gesuchten Objekts. Während man dieser folgt, verringert sich die Meterzahl der Entfernungsanzeige. Ist die Zehn-Meter-Marke erreicht, befindet sich der Schatz schon ganz in der Nähe. Was ab diesem Zeitpunkt benötigt wird, ist etwas Erfahrung und vor allem eine gute Spürnase, denn es gilt, das Versteck ausfindig zu machen.

 

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Vielfältige Formen und Größen
Geocaches heben sich stark voneinander ab – zum einen in der Art: Die traditionelle Variante („Tradi“) bringt den Suchenden über Koordinaten direkt zum Zielort, während ein „Multi-Cache“ über mehrere Zwischenstationen bis zum finalen Behälter führt. Auf das Lösen eines oft kniffligen Rätsels kommt es wiederum beim Typ „Mystery“ an.

Ein weiterer Unterschied besteht in der Größe des verwendeten Cache-Behälters. Die Bandbreite reicht dabei von Gefäßen in Fingernagelgröße bis zu riesigen Munitionskisten. In der Stadt sind es meist kleinere Behälter wie Filmdosen, auf dem Land ist oft genügend Raum für größere Varianten. Essentieller Inhalt eines solchen Caches ist lediglich ein Logbuch, indem der erfolgreiche Cacher seinen Fund mit Nutzernamen und Zeitpunkt vermerkt. Größere Behälter fassen zudem oft Tauschgegenstände, wobei bei einer Entnahme ein Objekt von gleichem oder höherem Wert zurückgelassen werden sollte. Wie für die meisten Cacher besteht auch für Moni und Peter vom Team „CacheHasen“ das Ziel des Spiels aber nicht darin, möglichst wertvolle Objekte zu erbeuten. Der Reiz liege vielmehr im „Kennenlernen von Orten und Plätzen, die man sonst nie entdeckt hätte“, erklären die beiden. Eine weitere Anziehungskraft übe außerdem das Suchen und Finden der Behälter aus. „Man kommt sich irgendwie wie zu Ostern vor, und das das ganze Jahr.“

 

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Am Anfang war die Bohnendose
Tauschgegenstände können sogar weite Strecken zurücklegen, wie im Falle von „Geo-Coins“. Das sind speziell für Geocaching geprägte Münzen, die von den Spielern von Schatz zu Schatz getragen werden. So vielfältig wie die Caches selbst sind auch deren Verstecke. Die können in falschen Vogelhäuschen, in Felsspalten, an Metallpfosten oder sogar unter Wasser untergebracht sein. Manchmal hinterlässt der Cache-Owner, derjenige der den Schatz versteckt hat, einen Hinweis wie „magnetisch“, der einen oft das entscheidende Stückchen näher an den Fund bringt. Zu Hause wird der Cache als gefunden markiert, womit der Finder einen zusätzlichen Punkt in seiner Fundstatistik erhält.

Ursprünglich entwickelte das US-Verteidigungsministerium das Satelliten-Navigationssystem GPS für die militärische Nutzung. Die Genauigkeit beim zivilen Gebrauch wurde künstlich auf einhundert Meter verringert. Im Jahr 2000 hob die US-Regierung diese Beschränkung auf, womit das Signal auch für den privaten Gebrauch nutzbar wurde. Schon am Tag nach der Freigabe versteckte der US-Amerikaner Dave Ulmer in der Nähe von Portland einen schwarzen Plastikeimer und veröffentlichte dessen GPS-Koordinaten im Internet. Darin enthalten waren unter anderem Geldscheine, eine Videokassette und eine Konservendose mit Bohnen. Innerhalb eines Tages nach Veröffentlichung der Position wurde der Behälter von Mike Teague gefunden. Heute ist vom ersten Geocache der Geschichte nur noch die Bohnendose übrig geblieben, die bei manchen Treffen der Community ehrfürchtig präsentiert wird.

 

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Verhaltensregeln
Mit der Zeit hat sich die Cache-Gemeinde auf einige grundlegende Spielregeln geeinigt, nach denen sich auch Neulinge richten sollten. So gilt es unbedingt zu vermeiden, sich von einem „Muggel“ beim Suchen beobachten zu lassen. Dieser aus den „Harry Potter“-Romanen stammende Begriff beschreibt Leute, die von Geocaching keine Ahnung haben und deshalb eine Gefahr für versteckte Schätze darstellen. Es kursieren Geschichten, wonach verdächtiges Verhalten von Geocachern bereits zu Polizeikontrollen oder diversen Bombenalarmen führte. Für das Team „CacheHasen“ ist es wichtig, bei äußerst schweren Caches, die etwa klettern erfordern, vor allem auf sich selbst aufzupassen. „Kein Cache ist es wert, sich bei der Suche selber in Gefahr zu bringen.“ Nach einem Fund sollte der Behälter übrigens wieder an der gleichen Stelle versteckt werden, damit ihn auch der nächste Schatzjäger finden kann.

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