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Frida Kahlos ereignisreiches Leben spiegelt sich in ihren Werken wieder. Ein Porträt
Diesen Herbst können Kunstinteressierte zum ersten Mal in Österreich
eine umfangreiche Sammlung an Bildern der mexikanischen Künstlerin Frida
Kahlo bewundern. Vom 1. September bis 5. Dezember läuft im Bank Austria
Kunstforum eine Ausstellung mit Werken der Malerin, die selbst zur
Kunstfigur avancierte.
Wer ist diese Frau mit den dunklen Haaren, den zusammengewachsenen
Augenbraunen und dem ernsten Blick, der einem auf den Bildern der
Retrospektive begegnet? Bildbände, Biografien und Ausstellungskataloge
beschäftigen sich mit dem Leben und Schaffen des mexikanischen Stars.
Ihre Geschichte regte zu Theaterinszenierungen, Romanen und Filmen an.
Spätestens seit der Hollywood-Produktion „Frida“ mit Selma Hayek in der
Hauptrolle gibt es kaum jemanden, der sich der Frida-Manie entziehen
kann. Vor einem Besuch der Ausstellung lohnt sich eine
Auseinandersetzung mit der Leidensgeschichte der Berühmtheit.
Der Pinsel als Ausdruck der Seele
Fridas erstes Porträt zeigt eine junge, makellos schöne und
selbstbewusste Frau im weinroten Kleid, es ist ein „Selbstbildnis mit
Samtkleid“. Gemalt hat es die Künstlerin als Zeitvertreib im Bett auf
einer extra für sie angefertigten Staffelei. Ein Zustand, an den sich
die zu diesem Zeitpunkt erst 18-jährige Medizinstudentin im Laufe ihres
Lebens gewöhnen wird. Nach einem Unfall im September 1925, bei dem Frida
Kahlo durch den Bus gewirbelt, ihr Becken von einer Eisenstange
durchbohrt und ihr Schambein dreifach gebrochen wird, ist der Pinsel ihr
ständiger Begleiter. Die am 6. Juli 1907 als Magdalena Carmen Frieda
Kahlo y Calderón geborene Frida hat ein Mittel gefunden, ihren
seelischen Zustand auszudrücken.
Kranke, Geliebte, politisch Engagierte, Frauenrechtlerin oder betrogene
Gattin, die Künstlerin hat all diese Fridas auf der Leinwand
festgehalten.
Doch eine Beschäftigung zu haben, die nichts weiter als Zerstreuung ist,
reicht Frida nicht. Sie muss wissen, ob ihre Bilder von Talent zeugen,
ob sie die Chance hat, eine Künstlerin zu werden. Nichts ist unter
diesen Umständen naheliegender als jemanden zu fragen, der es wissen
muss. Zu Kräften gekommen packt Frida Kahlo ihre Bilder und macht sich
auf den Weg ins Erziehungsministerium. Dort arbeitet der bekannte
Künstler Diego Rivera an einer Wandmalerei. Von da an wird sich der
Maler regelmäßig nach Coyoacán begeben, um Fridas Fortschritte zu
beobachten. Der Frauenheld entwickelt nicht nur Interesse an den
Bildern, sondern auch an der angehenden Künstlerin selbst.
Eine zerbrechliche Kämpferin
Am 21. August 1929 heiraten Frida Kahlo und Diego Riviera, es wird nicht
das einzige Mal sein, dass sich die beiden das Ja-Wort geben. Die
ersten Jahre ihrer Ehe sind allerdings durch die Untreue ihres Mannes
und Fridas Unfähigkeit, ein Kind zu gebären, belastet. Ihre Fehlgeburten
hat die Künstlerin in zahlreichen Werken wie „Frida und der
Kaiserschnitt“ oder „Meine Geburt“ zu verarbeiten versucht. Es sind
Bilder, die den Schmerz und das Leid der Malerin ausdrücken und die Nähe
zwischen Geburt, Leben, Tortur und Tod vermitteln. Neben ihrer
Krankheit sind ihre Werke von ihrer politischen Überzeugung – Frida
Kahlo ist aktive Marxistin – und ihrer indigenen Abstammung beeinflusst.
In zahlreichen Bildern sind Symbole der Azteken und Maya
wiederzufinden. Aber nicht nur ihre Bilder sind von der mexikanischen
Geschichte und Kultur geprägt. Sie selbst präsentiert sich als stolze,
nationalistische Frau; zeitlebens trägt sie traditionelle mexikanische
Kleider mit dazu passendem Schmuck und Frisur.
Verzweiflung und Selbstverwirklichung
Einige Reisen in die USA später und nach der schmerzlichen Entdeckung
Fridas, dass Diego Riviera eine Affäre mit ihrer jüngeren Schwester hat,
trennt sich das Ehepaar. Frida geht in der Folge selbst zahlreiche
Liebschaften ein, unter anderem mit dem marxistischen Revolutionär Leo
Trotzki und der Sängerin Chavela Vargas. Ihr Herz gehört aber weiterhin
dem Frauenheld Riviera und so ehelicht sie ihn 1940 an seinem 54.
Geburtstag ein zweites Mal. Obwohl Frida als Frau nicht ohne Diego
Riviera leben kann, ist sie als Künstlerin aus seinem Schatten getreten.
Ausstellungen in Paris, San Francisco, New York oder Boston zeigen
Bilder der mexikanischen Malerin. 1943 bekommt sie einen Lehrstuhl an
der Maler- und Bilderhauerakademie in Mexico City, den sie zehn Jahre
lang ausübt. Ihre treuesten Schüler und Anhänger bilden eine Gruppe von
kommunistisch orientierten Malern, die als „Los Fridos“ bekannt werden.
Ab 1945 verschlimmert sich ihr körperlicher Zustand immer schneller. Zahlreiche medizinische Behandlungen und Operationen folgen. Frida ist gezwungen ein Korsett zu tragen, um ihre Wirbelsäule zu stützen. Die Malerin ist auf einen Rollstuhl und die Hilfe einer Krankenpflegerin angewiesen. Zu ihrer ersten Einzelausstellung, die in Mexico City 1953 stattfindet, wird sie in ihrem Bett mit dem Krankenwagen transportiert. Ein Stück weit ist der Auftritt Fridas Abschied von der Welt. 1954 wird bei der Malerin eine Lungenembolie diagnostiziert, die am 13. Juli desselben Jahres als ihre offizielle Todesursache eingetragen wird. Genauso wahrscheinlich und ihrem Temperament entsprechend ist es, dass sie nach zahlreichen missglückten Selbstmordversuchen ihrem Leben selbst ein Ende setzte.
Ausstellung im Kunstforum
Frida Kahlo (Englisch)
Artikel von
Fotos 2 & 3: © museo dolores olmedo patiño, xochimilco, mexiko-stadt / werk: © banco de méxico, diego rivera & frida kahlo museums trust, méxico, d.f./vbk, wien, 2010
Fotos 4 & 5: gerard suter, © the jacques and natasha gelman collection of 20th century
mexican art and the vergel foundation / werk: © banco de méxico, diego rivera & frida kahlo museums trust, méxico, d.f./vbk, wien, 2010




























