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© nickolas muray collection, harry ransom humanities research center, the university of texas at austin / werk: © banco de méxico, diego rivera & frida kahlo museums trust, méxico, d.f./vbk, wien, 2010
Frida Kahlo: Selbstdarstellerin, Künstlerin und Kämpferin

Frida Kahlos ereignisreiches Leben spiegelt sich in ihren Werken wieder. Ein Porträt

 

Diesen Herbst können Kunstinteressierte zum ersten Mal in Österreich eine umfangreiche Sammlung an Bildern der mexikanischen Künstlerin Frida Kahlo bewundern. Vom 1. September bis 5. Dezember läuft im Bank Austria Kunstforum eine Ausstellung mit Werken der Malerin, die selbst zur Kunstfigur avancierte.

Wer ist diese Frau mit den dunklen Haaren, den zusammengewachsenen Augenbraunen und dem ernsten Blick, der einem auf den Bildern der Retrospektive begegnet? Bildbände, Biografien und Ausstellungskataloge beschäftigen sich mit dem Leben und Schaffen des mexikanischen Stars. Ihre Geschichte regte zu Theaterinszenierungen, Romanen und Filmen an. Spätestens seit der Hollywood-Produktion „Frida“ mit Selma Hayek in der Hauptrolle gibt es kaum jemanden, der sich der Frida-Manie entziehen kann. Vor einem Besuch der Ausstellung lohnt sich eine Auseinandersetzung mit der Leidensgeschichte der Berühmtheit.

 

© museo dolores olmedo patiño, xochimilco, mexiko-stadt / werk: © banco de méxico, diego rivera & frida kahlo museums trust, méxico, d.f./vbk, wien, 2010

Der Pinsel als Ausdruck der Seele
Fridas erstes Porträt zeigt eine junge, makellos schöne und selbstbewusste Frau im weinroten Kleid, es ist ein „Selbstbildnis mit Samtkleid“. Gemalt hat es die Künstlerin als Zeitvertreib im Bett auf einer extra für sie angefertigten Staffelei. Ein Zustand, an den sich die zu diesem Zeitpunkt erst 18-jährige Medizinstudentin im Laufe ihres Lebens gewöhnen wird. Nach einem Unfall im September 1925, bei dem Frida Kahlo durch den Bus gewirbelt, ihr Becken von einer Eisenstange durchbohrt und ihr Schambein dreifach gebrochen wird, ist der Pinsel ihr ständiger Begleiter. Die am 6. Juli 1907 als Magdalena Carmen Frieda Kahlo y Calderón geborene Frida hat ein Mittel gefunden, ihren seelischen Zustand auszudrücken.
Kranke, Geliebte, politisch Engagierte, Frauenrechtlerin oder betrogene Gattin, die Künstlerin hat all diese Fridas auf der Leinwand festgehalten.

Doch eine Beschäftigung zu haben, die nichts weiter als Zerstreuung ist, reicht Frida nicht. Sie muss wissen, ob ihre Bilder von Talent zeugen, ob sie die Chance hat, eine Künstlerin zu werden. Nichts ist unter diesen Umständen naheliegender als jemanden zu fragen, der es wissen muss. Zu Kräften gekommen packt Frida Kahlo ihre Bilder und macht sich auf den Weg ins Erziehungsministerium. Dort arbeitet der bekannte Künstler Diego Rivera an einer Wandmalerei. Von da an wird sich der Maler regelmäßig nach Coyoacán begeben, um Fridas Fortschritte zu beobachten. Der Frauenheld entwickelt nicht nur Interesse an den Bildern, sondern auch an der angehenden Künstlerin selbst.


© museo dolores olmedo patiño, xochimilco, mexiko-stadt / werk: © banco de méxico, diego rivera & frida kahlo museums trust, méxico, d.f./vbk, wien, 2010

Eine zerbrechliche Kämpferin
Am 21. August 1929 heiraten Frida Kahlo und Diego Riviera, es wird nicht das einzige Mal sein, dass sich die beiden das Ja-Wort geben. Die ersten Jahre ihrer Ehe sind allerdings durch die Untreue ihres Mannes und Fridas Unfähigkeit, ein Kind zu gebären, belastet. Ihre Fehlgeburten hat die Künstlerin in zahlreichen Werken wie „Frida und der Kaiserschnitt“ oder „Meine Geburt“ zu verarbeiten versucht. Es sind Bilder, die den Schmerz und das Leid der Malerin ausdrücken und die Nähe zwischen Geburt, Leben, Tortur und Tod vermitteln. Neben ihrer Krankheit sind ihre Werke von ihrer politischen Überzeugung – Frida Kahlo ist aktive Marxistin – und ihrer indigenen Abstammung beeinflusst. In zahlreichen Bildern sind Symbole der Azteken und Maya wiederzufinden. Aber nicht nur ihre Bilder sind von der mexikanischen Geschichte und Kultur geprägt. Sie selbst präsentiert sich als stolze, nationalistische Frau; zeitlebens trägt sie traditionelle mexikanische Kleider mit dazu passendem Schmuck und Frisur.

 

gerard suter, © the jacques and natasha gelman collection of 20th century mexican art and the vergel foundation / werk: © banco de méxico, diego rivera & frida kahlo museums trust, méxico, d.f./vbk, wien, 2010

Verzweiflung und Selbstverwirklichung
Einige Reisen in die USA später und nach der schmerzlichen Entdeckung Fridas, dass Diego Riviera eine Affäre mit ihrer jüngeren Schwester hat, trennt sich das Ehepaar. Frida geht in der Folge selbst zahlreiche Liebschaften ein, unter anderem mit dem marxistischen Revolutionär Leo Trotzki und der Sängerin Chavela Vargas. Ihr Herz gehört aber weiterhin dem Frauenheld Riviera und so ehelicht sie ihn 1940 an seinem 54. Geburtstag ein zweites Mal. Obwohl Frida als Frau nicht ohne Diego Riviera leben kann, ist sie als Künstlerin aus seinem Schatten getreten. Ausstellungen in Paris, San Francisco, New York oder Boston zeigen Bilder der mexikanischen Malerin. 1943 bekommt sie einen Lehrstuhl an der Maler- und Bilderhauerakademie in Mexico City, den sie zehn Jahre lang ausübt. Ihre treuesten Schüler und Anhänger bilden eine Gruppe von kommunistisch orientierten Malern, die als „Los Fridos“ bekannt werden.

 

gerard suter, © the jacques and natasha gelman collection of 20th century mexican art and the vergel foundation / werk: © banco de méxico, diego rivera & frida kahlo museums trust, méxico, d.f./vbk, wien, 2010
Freundschaft mit dem Tod
Ab 1945 verschlimmert sich ihr körperlicher Zustand immer schneller. Zahlreiche medizinische Behandlungen und Operationen folgen. Frida ist gezwungen ein Korsett zu tragen, um ihre Wirbelsäule zu stützen. Die Malerin ist auf einen Rollstuhl und die Hilfe einer Krankenpflegerin angewiesen. Zu ihrer ersten Einzelausstellung, die in Mexico City 1953 stattfindet, wird sie in ihrem Bett mit dem Krankenwagen transportiert. Ein Stück weit ist der Auftritt Fridas Abschied von der Welt. 1954 wird bei der Malerin eine Lungenembolie diagnostiziert, die am 13. Juli desselben Jahres als ihre offizielle Todesursache eingetragen wird. Genauso wahrscheinlich und ihrem Temperament entsprechend ist es, dass sie nach zahlreichen missglückten Selbstmordversuchen ihrem Leben selbst ein Ende setzte.
Links dazu ...
Ausstellung im Kunstforum
Frida Kahlo (Englisch)

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Foto 1: © nickolas muray collection, harry ransom humanities research center, the university of texas at austin / werk: © banco de méxico, diego rivera & frida kahlo museums trust, méxico, d.f./vbk, wien, 2010

Fotos 2 & 3: © museo dolores olmedo patiño, xochimilco, mexiko-stadt / werk: © banco de méxico, diego rivera & frida kahlo museums trust, méxico, d.f./vbk, wien, 2010

Fotos 4 & 5: gerard suter, © the jacques and natasha gelman collection of 20th century
mexican art and the vergel foundation / werk: © banco de méxico, diego rivera & frida kahlo museums trust, méxico, d.f./vbk, wien, 2010

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