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Als „wilde Rockband“ will Zeronic nicht wahrgenommen werden
Zeronic zwischen Erfolg und Misserfolg in
der österreichischen Musiklandschaft
Was hat die heimische Presse der Band aus dem Burgenland nicht schon
für Honig ums Maul geschmiert: Der internationale Durchbruch wurde
Zeronic prophezeit, zwei Mal gab's eine Nominierung für den
Amadeus-Award, als die vielversprechendste und wandlungsfähigste Band
wurde Zeronic bezeichnet. Wundern darf das niemanden. Zeronic klingt
nach experimentellem Brit-Pop und hat immerhin schon mit Gareth Jones
zusammengearbeitet, seines Zeichens Produzent von Künstlern wie Depeche
Mode und Nick Cave. Trotzdem: Auch wenn Zeronic sich eine große Fanbase
aufbauen konnte, vor allem unter Journalisten, der große Coup blieb
bislang aus. Mik, Mastermind und Sänger von Zeronic, freut sich aber
ohnehin auch darüber, gewisse Leute nerven zu können, denn seine Musik
sei nun mal kein „Konsens auf breiter Ebene“.
Für Zeronic hätte es noch gar nicht „durch die Decke gehen können“
mokant.at: Von der Presse wird Zeronic überwiegend in den Himmel
gelobt, für den Amadeus-Award wart ihr zwei Mal nominiert. Wie geht ihr
mit diesem medialen Druck um?
Mik: Es hat uns natürlich sehr gefreut, dass das letzte Album (The Price of Zeitgeist, Anmerkung der Redaktion) nach der doch langen Pause so erfreulich gut aufgenommen wurde, aber es ist nicht so, dass wir nur positives Feedback bekommen, wir bekommen zum Teil auch Prügel. Und irgendwie freue ich mich dann auch, wenn ich die richtigen Leute nerven kann. Was Zeronic macht, ist nicht Konsens auf ganz breiter Ebene. Es wird immer Leute geben, die das entweder zu konstruiert oder auch zu pathetisch finden. Wir haben uns allerdings mit der letzten Platte, was mir sehr wichtig war, aus diesem typischen Rock-Umfeld ein bisschen rausgespielt.
mokant.at: Warum war dir das wichtig?
Mik: Weil wir fälschlicherweise von manchen Leuten als laute, wilde Rockband wahrgenommen wurden.
mokant.at: Und was hat euch daran gestört?
Mik: Wir sind es zum Teil, aber die Message ist jetzt zum ersten Mal wichtig geworden. Man kann nicht immer alles erreichen. Wir haben bei der letzten Platte vielleicht zu kopflastig agiert, aber mit der nächsten wird es wieder anders sein.
mokant.at: Herzlastig?
Mik: Die nächste wird emotionaler und straighter.
mokant.at: Und wann plant ihr, damit zu erscheinen?
Mik: Hoffentlich im Frühjahr 2011.
mokant.at: Ihr habt für die Single „Images of girls“ mit Gareth Jones zusammengearbeitet, der ja bereits Größen wie Depeche Mode oder Goldfrapp produziert hat. Wie wird Gareth Jones auf eine Band aus dem Burgenland aufmerksam?
Mik: Das war ganz lustig. Ich habe seine E-Mail-Adresse in dem allerersten Interpol-Album gefunden und ihm an einem Samstagabend eine E-Mail geschickt, weil's wurscht war – ich war daheim und hab nicht gewusst, was ich machen soll. Er hat sich gleich am nächsten Tag gemeldet, war sehr, sehr nett und hat gemeint, ich soll ihm mal ein paar Lieder schicken. Die haben ihm sehr gut gefallen und er hat uns zum Kennenlernen eingeladen. Und dann war eigentlich alles am Laufen.
mokant.at: Das klingt so, als ob du bei Jones einen guten Zeitpunkt erwischt hast.
Mik: Sein Management war gerade nicht da, deshalb hat er wohl selbst die E-Mails gelesen – lucky punch! (Lacht)
mokant.at: Wie sehr hat Gareth Jones euch beeinflusst?
Mik: Ich für mich persönlich habe sehr viel mitnehmen können. Zum einen als Schreibender und Sänger – und zwar, dass man um einiges ehrlicher sein darf, als ich anfangs geglaubt habe, er hat mir ein gutes Rollenverständnis vermittelt für den, der singt und was sich der alles erlauben darf …
mokant.at: Was hast du gedacht, was er sich nicht erlauben darf?
Mik: Ich habe früher in der dritten Person gesungen, weil ich mir gedacht habe, das ist nicht meine Sicht der Dinge, sondern ich erzähle etwas. Jetzt weiß ich, dass man das durchaus auch in der ersten Person machen kann, eben in der Rolle eines Erzählers. Zum anderen habe ich bei Gareth Jones für die kurze Zeit, in der wir in Österreich und London zusammengearbeitet haben als Producer extrem viel über zeitgemäße Musikproduktion gelernt und durch die Erfahrung erst den Mut mitgenommen, das letzte Album komplett selbst zu produzieren.
mokant.at: Du hast nicht nur das letzte Album produziert, ihr managet euch ja auch ansonsten komplett selber. Ist das nicht nervig als Musiker?
Mik: Nervig ist es zum einen schon, es war ja früher schon einmal anders, aber wir sind auch nicht eine extrem chaotische Partie, die unbedingt ein Kindermädchen braucht. Wir haben Sachen ganz gern selber in der Hand, sind dadurch vielleicht nicht so schnell in der Entwicklung wie jemand, der ständig professionelle Hilfe an der Seite hat, aber wir können machen, was wir wollen, ohne dass jemand sagt, nein, das macht ihr nicht.
Im Prinzip heißt doch dieser Indie-Gedanke, der in den letzten Jahren zum omnipräsenten Musikgenrebegriff geworden ist, der aber mit dem ursprünglichen Indie-Gedanken nichts zu tun hat: Ich mache musikalisch das, was ich machen will. Das ist mein Verständnis von Independent und nicht, wenn ein Tross von Leuten sagt, wir machen jetzt eine räudige Rockplatte, weil das gerade alle haben wollen, und dann schreibe ich „Indierock“ drauf. Wenn wir uns einbilden, eine poppige Anti-Rock-Platte als künstlerisches Statement machen zu wollen, machen wir sie einfach. Vielleicht ändert sich dieses Umfeld auch wieder, aber derzeit bin ich ganz happy, so wie es ist.
mokant.at: Viele Medien haben euch einen Erfolgsdurchbruch prophezeit, nachdem ihr mit Gareth Jones zusammengearbeitet habt. Hatten sie recht?
Mik: Ähm … Nein. (Lacht)
mokant.at: Das heißt, die Medien haben sich vom bekannten Namen beeindrucken lassen?
Mik: Mit Gareth Jones ist schon viel passiert, was sonst nicht passiert wäre. Wir haben super Shows in London gemacht, wo sein Name ein Türöffner war, aber vielleicht war die Zusammenarbeit mit ihm auch zum falschen Zeitpunkt. Die Single war gerade in einer Phase – nach dem zweiten Album, vor dem dritten – wo es stilistisch gerade relativ wirr war und die Idee der Band, auch für ihn, relativ schwierig auf den Punkt zu bringen war. Ich mache ihm persönlich überhaupt keinen Vorwurf, ganz im Gegenteil, er hat alles fantastisch gemacht, aber ich denke, die Band war zu dem Zeitpunkt weder künstlerisch noch intern so weit, dass es durch die Decke hätte gehen können.
mokant.at: Wie war das Gefühl, im Ausland auftreten zu dürfen, wie waren die drei London-Gigs?
Mik: Das waren fantastische Erlebnisse! Ich habe mir nicht gedacht, dass eine österreichische Band, die englisch singt, ohne Ressentiments aufgenommen wird. Es hat super funktioniert und die Kultur des wirklichen Musikfanatismus ist in London irre. Das war in einer umgebauten Revue-Bar in Soho, Konzertbeginn um 20:00 Uhr und um 20:00 Uhr war der Club voll! Das hat mich sehr beeindruckt. Ich hoffe, dass wir nächstes Frühjahr wieder das ein oder andere in England machen können.
mokant.at: So voll wie damals in London ist es bei euren Konzerten ja nicht immer. Einige sind absolut ausverkauft, andere werden kaum besucht. Wie lebt es sich mit so einem Zwiespalt zwischen Erfolg und Misserfolg?
Mik: Some you win, some you lose. Überraschungen, sowohl positive als auch negative, können immer wieder passieren. Oft in Venues, wo man überhaupt nicht damit rechnet. Das hat sehr viel damit zu tun, wie der lokale Promoter oder Veranstalter mit dem Thema umgeht.
Mik: Es hat uns natürlich sehr gefreut, dass das letzte Album (The Price of Zeitgeist, Anmerkung der Redaktion) nach der doch langen Pause so erfreulich gut aufgenommen wurde, aber es ist nicht so, dass wir nur positives Feedback bekommen, wir bekommen zum Teil auch Prügel. Und irgendwie freue ich mich dann auch, wenn ich die richtigen Leute nerven kann. Was Zeronic macht, ist nicht Konsens auf ganz breiter Ebene. Es wird immer Leute geben, die das entweder zu konstruiert oder auch zu pathetisch finden. Wir haben uns allerdings mit der letzten Platte, was mir sehr wichtig war, aus diesem typischen Rock-Umfeld ein bisschen rausgespielt.
mokant.at: Warum war dir das wichtig?
Mik: Weil wir fälschlicherweise von manchen Leuten als laute, wilde Rockband wahrgenommen wurden.
mokant.at: Und was hat euch daran gestört?
Mik: Wir sind es zum Teil, aber die Message ist jetzt zum ersten Mal wichtig geworden. Man kann nicht immer alles erreichen. Wir haben bei der letzten Platte vielleicht zu kopflastig agiert, aber mit der nächsten wird es wieder anders sein.
mokant.at: Herzlastig?
Mik: Die nächste wird emotionaler und straighter.
mokant.at: Und wann plant ihr, damit zu erscheinen?
Mik: Hoffentlich im Frühjahr 2011.
mokant.at: Ihr habt für die Single „Images of girls“ mit Gareth Jones zusammengearbeitet, der ja bereits Größen wie Depeche Mode oder Goldfrapp produziert hat. Wie wird Gareth Jones auf eine Band aus dem Burgenland aufmerksam?
Mik: Das war ganz lustig. Ich habe seine E-Mail-Adresse in dem allerersten Interpol-Album gefunden und ihm an einem Samstagabend eine E-Mail geschickt, weil's wurscht war – ich war daheim und hab nicht gewusst, was ich machen soll. Er hat sich gleich am nächsten Tag gemeldet, war sehr, sehr nett und hat gemeint, ich soll ihm mal ein paar Lieder schicken. Die haben ihm sehr gut gefallen und er hat uns zum Kennenlernen eingeladen. Und dann war eigentlich alles am Laufen.
mokant.at: Das klingt so, als ob du bei Jones einen guten Zeitpunkt erwischt hast.
Mik: Sein Management war gerade nicht da, deshalb hat er wohl selbst die E-Mails gelesen – lucky punch! (Lacht)
mokant.at: Wie sehr hat Gareth Jones euch beeinflusst?
Mik: Ich für mich persönlich habe sehr viel mitnehmen können. Zum einen als Schreibender und Sänger – und zwar, dass man um einiges ehrlicher sein darf, als ich anfangs geglaubt habe, er hat mir ein gutes Rollenverständnis vermittelt für den, der singt und was sich der alles erlauben darf …
mokant.at: Was hast du gedacht, was er sich nicht erlauben darf?
Mik: Ich habe früher in der dritten Person gesungen, weil ich mir gedacht habe, das ist nicht meine Sicht der Dinge, sondern ich erzähle etwas. Jetzt weiß ich, dass man das durchaus auch in der ersten Person machen kann, eben in der Rolle eines Erzählers. Zum anderen habe ich bei Gareth Jones für die kurze Zeit, in der wir in Österreich und London zusammengearbeitet haben als Producer extrem viel über zeitgemäße Musikproduktion gelernt und durch die Erfahrung erst den Mut mitgenommen, das letzte Album komplett selbst zu produzieren.
mokant.at: Du hast nicht nur das letzte Album produziert, ihr managet euch ja auch ansonsten komplett selber. Ist das nicht nervig als Musiker?
Mik: Nervig ist es zum einen schon, es war ja früher schon einmal anders, aber wir sind auch nicht eine extrem chaotische Partie, die unbedingt ein Kindermädchen braucht. Wir haben Sachen ganz gern selber in der Hand, sind dadurch vielleicht nicht so schnell in der Entwicklung wie jemand, der ständig professionelle Hilfe an der Seite hat, aber wir können machen, was wir wollen, ohne dass jemand sagt, nein, das macht ihr nicht.
Im Prinzip heißt doch dieser Indie-Gedanke, der in den letzten Jahren zum omnipräsenten Musikgenrebegriff geworden ist, der aber mit dem ursprünglichen Indie-Gedanken nichts zu tun hat: Ich mache musikalisch das, was ich machen will. Das ist mein Verständnis von Independent und nicht, wenn ein Tross von Leuten sagt, wir machen jetzt eine räudige Rockplatte, weil das gerade alle haben wollen, und dann schreibe ich „Indierock“ drauf. Wenn wir uns einbilden, eine poppige Anti-Rock-Platte als künstlerisches Statement machen zu wollen, machen wir sie einfach. Vielleicht ändert sich dieses Umfeld auch wieder, aber derzeit bin ich ganz happy, so wie es ist.
mokant.at: Viele Medien haben euch einen Erfolgsdurchbruch prophezeit, nachdem ihr mit Gareth Jones zusammengearbeitet habt. Hatten sie recht?
Mik: Ähm … Nein. (Lacht)
mokant.at: Das heißt, die Medien haben sich vom bekannten Namen beeindrucken lassen?
Mik: Mit Gareth Jones ist schon viel passiert, was sonst nicht passiert wäre. Wir haben super Shows in London gemacht, wo sein Name ein Türöffner war, aber vielleicht war die Zusammenarbeit mit ihm auch zum falschen Zeitpunkt. Die Single war gerade in einer Phase – nach dem zweiten Album, vor dem dritten – wo es stilistisch gerade relativ wirr war und die Idee der Band, auch für ihn, relativ schwierig auf den Punkt zu bringen war. Ich mache ihm persönlich überhaupt keinen Vorwurf, ganz im Gegenteil, er hat alles fantastisch gemacht, aber ich denke, die Band war zu dem Zeitpunkt weder künstlerisch noch intern so weit, dass es durch die Decke hätte gehen können.
mokant.at: Wie war das Gefühl, im Ausland auftreten zu dürfen, wie waren die drei London-Gigs?
Mik: Das waren fantastische Erlebnisse! Ich habe mir nicht gedacht, dass eine österreichische Band, die englisch singt, ohne Ressentiments aufgenommen wird. Es hat super funktioniert und die Kultur des wirklichen Musikfanatismus ist in London irre. Das war in einer umgebauten Revue-Bar in Soho, Konzertbeginn um 20:00 Uhr und um 20:00 Uhr war der Club voll! Das hat mich sehr beeindruckt. Ich hoffe, dass wir nächstes Frühjahr wieder das ein oder andere in England machen können.
mokant.at: So voll wie damals in London ist es bei euren Konzerten ja nicht immer. Einige sind absolut ausverkauft, andere werden kaum besucht. Wie lebt es sich mit so einem Zwiespalt zwischen Erfolg und Misserfolg?
Mik: Some you win, some you lose. Überraschungen, sowohl positive als auch negative, können immer wieder passieren. Oft in Venues, wo man überhaupt nicht damit rechnet. Das hat sehr viel damit zu tun, wie der lokale Promoter oder Veranstalter mit dem Thema umgeht.













