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Die Musiklandschaft sollte wie ein Supermarkt sein, meint Mik
Mik von Zeronic über die Clubszene in Österreich und die neoliberale Krankheit
mokant.at: Eure neue Single „We don't wanna be alone“ habt ihr gemeinsam mit den „Voices of KAMA“ aufgenommen. Was steckt hinter „KAMA“?
Mik: Das „KAMA“ war ein Club im Burgenland, in der Nähe von Oberwart, der für eine interessante Subkultur im nicht städtischen Bereich stand. Er war der klassische Underground-, Independent-Club im Sinne der 1980er, also relativ schwarz, mit einer langen dunklen Treppe nach unten, ein bisschen analog zum U4 (Diskothek in Wien, Anmerkung der Redaktion). Und er war unsere kulturelle und musikalische Sozialisation in den 1990ern. Leider ist seine Zeit 2004 zu Ende gegangen und stattdessen steht jetzt dort ein Spar, was eigentlich recht bitter ist, wenn man daran vorbeifährt. Wir haben uns dann mit Leuten zusammengetan, die viel mit dem „KAMA“ verbindet, um diesem Club einen Song zu widmen.
Mik: Das „KAMA“ war ein Club im Burgenland, in der Nähe von Oberwart, der für eine interessante Subkultur im nicht städtischen Bereich stand. Er war der klassische Underground-, Independent-Club im Sinne der 1980er, also relativ schwarz, mit einer langen dunklen Treppe nach unten, ein bisschen analog zum U4 (Diskothek in Wien, Anmerkung der Redaktion). Und er war unsere kulturelle und musikalische Sozialisation in den 1990ern. Leider ist seine Zeit 2004 zu Ende gegangen und stattdessen steht jetzt dort ein Spar, was eigentlich recht bitter ist, wenn man daran vorbeifährt. Wir haben uns dann mit Leuten zusammengetan, die viel mit dem „KAMA“ verbindet, um diesem Club einen Song zu widmen.
Zeronic sucht noch „Sweet Spot“
mokant.at: Da wo früher ein Undergroundclub war, steht heute ein
Supermarkt – könnte man das nicht als Metapher der österreichischen
Musiklandschaft betrachten?
Mik: Wenn die Leute wie in einem Supermarkt durch die österreichische Musiklandschaft gehen würden und sich die Sachen mitnehmen, die ihnen links und rechts ins Auge stechen, wäre ja eigentlich alles bestens. Insofern fänd ich das gar nicht schlecht.
mokant.at: Aber bezogen auf die Clubszene in Österreich? Die scheint ja den Bach runterzugehen.
Mik: Die Plätze, wo junge Leute das Gefühl haben, sie können sich mit anderen Leuten treffen und ihr Interesse an Jugend- und Popkultur teilen, werden leider immer weniger, vor allem in nicht-urbanen beziehungsweise ländlichen Gebieten. Die Funktion, Ideen gemeinsam zu spinnen und sie weiterzutragen, kann eine Facebook-Gruppe leider nicht ersetzen.
mokant.at: Im Lied „Price of Zeitgeist“ singt ihr von „neoliberal disease“ – was ist die neoliberale Krankheit?
Mik: Das ist nur eine Zeile aus dem Text. Die Gesamtstimmung des Songs soll transportieren, dass die Generation, die jetzt zwischen zwanzig und dreißig Jahre alt ist, weiß, dass sie, obwohl sie sich sehr bemüht, dem aktuellen Leistungsgedanken nicht so recht entsprechen kann. Das kann relativ schnell frustrieren. Momentan wird der Kampf enger und der Gedanke um reine Selbstverantwortung und ökonomisch messbare Leistung kommt schon sehr früh in die Köpfe der Heranwachsenden. Dieses Bedürfnis, total abgesichert zu sein, greift um sich und blockiert leider viele Ideen und Freiheiten.
mokant.at: Aber damit zählst du ja die Symptome auf, die Kritiker dem Neoliberalismus vorwerfen …
Mik: Das sind sie im Kleinen, ja. Das sind sie im Privaten, im direkten Aufbau eines Lebensentwurfes. Das sind die Auswirkungen, die eine neoliberalere Gesamtausrichtung nach sich zieht.
mokant.at: Also ist es euch wichtig, mit euren Liedern auch eine politische Message rüber zu bringen?
Mik: Dieser Themenkreis um den Neoliberalismus ist für mich eher ethisch als politisch wichtig. Eine wirklich politische Band sind wir nicht. Eher politisch in dem Sinne, wie einzelne Leben davon beeinflusst werden.
mokant.at: Hat dein Betriebswirtschafts-Studium Einfluss auf das Songwriting?
Mik: Normalerweise überhaupt nicht. Ich habe dieses Studium eher als interessierter Beobachter als jemand, der wirklich mitten im WU-Betrieb drin ist, absolviert. (Lacht) Aber es gibt eine kleine Verbindung zu „The Price of Zeitgeist“: Betriebswirtschaft lebt vom Dogma der Knappheit, dort liegt auch ein bisschen das Problem. Jungen Leuten ständig das Gefühl von Knappheit zu vermitteln, verängstigt sie womöglich ihr Leben lang. Man hat das Gefühl, alles ist knapp, du wirst es nur schaffen, wenn du alles gibst und dich bis aufs Blut kaputt machst. Das mag bei gewissen Dingen stimmen, schreckt aber leider Leute in frühen Stadien ab, Neigungen und Fähigkeiten nachzugehen.
mokant.at: Ihr habt dieses Jahr am Forestglade in Wiesen gespielt und seid damit einer der wenigen österreichischen Bands, die auf einem großen Festival spielen. Gibt es so wenige gute, österreichische Bands oder schätzt sie Österreich einfach zu wenig?
Mik: Die Wiesen-Festivals sind schon immer darauf bedacht gewesen, dass ein gewisser Anteil an guten österreichischen Bands im Line-Up ist. Auch am Nova Rock ist es ähnlich, und viele kleinere Festivals setzen überhaupt verstärkt auf österreichische Bands. Ich hoffe mal, dass sich die Situation laufend zum Guten weiterentwickeln wird. Wir freuen uns über Festivals immer sehr, weil sie Spaß machen. Und ich glaube, dass die Leute wissen, dass, wenn sie uns buchen, alles reibungslos funktioniert, auch wenn wir uns selber managen. Wir kommen nicht zu spät, wir zünden nichts an – obwohl, das kann ich nicht garantieren, aber wir sind zumindest nicht zu spät gekommen. (Lacht)
mokant.at: Und was sind deine Wünsche an die Zeronic-Zukunft?
Mik: Nachdem wir schon lange relativ kompromisslos Musik machen: Wünsche sind durchaus da, die Möglichkeiten … vielleicht auch mal. Wir sind jetzt im Herbst dran, die neue Platte zu machen, und wir müssen auf jeden Fall international wieder aktiv werden, das haben wir nämlich jetzt leider schleifen lassen. Und wenn wir es schaffen, unsere musikalische Vision auf den Punkt zu bringen, wird ohnehin viel funktionieren.
mokant.at: Was ist eure musikalische Vision?
Mik: Ähm … (überlegt lange)
mokant.at: Sie muss wohl noch auf den Punkt gebracht werden.
Mik: Genau. (Lacht) Bei uns ist es ein Spannungsfeld zwischen Direktheit und Eleganz, wo wir bisher, glaube ich, noch nicht ganz diesen Sweet Spot gefunden haben, wo wir hin müssen.
Mik: Wenn die Leute wie in einem Supermarkt durch die österreichische Musiklandschaft gehen würden und sich die Sachen mitnehmen, die ihnen links und rechts ins Auge stechen, wäre ja eigentlich alles bestens. Insofern fänd ich das gar nicht schlecht.
mokant.at: Aber bezogen auf die Clubszene in Österreich? Die scheint ja den Bach runterzugehen.
Mik: Die Plätze, wo junge Leute das Gefühl haben, sie können sich mit anderen Leuten treffen und ihr Interesse an Jugend- und Popkultur teilen, werden leider immer weniger, vor allem in nicht-urbanen beziehungsweise ländlichen Gebieten. Die Funktion, Ideen gemeinsam zu spinnen und sie weiterzutragen, kann eine Facebook-Gruppe leider nicht ersetzen.
mokant.at: Im Lied „Price of Zeitgeist“ singt ihr von „neoliberal disease“ – was ist die neoliberale Krankheit?
Mik: Das ist nur eine Zeile aus dem Text. Die Gesamtstimmung des Songs soll transportieren, dass die Generation, die jetzt zwischen zwanzig und dreißig Jahre alt ist, weiß, dass sie, obwohl sie sich sehr bemüht, dem aktuellen Leistungsgedanken nicht so recht entsprechen kann. Das kann relativ schnell frustrieren. Momentan wird der Kampf enger und der Gedanke um reine Selbstverantwortung und ökonomisch messbare Leistung kommt schon sehr früh in die Köpfe der Heranwachsenden. Dieses Bedürfnis, total abgesichert zu sein, greift um sich und blockiert leider viele Ideen und Freiheiten.
mokant.at: Aber damit zählst du ja die Symptome auf, die Kritiker dem Neoliberalismus vorwerfen …
Mik: Das sind sie im Kleinen, ja. Das sind sie im Privaten, im direkten Aufbau eines Lebensentwurfes. Das sind die Auswirkungen, die eine neoliberalere Gesamtausrichtung nach sich zieht.
mokant.at: Also ist es euch wichtig, mit euren Liedern auch eine politische Message rüber zu bringen?
Mik: Dieser Themenkreis um den Neoliberalismus ist für mich eher ethisch als politisch wichtig. Eine wirklich politische Band sind wir nicht. Eher politisch in dem Sinne, wie einzelne Leben davon beeinflusst werden.
mokant.at: Hat dein Betriebswirtschafts-Studium Einfluss auf das Songwriting?
Mik: Normalerweise überhaupt nicht. Ich habe dieses Studium eher als interessierter Beobachter als jemand, der wirklich mitten im WU-Betrieb drin ist, absolviert. (Lacht) Aber es gibt eine kleine Verbindung zu „The Price of Zeitgeist“: Betriebswirtschaft lebt vom Dogma der Knappheit, dort liegt auch ein bisschen das Problem. Jungen Leuten ständig das Gefühl von Knappheit zu vermitteln, verängstigt sie womöglich ihr Leben lang. Man hat das Gefühl, alles ist knapp, du wirst es nur schaffen, wenn du alles gibst und dich bis aufs Blut kaputt machst. Das mag bei gewissen Dingen stimmen, schreckt aber leider Leute in frühen Stadien ab, Neigungen und Fähigkeiten nachzugehen.
mokant.at: Ihr habt dieses Jahr am Forestglade in Wiesen gespielt und seid damit einer der wenigen österreichischen Bands, die auf einem großen Festival spielen. Gibt es so wenige gute, österreichische Bands oder schätzt sie Österreich einfach zu wenig?
Mik: Die Wiesen-Festivals sind schon immer darauf bedacht gewesen, dass ein gewisser Anteil an guten österreichischen Bands im Line-Up ist. Auch am Nova Rock ist es ähnlich, und viele kleinere Festivals setzen überhaupt verstärkt auf österreichische Bands. Ich hoffe mal, dass sich die Situation laufend zum Guten weiterentwickeln wird. Wir freuen uns über Festivals immer sehr, weil sie Spaß machen. Und ich glaube, dass die Leute wissen, dass, wenn sie uns buchen, alles reibungslos funktioniert, auch wenn wir uns selber managen. Wir kommen nicht zu spät, wir zünden nichts an – obwohl, das kann ich nicht garantieren, aber wir sind zumindest nicht zu spät gekommen. (Lacht)
mokant.at: Und was sind deine Wünsche an die Zeronic-Zukunft?
Mik: Nachdem wir schon lange relativ kompromisslos Musik machen: Wünsche sind durchaus da, die Möglichkeiten … vielleicht auch mal. Wir sind jetzt im Herbst dran, die neue Platte zu machen, und wir müssen auf jeden Fall international wieder aktiv werden, das haben wir nämlich jetzt leider schleifen lassen. Und wenn wir es schaffen, unsere musikalische Vision auf den Punkt zu bringen, wird ohnehin viel funktionieren.
mokant.at: Was ist eure musikalische Vision?
Mik: Ähm … (überlegt lange)
mokant.at: Sie muss wohl noch auf den Punkt gebracht werden.
Mik: Genau. (Lacht) Bei uns ist es ein Spannungsfeld zwischen Direktheit und Eleganz, wo wir bisher, glaube ich, noch nicht ganz diesen Sweet Spot gefunden haben, wo wir hin müssen.
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Zeronic
Interview führte
Fotos von













