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Qualitativ gute US-Serien werden oft erst
spät im deutschsprachigen Raum gezeigt
Die Werbebranche im New York der Sechziger, das Privatleben einer drogensüchtigen Krankenschwester, Vampire in Louisiana und ein serienmordender Forensiker in Miami: Das sind nur einige der zahlreichen Schauplätze und Charaktere, die in von Kritikern gelobten und mit Preisen überhäuften US-Serien auftauchen. Zuletzt war das wieder bei der Emmy-Verleihung zu sehen, bei der „Mad Men“ zum dritten Mal in Folge ausgezeichnet wurde. Eines haben alle diese Serien gemeinsam: In den deutschen Sprachraum, oder gar in österreichische Fernsehsender, schaffen sie es bestenfalls spätnachts. Dabei hat der US-Serienmarkt gerade in den letzten Jahren einiges zu bieten: Die Bezahl-Kabelsender HBO, AMC oder Showtime können sich, da nicht überall zu empfangen, im Gegensatz zu den großen Sendern auch erzählerische Freiheiten in für den US-Mainstream heiklen Themen herausnehmen. Hier eine ausdrücklich unvollständige Liste.
Am Anfang war die Mafia
Als Auslöser dieses Qualitätsschubs im Fernsehen wird häufig die
Mafia-Serie „Die Sopranos“ gesehen, die von 1999 bis 2007 auf HBO in
den USA lief. James Gandolfini brilliert als cholerischer Mafia-Boss
Tony Soprano, dessen Privat- und Berufsleben („I'm in the waste
management business“) im Mittelpunkt der sechs Staffeln steht.
Mafia-Leben auf höchstem Niveau, trotz – oder gerade wegen – deutlicher
Gewaltszenen, die im Free-TV so nicht möglich gewesen wären. Für HBO
ein wirtschaftlicher und imageträchtiger Erfolg, hat die Serie doch für
die bis dahin höchsten Quoten für einen Kabelsender in den USA gesorgt
und zahlreiche Emmys abgeräumt, darunter drei für die beste
Drama-Serie. Im ORF lief die Serie – wohl auch sendeplatzbedigt – mit
mauem Erfolg im Rahmen der „Donnerstagnacht“, nicht selten erst nach
Mitternacht.
Das Leben der Bestatterfamilie Fisher in Los Angeles behandelt „Six
Feet Under“, eine weitere Erfolgsserie von HBO, die von 2001 bis 2005
in fünf Staffeln in den USA lief. Nach dem überraschenden Unfalltod des
Vaters übernehmen die Brüder Nate (Peter Krause) und David Fisher
(Michael C. Hall) das Bestattungsunternehmen „Fisher and Sons“. Der in
diesem Berufszweig allgegenwärtige Tod ist eines der Hauptthemen der
Serie; in den Charakteren spiegelt sich der Umgang mit diesem Thema
wider. Von der Kritik gelobt und mit Preisen überhäuft, darunter ein
Golden Globe als beste Fernsehserie, teilt „Six Feet Under“ das
Schicksal der „Sopranos“, was eine Ausstrahlung hierzulande betrifft:
Spätnachts versteckt, immer wieder verschoben, zwischendurch aufgrund
schlechter Quoten immer wieder ab- und wieder neu angesetzt.
Zwei Six-Feet-Under-Stars brillieren inzwischen mit neuen Serien: Einerseits Macher und Produzent Alan Ball mit der Vampirserie „True Blood“, andererseits David-Fisher-Darsteller Michael C. Hall als namensgebender Serienmörder in „Dexter“. „True Blood“ basiert auf einer Romanserie von Charlaine Harris: Vampire haben ihre Existenz „geoutet“, was religiöse Fanaten in der Serie vom Untergang des Abendlandes schwadronieren lässt. Anna Paquin spielt die Kellnerin Sookie Stackhouse in einer Bar in Louisiana, die sich in einen Vampir verliebt. Vor dem Hintergrund dieser Liebesgeschichte erfahren wir mehr über Vampir-Mythologie und die Reaktion der Menschen auf Vampire „out of the coffin“ – ein klügeres „Twilight“ für Erwachsene. Derzeit läuft in den USA die dritte Staffel auf HBO, neben Pay-TV-Sendern läuft die Serie derzeit deutschsprachig nur im schweizerischen SF2.
„Dexter“ hingegen zeigt die Geschichte des gleichnamigen Serienkillers, der zugleich als Forensiker bei der Polizei von Miami arbeitet. Wie „True Blood“ basiert „Dexter“ auf Büchern, hier sind es zwei Romane von Jeff Lindsay. Dexter Morgan (Michael C. Hall) besitzt den unstillbaren Drang, zu töten. Allerdings bringt er nur Verbrecher und Mörder ums Leben, denen die Polizei ihre Verbrechen nicht zweifelsfrei nachweisen konnte – und wird deshalb selbst von seinen Kollegen gejagt. Noch im September beginnt in den USA die fünfte Staffel, die ersten beiden sind bereits auf RTL 2 und im ORF gelaufen, für 2011 hat RTL 2 bereits die dritte Staffel angekündigt.
Die „Sopranos“-Hauptdarstellerin Edie Falco wurde dieses Jahr mit dem Emmy als beste Hauptdarstellerin in einer Comedy-Serie für „Nurse Jackie“ ausgezeichnet. Die halbstündige Serie dreht sich um Jackie Peyton, Chefschwester in einem New Yorker Krankenhaus, die, um den Stress zu bewältigen, eine Affäre mit dem Apotheker des Hauses hat und von ihm Schmerzmittel bekommt, nach denen sie süchtig ist. Im Frühjahr 2011 wird in den USA die dritte Staffel gezeigt, ein Ausstrahlungstermin für Österreich oder Deutschland ist noch nicht fix. Beste Dramaserie wurde dieses Jahr „Mad Men“, eine detailreiche Wiedergabe des Lebens im New York der Sechziger; in den USA läuft gerade die vierte Staffel, im deutschen Free-TV wird die Serie im Oktober auf ZDFneo starten.
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Willkommen in den 60ern
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Titelbild: flickr.com/Annie Mole




























