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Ray Bradbury und Tim Hamilton gegen den Zwang zur Gleichheit

„Fahrenheit 451“ von Ray Bradbury und

die Graphic Novel zum Buch von Tim Hamilton

 

„Das war ein Vorspiel nur, dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch am Ende Menschen.“ Dieses Zitat aus Heinrich Heines „Almansor“ (1823) ist neben den nationalsozialistischen, durch Studierende initiierten Bücherverbrennungen (1933) in unseren Breitengraden die erste Assoziation auf dieses Thema. Politische Maßnahmen gegen bestimmte Bücher sind jedoch darüber hinaus Kulturen und Jahrhunderte übergreifend.

 

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Eine Droge namens Fernsehen
Die Geschichten, die sie hinterließen, übten neben den aktuellen Ereignissen („Fahrenheit 451“ erschien erstmals 1953) Einfluss auf Ray Bradbury aus. Das baldige Geburtstagskind – am 22. August feiert er seinen 90. Geburtstag – schuf einen Roman, der zweifellos zu den großen Dystopien des 20. Jahrhunderts gehört, neben Werken von zum Beispiel Orwell oder Huxley. Wie diese ist auch „Fahrenheit 451“ eine Antwort auf den Fordismus, die neue Weltordnung und die Medienverseuchung, er zeigt die allmähliche Entwicklung der Bevölkerung zu produktiven Mensch-Maschinen auf. Dabei bildet sich eine hierarchische Gesellschaft mit blind folgenden Dienern, wo die selbst auferlegte stille Uniformität größeren Wert hat als zu breites, „unproduktives“, individuelles Denkvermögen. Die Bevölkerung wird in „Fahrenheit 451“ durch Drogen und Unterhaltungsmedien gehorsam gehalten. Neil Postman hatte sicher seine Freude an diesem Roman – 1985 meinte er in seinem Buch „Wir amüsieren uns zu Tode“: „Fernsehen wurde nicht für Idioten erschaffen – es erzeugt sie“.

 

filmstarts.de

Ein Feuerwehrmann beginnt zu denken
In diesem Wertesystem wird auch bei Bradbury ein Apparatschik bei Berührung mit dem wahren, freien Leben (wie so oft herbeigeführt durch die weibliche Hauptrolle) stutzig hinsichtlich des selbstverständlichen Systems. Dieser innere Kampf des Protagonisten wird in „Fahrenheit 451“ passend durch die Liebe des Autors zur Sprachkunst ausgedrückt – manche Passagen ähneln mit ihrer Konstruktion geradezu postmoderner Poesie. Und wie so oft ist es eine einfache Frage, die durch Antworten auf sie eine Flut auslöst: „Bin ich glücklich?“.
Dieser Roman über Propaganda und Zensur, die Fragen der Homogenität der Gesellschaft und der Kultur als Grundlage der Identität wurde auch verfilmt: „Fahrenheit 451“ (1966) entstand unter der Regie von François Truffaut, mit Oskar Werner und Julie Christie in den Hauptrollen. Ein Remake ist für 2012 geplant.

 

mokant.at > foto: jelena vasiljevic

Rette ein Buch
Auf „Fahrenheit 451“ in neuen Bildern muss deswegen noch lange nicht zwei weitere Jahre gewartet werden. Der Comic-Künstler Tim Hamilton hat sich der Utopie angenommen und im Stil des Film noir und der Art déco eine dynamische Graphic Novel geschaffen. Die Beklemmung und Bedrängtheit einer Gesellschaft, in der Unmündigkeit als Seelenfrieden verkauft wird, fängt Hamilton durch seine düsteren Farbkombinationen ein. Diese Erzählung des Romans in Bildern lässt die Herzen von Comicfans, unter anderem jenes von Ray Bradbury, höher schlagen. Gleichzeitig führt sie die Aktualität der Thematik in einer beängstigenden Eindringlichkeit vor Augen und zwingt zur Auseinandersetzung mit den Wirklichkeit gewordenen Aspekten der Dystopie. Das Anliegen des Schriftstellers ist es allerdings nicht schwarzseherische Zukunftsvisionen bei den Lesern zu erwecken, er selbst meint: „Es wäre nicht richtig, mein Buch fünfzig Jahre später übermäßig zu interpretieren und darüber zu dozieren“. Vielmehr ist die Comicadaption eine Einladung zum Gedanken- und Meinungsaustausch, weshalb Bradbury am Ende seines Vorwortes auch den Vorschlag einbringt, „dass jeder … ein Buch benennt, das er oder sie besonders im Gedächtnis behalten und vor jeglicher Zensur oder ‚Feuerwehrleuten' schützen möchte“.

 

Aufgeblättert nachlesen ...


Links dazu ...
Homepage von Ray Bradbury (englisch)
Tim Hamilton beim Eichborn Verlag

Rezension von
und
Fotos: Miha Veingerl (2), filmstarts.de (1), Jelena Vasiljevic (1)
Titelbild: Miha Veingerl

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