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Martina Freis Buch ist ein Muss für alle an Hypochondrie-Erkrankten

„Das Mädchen mit den zwei Blutgruppen“
von Martina Frei

 

Alle an Hypochondrie-Erkrankten wissen, an jeder Ecke können ungeahnte Gefahren lauern, die das Leibeswohl nachhaltig schädigen können. Ein kurzer Augenblick der Unachtsamkeit und schon befindet sich der Körper in lebensgefährlicher Notlage. Kein Anzeichen darf übersehen, keine auch noch so geringe Nebenwirkung als unbedenklich abgetan werden. Sich niemals täuschen lassen, lautet das Motto aller hypochondrischen Menschen, denn Krankheitssymptome können äußerst ungewöhnlich sein und dementsprechend wunderliche Heilungsmethoden erfordern.

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Lachen bis zum Umfallen
Martina Frei, Medizinerin und Wissenschaftsjournalistin kennt sich aus mit bizarren, merkwürdigen Geschichten aus der Medizin. In ihrer wöchentlich erscheinenden Kolumne im Tages-Anzeiger trägt sie kuriose Symptome, Diagnosen, Behandlungen und Verletzungsmöglichkeiten aus aller Welt zusammen um alle Gefährdeten zu warnen. „Das Mädchen mit den zwei Blutgruppen“ ist ein Sammelsurium dieser Geschichten, die für Staunen, Angstschweiß aber auch den ein oder anderen Lacher sorgen. Wer jetzt mit dem Hintergedanken, Lachen sei die beste Medizin, in den nächsten Buchladen rennt, nehme sich vor zügellosem Spaß in Acht. Lachen bewirkt eine kurzzeitige Unterversorgung des Herzens und Gehirns mit Blut und Sauerstoff und kann zu „Lachsynkopie, also eine[r] kurzzeitige[n] Bewusstlosigkeit“ führen. Diese und viele andere Informationen, wie der richtige Umgang mit Whirlpools, Hühnerknochen oder Messern im Rücken, lohnen das Lesen der Lektüre trotz der Gefahr einer kurzen Ohnmacht.

 

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Folgenreiche Puppenspiele
Obwohl sämtliche von Martina Frei ausgewählten Krankengeschichten durch ihre Ungewöhnlichkeit Neugier wecken, kommt es nach der Hälfte des Buches langsam zu Übersättigung. Auch stellt sich nach mehr als zehn hintereinander gelesenen Kolumnen, das Bedürfnis nach einer Pause ein. Der mangelnde Lesefluss ist weniger ein Verschulden der Autorin und ihren mangelnden schriftstellerischen Fähigkeiten als des journalistischen Formats. Kolumnen werden nicht primär geschrieben, um Interessierte 200 Seiten am Stück in den Bann zu ziehen. Obwohl einzelne Fälle thematisch in Kapiteln geordnet sind und Martina Frei sich um Übergänge zwischen den Kolumnen bemüht, bildet das Buch keine durchgehende Einheit. Auf Dauer stellt sich leichter Überdruss als Nebenwirkung beim Lesenden ein. Nach kurzer Erholung bleibt es dennoch unterhaltsam über Darmverschlüsse als Folge autoerotischer Spiele mit Puppenköpfen oder Lungenprobleme aufgrund eingeatmeter Kugelschreiberkappen zu lesen.

 

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Wirksame Zweckentfremdungen
Alles in allem ist „Das Mädchen mit den zwei Blutgruppen“ eine unterhaltsame Lektüre über seltsame Dysfunktionen des menschlichen Körpers sowie eigenartige, aber zielführende Heilverfahren. Die meisten Kuren sind nicht zur Nachahmung empfohlen, nichtsdestotrotz ist das Buch lehrreich. Beispielsweise zeigt es auf, wie sinnvoll der Besuch eines Freizeitparks vor einer anstehenden Augenoperation sein kann. Verrutschte Kunstlinsen lassen sich nämlich bei der Achterbahnfahrt genauso gut wie am Operationstisch richten. Weiters warnt die Geschichte eines Landwirtes sich beim nächsten Bauernhofurlaub vor einem Stier zu bücken, außer es besteht Interesse an neuen sexuellen Erfahrungen. Diese gibt es allerdings auch in den eigenen vier Wänden für all jene, die sich vor Hausarbeit nicht scheuen. Seit dem bekannt wurde, dass Hausmänner es manchmal beim Entstauben der Wohnung zu genau nehmen, hat die Industrie das Ansaugrohr am Staubsauger verlängert und damit zumindest diese Haushaltsgefahr gebannt. Ansonsten heißt es weiterhin Augen und Ohren offen halten, die nächsten Krankheitsanzeichen kommen bestimmt.

 

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