Die St. Giles-Kathedrale im Zentrum Edinburghs wirkt düster und
bedrohlich. Ein junger Mann steht auf der Stiege zu einem Hintereingang
der Kathedrale. Um seinen Hals liegt ein Strick. Noch ist er locker,
doch es kann nur noch Sekunden dauern, bis sich dieser zuzieht. So
dürfte es ausgesehen haben, als Diebe oder Mörder hier an diesem Platz
gehängt wurden, erzählt der Führer der „Ghouls and Ghosts“-Tour. Unser
junger Mann hat Glück, er darf nach einigen Sekunden wieder gehen. Die
Menschen über die der Führer erzählt, hatten weniger Glück. Die
Hinrichtung eines Mannes soll sogar so grausam gewesen sein, dass er
seine Ruhe nicht finden kann und heute noch an diesen Ort zurückkehrt.
Ein hellgrauer Schatten, nur zu sehen in der Dämmerung. Die Tour führt
durch dunkle schmale Gassen, ehemalige Durchgänge in die Stadt, bis
hinunter in die Katakomben.
Tipp 1: Lass dich inspirieren!
Fast jedes Haus hat eine Schauergeschichte zu erzählen. Edinburgh ist
voll mit Legenden und Spukgeschichten. Auch wenn große Teile der
heutigen Stadt erst um 1800 erbaut wurden, hat man dennoch das Gefühl
sich in einer sehr alten Stadt zu befinden. Die eine oder andere Gasse
erinnert durchaus an die Winkelgasse aus dem Fantasy-Roman „Harry
Potter“. Wen wundert es da noch, dass Joanne K. Rowling den ersten Band
tatsächlich in einem Cafe in Edinburgh geschrieben hat. Auch Robert
Louis Stevenson wurde hier zu seinem Roman „Jekyll und Hyde“, der
Geschichte über den Mann, der sich nachts in ein Monster verwandelte,
inspiriert.
Wer aber jetzt glaubt, Edinburgh sei eine ausgestorbene Geisterstadt,
liegt falsch. Die Hauptstadt von Schottland ist bunt und voller Leben.
Nachdem Schottland und England 1707 zu einem Königreich geworden waren,
verlor Edinburgh an politischer Bedeutung, nicht aber an kultureller.
Sie blieb Treffpunkt und Inspiration für viele Künstler. Auch heute hat
Edinburgh in kultureller Hinsicht viel zu bieten, neben den Museen sind
es vor allem die zahlreichen Festivals.
Tipp 4: Eine Welt für Verrückte
Außer traditionellen Dudelsackbläsern gibt es noch viel anderes zu hören
und zu sehen auf Edinburghs Straßen. Nicht zu übersehen ist das „Fringe
Festival“, das im August stattfindet. Es ist ein Festival alternativer
Kunst, wüsste man das aber nicht, könnte man es durchaus für ein
Zusammentreffen aller schrägen und schrillen Vögel der Welt halten.
Zahllose Pantomime-Künstler in seltsamen Kostümen säumen das Zentrum.
Man hat das Gefühl sich inmitten einer verrückten bunten Welt zu
befinden und fühlt sich mit Jeans und T-Shirt schnell als Außenseiter.
Der Marsch über die „Royal Mile“ wird während des „Fringe“ zu einem
Stoß- und Dräng-Kampf durch die Menschenmassen. Den Flyerverteilern
können dabei selbst geübte Flyer-Verweigerer kaum entgehen.
Tipp 5: Busfahren für Fortgeschrittene
Und ein praktischer Tipp zum Schluss. Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten
Edinburghs sind nicht weit voneinander entfernt und gut zu Fuß
erreichbar. Wenn man doch mit dem Bus fahren will, sollte man sich
besser keine Ganztagskarte kaufen. Sie scheint zwar billig zu sein, gilt
aber nur für eine einzige Busfirma. In Schottland sind die Busse
nämlich privat und es sind mehrere Busfirmen unterwegs.