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Vielen Menschen ist es peinlich, über ihre Ängste zu sprechen

Wenn Ängste zur Qual werden und das Leben an sich zum Fürchten erscheinen lassen

 

Horrorfilme jagen dem Zuseher Angst ein. Drehbuchautoren werden kreativ und fühlen sich in die versteckten Ängste der Menschheit ein, um daraus einen Kassenschlager zu produzieren. Da wird etwa aus einem scheinbar harmlosen Spielzeug, mit dem Kinder aufwachsen, eine unheimliche und psychopathische Figur wie im Fall von „Chucky, die Mörderpuppe“. Aber hat irgendjemand auch abseits des Fernsehers, im alltäglichen Leben, Angst vor Puppen? Dass es tatsächlich eine Phobie vor Puppen und Kindern, genannt „Pädophobie“ gibt, ist fast unbekannt. Die Liste an außergewöhnlichen Phobien ist aber lang, von der Angst vor Fröschen (Ranidaphobie), Papier (Papyrophobie), Politikern (Politicophobie) oder auch Impfungen (Vaccinophobie) ist fast alles dabei. Vielen Betroffenen ist es zu peinlich, über ihre Angst zu sprechen und versuchen lieber, ihren Alltag ohne fremde Hilfe zu bewältigen. Dass sie bei weitem nicht alleine mit ihrer Angst sind, erkennen nur wenige.
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Der feine Unterschied
Ängste gehören zu den menschlichen Gefühlsregungen und damit zum Leben, müssen allerdings von einer Phobie im pathologischen Sinn unterschieden werden. Bei der Diagnose einer phobischen Störung sind die (Un-)Angemessenheit der Angst im Vergleich zu der Bedrohungsquelle sowie die Ausprägung der Angstsymptome entscheidende Faktoren. „Wichtig für den behandelnden Psychotherapeuten ist daher, herauszufinden, ob es sich bei der Angst des Patienten um eine berechtigte Angstreaktion handelt oder ob sich das Krankheitsbild der Phobie ausgebildet hat“, erklärt Gerald Annerl, Arzt in Weiterbildung für Psychotherapie und Psychosomatische Medizin des Universitätsklinikums Leipzig. Problematisch kann eine nicht diagnostizierte Phobie dann werden, wenn sich die Angst eines Menschen scheinbar unbegründet auf Dinge des Alltags fokussiert. Die Mitmenschen reagieren dann meist zuerst mit Hohn und Verständnislosigkeit.

Dabei leiden gut fünfzehn Prozent der Menschen an einer Phobie. Und der sogenannte Erkrankungsgipfel liegt meist im Jugendalter: Bei Panikstörungen etwa zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr, bei soziale Phobien in der Pubertät. Auch spezifische Phobien, also die Angst vor einem bestimmten Objekt wie Spinnen oder einem spezifischen Ort wie einem Kaufhaus, haben ihren Erkrankungsgipfel in der Kindheit und in der Pubertät.

 

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Leben mit der Angst
Wer an einer Phobie leidet, wird meist ein extremes Vermeidverhalten an den Tag legen, das bis zum Nichtverlassen der Wohnung und einem Kontrollverlust führen kann, Depression und ein gestörtes soziales Gefüge können damit einhergehen.
In der Fülle der Ängste, unter denen Menschen leiden können, wird zwischen Angststörungen und phobischen Störungen unterschieden. „Die Angststörung hat keinen Objektbezug, ist nicht vermeidbar oder kontrollierbar. Die phobische Störung ist hingegen auf eine Situation oder ein Objekt gerichtet und führt zu krankheitswertiger Einschränkung im täglichen Leben“, erklärt Gerald Annerl die Krankheitsbilder. Die bekanntesten Angststörungen sind die generalisierte Angststörung, also exzessive Ängste und Sorgen über mehrere Lebensumstände, und die Panikstörungen. Zu phobischen Störungen werden die Agoraphobie, also das Unwohlsein an bestimmten Orten, und die soziale Phobie gezählt.

Vorsicht ist insbesondere dann geboten, wenn der Betroffene sich in Alkohol oder andere Drogen flüchtet, um mit seiner Situation zurechtzukommen: „Es besteht eine hohe Komorbidität (die Grundkrankheit wird durch weitere Krankheitsbilder ergänzt, Anmerkung der Redaktion) mit Substanzmissbrauch sowie affektiven Störungen“, merkt Gerald Annerl an. „Alkohol wird hierbei als Medikament missbraucht, es ist ein Versuch der Selbstheilung, um mit der Situation besser umgehen zu können.“

 

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Ursachen und Behandlung
Phobien können unterschiedliche Ursachen haben. Im Falle einer Agoraphobie, der Angst vor öffentlichen Plätzen oder in Räumen, kann das beispielsweise „ein Abhängigkeits-Autonomie-Konflikt sein“, meint Gerald Annerl. Das bedeutet: Unbewusste Kräfte verhalten sich einander so konflikthaft, dass sie gegeneinander streben und die Angst zum Kompromiss wird. Auch Verlustängste, eine gestörte Selbstregulation oder auch ein nicht ausreichend bewältigter ödipaler Komplex können Ursachen einer Phobie sein.

Behandelt werden kann eine phobische Störung durch therapeutische Interventionen, die je nach Psychotherapie-Schule sehr unterschiedlich ausfallen können. So werden etwa Rollenspiele, Selbstsicherheitstrainings oder das systematische Desensibilisieren, also die langsame Heranführung an den angstauslösenden Moment, von Psychotherapeuten angeboten. Der Betroffene muss sich mit den Methoden, die in der Psychotherapie angewandt werden, wohl fühlen. Nachgewiesene Qualitätskriterien, also ob bestimmte Methoden therapeutisch erfolgreicher sind als andere, gibt es nämlich nicht. Generell gilt: Eine vertraute Beziehung zwischen Klient und Psychotherapeut ist die Grundlage für eine erfolgreiche Therapie, sowie natürlich die Bereitschaft, über Probleme zu sprechen.

 

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Kindliche Ängste
Erkrankungsgipfeln von einigen Phobien sind bereits im Kindheitsalter zu beobachten. Doch gerade in diesem Alter werden Ängste gerne übersehen oder unterschätzt. Dabei können sich bei Kindern sehr spezifische Phobien herausbilden, wie etwa vor Tieren, vor medizinischen Maßnahmen wie Nadeln oder vor Umweltbegebenheiten wie Gewitter. Auch soziale Phobien treten bei Kindern auf, sie haben Angst vor fremden Personen oder vor der Bewertung durch andere Menschen. Soziale Phobien müssen und können auch im Kindesalter behandelt werden, etwa durch Techniken zur Konfrontation mit dem Angstauslöser, Rollenspielen zum Aufbau von selbstsicherem Verhalten, aber auch die medikamentöse Behandlung ist in dramatischen Fällen möglich.

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