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Die Ärzte und Metallica sind abgedroschene Dauerheadliner, meint David Prieth
Wenn sich das Semester in raschen Schritten dem Ende zuneigt, ist die
Festivalsaison bereits in vollem Gange. Und damit beginnt für
zigtausende Musikfans wieder eine Pilgerreise in die entlegensten
Gebiete Österreichs und Umgebung, um vereint den gemeinsamen Helden zu
huldigen. Doch wieso werden die Tonnen von Schlamm, das endlose Warten
vor verschlossenen Gittern und Hektoliter von warmem Dosenbier
eigentlich Jahr für Jahr in Kauf genommen?
Größer, teurer, anstrengender
Die großen Festivals, wie das Novarock, Rock im Park oder das
Frequency, bestechen meist durch eine hohe Anzahl von bekannten
Künstlern, imposanten Headlinern und großen Arealen, die es zu entdecken
gilt. Doch nicht nur die Besucherzahlen sind dort in der Regel
beeindruckend hoch. Ticket- und Getränkepreise stehen diesen meist um
nichts nach. Wer sich keine Kühlbox leisten kann, ist dem Monopol auf
kalte Getränke meist hoffnungslos ausgeliefert. In den letzten Jahren
wurde zunehmend damit begonnen, auch gekühltes Bier (zu moderateren
Preisen) auf den Campingplätzen zu verkaufen, was die gelegentliche
Erfrischung bedeutend leistbarer macht. Meist ist diese auch nötig, um
den oftmals stundenlangen Weg vom Auto bis zum Zeltplatz bewältigen zu
können.
Hitzeschlag und Dosenfutter
Ganz unabhängig von der Größe, die Wetterfee scheint Festivals
grundsätzlich nicht wohlgesonnen zu sein. Regelmäßig droht der
geneigte Musikfan in Gatsch und Sturzbächen zu ertrinken oder unter
sengender Hitze einem Sonnenstich zu erliegen. Um trotzdem bei Kräften
zu bleiben und den Geldbeutel nach dem kostspieligen Ticketkauf zu
schonen, setzt er sich mit stoischer Gelassenheit an den Gaskocher,
öffnet sich ein handwarmes Bier und labt sich an den verbrannten
Dosenravioli.
Eine willkommene Alternative bieten oft kleinere und bedeutend
günstigere Festivals, wie das Ottensheim Open Air oder das Rock The
Lake Festival, die teilweise dazu übergegangen sind, regionale Produkte
und Speisen zu leistbaren Preisen anzubieten. Kleine Festivals sind
ihren großen Geschwistern in
Komfort und Preis-/Leistungsverhältnis oft um einiges überlegen.
Dauerheadliner Ärzte, Hosen, Metallica und Co.
Als weitere Faustregel gilt zu beachten: Mindestens eine Band, die für
die persönliche Entscheidung, das Festival zu besuchen, ausschlaggebend
war, sagt ab. Krankheiten und Unfälle treffen prinzipiell immer Musiker
der Bands, die man selbst für sehr sehenswert hält. Diese werden dann
durch einen lustlosen Griff in den Bandfundus der musikalischen
Zweitauslese ersetzt. Verlass ist hingegen auf abgedroschene
Langzeitblockierer wie Die Ärzte, Die Toten Hosen oder Metallica, die
auf fast jedem größeren Festival zumindest einen Headliner-Slot besetzt
halten. Publikumsmagneten und Umsatzgaranten spielen, im Gegensatz zu
manchem interessanterem und nachmittäglichem Geheimtipp, jedoch nie vor lediglich ein paar
vereinzelten Leuten.
Gereinigt durch Dezibels und Dreck
Es gibt also genügend Gründe, den Schlafsack plus Campingsessel
endgültig einzumotten und den alljährlichen Torturen abzuschwören. Doch
was dem alten Griechen sein Drama war, ist dem heutigen Musikfan dann
schließlich doch sein Festival. Denn unterm Strich gesehen wird diese
Katharsis, hervorgerufen von Livemusik, psychischen und physischen
Extrembedingungen, dann doch zu sehr genossen, um freiwillig darauf zu
verzichten. Der Mensch verfällt für einige Tage zurück in seinen
Urzustand, schert sich weder um geregelte Tagesabläufe, noch um
gesellschaftstaugliches Auftreten. Er tankt Mut und Kraft für den
unabwendbaren Rückkehr in die Maschinerie des Alltags und hütet
anschließend sein Festivalarmband, das einzige Zeugnis seines
Abenteuers, demütig wie einen Talisman.
Wenn sich nicht alle sehenswerten Bands überschneiden, steht einem gelungenen Festivalerlebnis also doch weniger im Weg als
zuerst angenommen. Bleibt nur noch der dauergröhlende, niemals ruhende
Typ mit dem Megaphon, der natürlich im Nachbarszelt wohnt …
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Die Ärzte und Metallica sind abgedroschene Dauerheadliner, meint David Prieth
Größer, teurer, anstrengender
Die großen Festivals, wie das Novarock, Rock im Park oder das Frequency, bestechen meist durch eine hohe Anzahl von bekannten Künstlern, imposanten Headlinern und großen Arealen, die es zu entdecken gilt. Doch nicht nur die Besucherzahlen sind dort in der Regel beeindruckend hoch. Ticket- und Getränkepreise stehen diesen meist um nichts nach. Wer sich keine Kühlbox leisten kann, ist dem Monopol auf kalte Getränke meist hoffnungslos ausgeliefert. In den letzten Jahren wurde zunehmend damit begonnen, auch gekühltes Bier (zu moderateren Preisen) auf den Campingplätzen zu verkaufen, was die gelegentliche Erfrischung bedeutend leistbarer macht. Meist ist diese auch nötig, um den oftmals stundenlangen Weg vom Auto bis zum Zeltplatz bewältigen zu können.
Hitzeschlag und Dosenfutter
Ganz unabhängig von der Größe, die Wetterfee scheint Festivals grundsätzlich nicht wohlgesonnen zu sein. Regelmäßig droht der geneigte Musikfan in Gatsch und Sturzbächen zu ertrinken oder unter sengender Hitze einem Sonnenstich zu erliegen. Um trotzdem bei Kräften zu bleiben und den Geldbeutel nach dem kostspieligen Ticketkauf zu schonen, setzt er sich mit stoischer Gelassenheit an den Gaskocher, öffnet sich ein handwarmes Bier und labt sich an den verbrannten Dosenravioli.
Eine willkommene Alternative bieten oft kleinere und bedeutend günstigere Festivals, wie das Ottensheim Open Air oder das Rock The Lake Festival, die teilweise dazu übergegangen sind, regionale Produkte und Speisen zu leistbaren Preisen anzubieten. Kleine Festivals sind ihren großen Geschwistern in Komfort und Preis-/Leistungsverhältnis oft um einiges überlegen.
Dauerheadliner Ärzte, Hosen, Metallica und Co.
Als weitere Faustregel gilt zu beachten: Mindestens eine Band, die für die persönliche Entscheidung, das Festival zu besuchen, ausschlaggebend war, sagt ab. Krankheiten und Unfälle treffen prinzipiell immer Musiker der Bands, die man selbst für sehr sehenswert hält. Diese werden dann durch einen lustlosen Griff in den Bandfundus der musikalischen Zweitauslese ersetzt. Verlass ist hingegen auf abgedroschene Langzeitblockierer wie Die Ärzte, Die Toten Hosen oder Metallica, die auf fast jedem größeren Festival zumindest einen Headliner-Slot besetzt halten. Publikumsmagneten und Umsatzgaranten spielen, im Gegensatz zu manchem interessanterem und nachmittäglichem Geheimtipp, jedoch nie vor lediglich ein paar vereinzelten Leuten.
Gereinigt durch Dezibels und Dreck
Es gibt also genügend Gründe, den Schlafsack plus Campingsessel endgültig einzumotten und den alljährlichen Torturen abzuschwören. Doch was dem alten Griechen sein Drama war, ist dem heutigen Musikfan dann schließlich doch sein Festival. Denn unterm Strich gesehen wird diese Katharsis, hervorgerufen von Livemusik, psychischen und physischen Extrembedingungen, dann doch zu sehr genossen, um freiwillig darauf zu verzichten. Der Mensch verfällt für einige Tage zurück in seinen Urzustand, schert sich weder um geregelte Tagesabläufe, noch um gesellschaftstaugliches Auftreten. Er tankt Mut und Kraft für den unabwendbaren Rückkehr in die Maschinerie des Alltags und hütet anschließend sein Festivalarmband, das einzige Zeugnis seines Abenteuers, demütig wie einen Talisman.
Wenn sich nicht alle sehenswerten Bands überschneiden, steht einem gelungenen Festivalerlebnis also doch weniger im Weg als zuerst angenommen. Bleibt nur noch der dauergröhlende, niemals ruhende Typ mit dem Megaphon, der natürlich im Nachbarszelt wohnt …





















































