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38.000 junge Männer werden jedes Jahr eingezogen

Ein Berufsheer kann eine Alternative sein, bringt allerdings auch Nebenwirkungen

 

Jedes Jahr zieht der österreichische Staat etwa 38.000 junge Männer als Wehrpflichtige ein. Von diesen entscheiden sich rund zwei Drittel für den Grundwehrdienst und damit gegen das Leisten eines Ersatzdienstes. Laut Verfassung bestehen die Aufgaben des Heeres aus der Landesverteidigung, Assistenzeinsätzen im Katastrophenfall sowie Auslandseinsätzen zur Friedenssicherung. Letztere werden jedoch von gut ausgebildeten Berufssoldaten durchgeführt. Wofür Grundwehrdiener in der Praxis eingesetzt werden, hat meist wenig mit den verbliebenen zwei Bereichen zu tun – wie auch der umstrittene Assistenzeinsatz im Burgenland zeigt.

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Kriegsfall wäre „eh eine kurze Sache“
Vor drei Jahren entschied sich auch Daniel für den Wehrdienst, da sich mit dem drei Monate längeren Zivildienst der Studienbeginn nicht ausgegangen wäre. Er war Kraftfahrer und damit für die Wartung von Fahrzeugen zuständig. Seine Zeit im Heer beschreibt der 22-Jährige als „extrem langweilig“ und habe ihm persönlich nicht viel gebracht. Für seine Tätigkeit erhielt er einen Sold von 270 Euro im Monat. Ginge es nach ihm, würde er Grundwehrdiener nicht im Umgang mit Waffen ausbilden, da es im Falle eines Angriffs „eh eine kurze Sache“ wird. Sinnvoller fände er die Umfunktionierung des Heeres in ein Katastrophenschutz-Team, denn eine solche Bedrohung hält er für realistischer.

Österreich zählt zu den letzten sechs Ländern der Union, die noch an einer Wehrpflicht festhalten. Die restlichen 21 EU-Staaten sind bereits von einer Wehrpflichtigenarmee auf ein Berufsheer umgestiegen. Kürzlich entschied sich auch Schweden gegen die Wehrpflicht und nannte die Abwesenheit militärischer Bedrohungen als einen der Hauptgründe für den Schritt. Für Rudolf Raubik, Präsident der Offiziersgesellschaft Wien, ist die Landesverteidigung dennoch eine sehr wichtige Aufgabe des Bundesheeres. „Auch wenn feuertechnisch sicher gebaut wird, kann man nicht auf die Feuerwehr verzichten“, ist Raubik überzeugt. Außerdem könne die gute Sicherheitslage trügerisch sein und sich schnell ändern.

 

de.wikipedia.org/U.S. Department of Defense (James Montgomery Flagg)

„I want you for the Austrian Army“
Für Österreich schließt der Offizier eine Berufsarmee als Alternative nicht aus. Die Festlegung auf ein Berufsheer bringe aber meist nicht das, was man sich davon erwartet. So sei dieses nicht billiger und wäre in der Anfangsphase mit hohen Kosten verbunden. Der Kostenpunkt gilt als umstritten – Gegner einer Berufsarmee betonen die hohen Investitionen einer Umstellung, während Befürworter eine längerfristige Ersparnis orten. Zu den Vorteilen einer Berufsarmee wird die hohe Professionalität der Soldaten durch eine bessere Ausbildung sowie die schnelle Verfügbarkeit gezählt. Als Nachteil eines Berufsheers sieht Raubik zudem Rekrutierungsprobleme, so müsse beispielsweise in Großbritannien enormer Aufwand betrieben werden, um genügend Soldaten für die Streitkräfte zu gewinnen. In Österreich hingegen seien viele ehemalige Grundwehrdiener heute als Soldaten verpflichtet. Angst vor einem Berufsheer hat der Offizier dennoch nicht, denn das österreichische Bundesheer sei schon jetzt ein Mischsystem aus Berufssoldaten, Milizsoldaten (Soldaten, die nicht ständig im Einsatz sind, üben oft einen zivilen Beruf aus, Anmerkung der Redaktion) und Wehrpflichtigen. Sorgen bereitet ihm allerdings der überalterte Kader des Heeres. „Das Durchschnittsalter liegt um die vierzig.“

Ein weiteres Problem beim Aussetzen der Wehrpflicht stellt auch, so absurd es klingt, der Entfall des Wehrersatzdienstes dar. Zivildienstpflichtige haben sich zu einer wichtigen Stütze des Sozialsystems entwickelt. Ein Entfall dieser Säule würde die von den günstigen Arbeitskräften abhängigen Trägerorganisationen vor große Finanzierungsprobleme stellen. Das BZÖ, das sich für ein Abschaffen der Wehrpflicht stark macht, schlägt deshalb gleichzeitig einen Ausbau des freiwilligen sozialen Jahrs vor. Ob dadurch genügend Personal gewonnen werden kann, ist jedoch ungewiss.

 

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Breite Front für Beibehaltung
In der österreichischen Politlandschaft sind die Meinungen über die Einführung eines reinen Berufsheers gespalten. Neben dem BZÖ setzen sich nur die Grünen für eine Abschaffung der Wehrpflicht ein. „Schlecht ausgebildete und zwangsverpflichtete Grundwehrdiener kosten viel Geld, sind aber im Ernstfall nicht einsatzfähig“, kritisiert der ehemalige Verteidigungsminister Herbert Scheibner (BZÖ) die allgemeine Wehrpflicht. Der Sicherheitssprecher der Grünen, Peter Pilz, will laut einem Interview mit „Profil“ diesbezüglich ein Volksbegehren starten. Die restlichen Parlamentsparteien sprechen sich hingegen für eine Beibehaltung der momentanen Regelung aus. „An der Wehrpflicht darf nicht gerüttelt werden“, kommentierte etwa Verteidigungsminister Norbert Darabos (SPÖ) die momentane Diskussion. Da die Wehrpflicht in der Verfassung festgeschrieben ist und zur Änderung eine Zwei-Drittel-Mehrheit notwendig wäre, gilt eine Reform ohne Volksbegehren derzeit als eher unwahrscheinlich.

 

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Artikel von
Frank Greber

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Titelbild: de.wikipedia.org/U.S. Department of Defense (James Montgomery Flagg)

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