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„Unsere Musik klingt so rockig wie das Stinktier aussieht“

Soupshop über Authentizität und den Weg zum Erfolg, der noch nicht begonnen hat

 

An einem lauschigen Freitagabend stellten sich die Herren der Wiener Ska-Band Soushop im Gastgarten der Szene Wien Fragen rund um das Musikerdasein, Stinktiere und Schweiß auf der Bühne. Vor allem Frontman Dino Dinorian zeigte sich dabei äußerst redselig und nutzte die Gelegenheit, um zahlreiche Anekdoten zum Besten zu geben.

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„Wir haben Groupies“ meint die Band, selbst davon überrascht
mokant.at: Warum heißt ihr eigentlich Suppenladen?
Dino: Ich habe einmal Urlaub auf der Insel Kreta gemacht und dort gab es ein Lokal, das um vier in der Früh aufgesperrt hat, als alle anderen Nachtlokale bereits wieder zugesperrt haben und „Soupshop“ hieß. Bezeichnenderweise gab es dort auch lediglich ein Produkt zu erstehen, das war eine Suppe und zwar aus Ziege, ziemlich ekelhaft, ziemlich fettig, richtig mit Fettaugen drauf, lauwarm und mit steinhartem Brot, das man an der Kante des Tisches brechen musste um es in die Suppe zu bröseln.

Der Sinn dieser Suppe war, dass man nach dem Aufstehen, oder je nachdem, wann man wieder zu sich gekommen ist, keinen Kater gehabt hat. Es wurde mir so erzählt und ich hab es daraufhin empirisch überprüft und es hat sich als wahr herausgestellt. Deshalb war ganz klar, als ein Bandname gefunden werden musste, dass ich Soupshop vorschlagen würde und es wurde einstimmig angenommen.

mokant.at: Das erklärt allerdings noch nicht euer Bandlogo, ein Stinktier.
Mini: Naja, irgendwann sind wir draufgekommen, dass wir vom Punk zum Ska-Punk gewechselt waren, woraufhin wir einfach Ska und Punk zu „Skunk“ zusammengefasst haben und das heißt unter anderem bekanntlich Stinktier.
Dino: Wir machen eigentlich nicht die handelsübliche Ware „Ska-Punk“, natürlich finden sich einige Elemente in unserer Musik, aber es sind genauso auch ganz andere Sachen dabei. Anfänglich haben wir versucht Bands zu covern und uns gesagt „Machen wir doch einen Song der klingt wie XY“. Im Endeffekt hat es aber alles immer so geklungen wie wir, weshalb ich mir dachte, wir könnten uns weder als Ska noch als Punk bezeichnen, noch sonstige bestehende Kategorien verwenden, weil einfach nichts dem nahe kommt. Deshalb hat sich diese Geschichte angeboten.
Nino: Im Übrigen klingt unsere Musik genauso rockig wie der Skunk aussieht, quasi.

mokant.at: Nun finden sich Ska-Anhänger in Österreich vorwiegend in der hiesigen Jugendkultur. Seid ihr womöglich nicht sogar schon ein bisschen zu alt für diese Art von Musik?
Dino: Tito von Russkaja ist bestimmt 20 bis 30 Jahre älter als einige von uns, behaupte ich jetzt einmal.
Nino: Nein, es ist ja auch nicht so, dass wir gesagt hätten, die ganze Jugend entstünde auf irgendeiner Etikette wie Screamo oder Hardcore. Wir haben uns da ganz einfach nicht beeinflussen lassen und sind immer nur unseren Weg gegangen. Und das schon ziemlich lange.

mokant.at: Wie lange, um genau zu sein?
Dino: puh…3200 Jahre (lacht)
Mini: Nein ehrlich, seit 1977.
(Alle lachen)

mokant.at: Sieht man sich die Musiklandschaft dieses Landes einmal eingehend an, fällt auf, dass es hier doch sehr viele Ska-Bands zu geben scheint, wie erklärt ihr euch dieses Phänomen?
Dino: Erstens muss ich sagen, es interessiert mich relativ wenig, was andere Leute machen. Aber ich denke mir ich hör so etwas gern, du hörst es gern, du, du, du (zeigt nach der Reihe mit dem Finger auf seine Bandkollegen) Warum sollten es andere dann nicht auch mögen. Von diesem Gesichtspunkt aus betrachtet, überrascht mich das gar nicht.
Mini: Weil es ganz einfach besser ist, cooler, tanzbarer und die Mädels drauf abfahren.

mokant.at: Nimmt man all diese Ska-Bands her, was, würdet ihr sagen, unterscheidet euch von ihnen?
Dino: Naja, in Anbetracht des bereits Erzählten, muss man sagen, dass uns doch einiges von denen unterscheidet.

mokant.at: Wobei mit Sicherheit auch viele Bands in diesem Genre eure Philosophie teilen, eine ganz eigene, wahre Musik zu produzieren.
Dino: Das kann man behaupten, aber wenn man es sich anhört, dann kann man tatsächlich feststellen, dass es bei uns so ist. Ich bin ziemlich sicher, dass, wenn du einen Song von uns spielst und einen von einer anderen Band, du den Unterschied sehr gut hören wirst. Und uns garantiert nicht verwechselst.

mokant.at: Ihr wollt den Unterschied also gar nicht benennen?
Chris: Oh doch, unser rotzfrecher dreckiger Ska-Punk, der coolen Skunkrock, der im Kontrast zum Ö3-verschandelten Bands steht.
Mini: Naja, ich glaube das ist es gar nicht. Wir packen einfach wirklich viel rein in diesen Punkrock, gehen sehr entspannt an die ganze Geschichte heran und haben zudem ungarische Einflüsse, Balkan-Geschichten dabei und wir wirken dabei ganz einfach authentisch.

mokant.at: Wie wehrt ihr euch dann gegen den Vorwurf, jedes eurer Lieder würde gleich klingen?
Mini: Den Vorwurf wird es nicht geben. Diesen Vorwurf hab ich noch nie gehört, nicht in den ganzen 33 Jahren.
Dino: Nein, das find ich echt überhaupt nicht, weil ich mir jedes Mal denke: „Wie ist dieser Song zustande gekommen, der klingt ja überhaupt nicht so, wie ich ihn mir erwartet hätte“ und dann passt er irgendwie doch immer wieder in das Gesamt-Bild. Die Leute, die da sind, gehen aber trotzdem immer ab. Wir haben schnelle laute verzerrte Songs, wir haben langsame Schnulzen, zu meinem Leidwesen muss ich sagen. Ich sehe und höre das einfach nicht.

mokant.at: Habt ihr Groupies und wenn ja, wie alt sind die?
Mini: Wir haben Groupies, und zwar in den diversesten Altersschichten.
Dino: Ich frage lieber nicht ehrlich gesagt. (lacht) Ich hätte aber nicht gedacht, dass eine Band wie wir, die nicht Nummer 1 ist, selbst in der österreichischen Hitparade, oder die exzessiv im Fernsehen vorkommt, unglaublich viele …

mokant.at: Und das soll man euch glauben?
Dino: (lacht) Wir haben es selbst auch nicht geglaubt, aber alle Klischees sind wahr.
Mini: Es ist wirklich unglaublich.

mokant.at: Was bedeutet es für euch vor der gediegenen deutschen Band SKAOS zu spielen?

Mini: Ich habe sie vorher nicht wirklich gekannt, zwar gewusst, dass es sie gibt, aber noch keinen einzigen Song gehört, bevor ich erfahren habe, dass wir mit ihnen spielen. Daraufhin habe ich mich aber angefreundet mit dem, was sie machen.

mokant.at: Nun hält sich ja hartnäckig das Gerücht, dass die Szene-Wien mittlerweile vorwiegend Alt-Bands, die kein Mensch kennt, aus dem Hut zaubert. Würdet ihr das auch so sehen?
Chris: Also das würde ich nicht so sagen. Ich kenne diese Band explizit zwar nicht so gut, aber zumindest ein paar Nummern von ihnen. Ich bewundere es, wenn Bands wie diese, die es schon seit 27 Jahren gibt, immer noch ihr Ding durchziehen, wie früher. Dass die Besetzung dabei nicht gleich bleibt, ist klar. Der eine kommt, der andere geht, das ist genauso wie bei uns.

mokant.at: In welchem Verhältnis stehen Geld und Musik bei euch?
Dino: Wir zahlen, damit wir spielen dürfen. (lacht)
Nino: Naja, heute kriegen wir bezahlt und am Sonntag spielen wir einen Gig mit „Jaya the cat“, weil wir einfach Spaß an der Sache haben. Es ist einfach ein Unterschied, ob wir hier in Wien, unserer Heimatstadt, spielen, oder nach Buxtehude hinaus fahren.
Dino: Für Buxtehude würde ich viel Geld sehen wollen. Aber eben in Wien und für Jaya the cat, immer gerne. Ich würde nicht wissen, ob ich das auch für eine andere Band machen würde, aber mit Jaya the cat waren wir auch schon auf Tour, das sind gute Freunde von uns.

mokant.at: Was würdet ihr herangehenden Ska-Bands mit auf den Weg geben wollen?
Mini: Spielen, spielen, spielen.
Dino: Das ist die Message, raus aus dem Proberaum
Chris: Nicht um die Gage bescheißen lassen.
Dino: Ja, wenn es denn einmal soweit ist. Nur zuerst geht es darum, live vor Publikum aufzutreten, sich zu überlegen, was ankommt, was nicht ankommt. Da lässt sich sehr gut herausfinden, dass das Rad schon erfunden wurde und man es nicht selbst neu erfinden muss, sondern allerhöchstens eine Achse dazu stecken, um dann damit herumzufahren. Das ist viel angenehmer als das Rad umzudesignen. Das merkt man nur wenn man auf der Bühne steht und nicht im Proberaum jeden Ton verbessern möchte.

 

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