Aufgeblättert: „Lange Nächte Tag“
„Lange Nächte Tag“ von Simon Froehling
Protagonist und Leser im Chaos
Als der zu Unrecht enttäuschte junge Mann Patrick nach Wochen die
Wahrheit mitteilt, wird die ohnehin von gegensätzlichen, aber
imposanten Gefühlen geprägte Beziehungen zwischen den beiden Männern
noch komplizierter. „Die drei Buchstaben stehen zwischen uns, groß und
zu sperrig, um sie alle auf einmal in den Mund zu nehmen. Wir müssen
sie einzeln rund lutschen und einbetten in andere Worte, damit die
spitzen Enden und Winkel der zwei Konsonanten und des überhaupt nicht
weichen Vokals uns nicht den Gaumen zerfleischen.“ Wut über Jirkas
Verhalten, Angst um den Freund, Hilflosigkeit in Bezug auf das mögliche
Testergebnis und Unsicherheit über die eigenen Wünsche wechseln rasend
schnell in Patricks emotionalem Chaos. Auch der Leser hat mitunter das
Gefühl im Chaos zu versinken, denn Simon Froehling hält sich in seinem
Buch nicht an die chronologische Abfolge der Ereignisse. Immer wieder
lässt er Erinnerungen an vergangene Liebhaber, Familientraumata oder
Kindheitserlebnisse des Ich-Erzählers Patrick einfließen. Die Bedeutung
verleiht der Autor diesen Erinnerungen nicht durch den Raum, den er
diesen im Roman lässt, sondern durch die kalte, nüchterne und
aufwühlende Art der Wiedergabe dieser.
„Paralysiert stehe ich vor dem CD-Regal. Ich finde kein Lied für diesen Morgen – eine andere, eine noch nie gehörte, weil unerhörte Musik müsste her.“ Die Nervosität vor dem bevorstehenden und alles entscheidenden Testergebnis ist zum Greifen nahe. Das Resultat steht für Patrick im Voraus schon fest, die Liebesnächte mit Jirka können nicht folgenlos geblieben sein. Und dann die Enttäuschung. Patrick ist negativ. Angst macht sich in ihm breit, er könnte den Mann, den er liebt, an diese Krankheit verlieren. Also macht er sich auf, die Ereignisse jener Nacht, in der alles begann, und Jirkas Erlebnisse zu wiederholen. Die gleichen Empfindungen sollen ihn seinem Freund näher bringen, ihn mit dem Geliebten eins werden lassen.
Beifall für ein großes Debüt
Der Erstlingsroman des vor allem als Theaterautor bekannten Schweizers
verwirrt und irritiert, weckt Empörung, verletzt, macht traurig und
lässt doch hoffen. „Lange Nächte Tag“ ist ein Liebesroman, der die
Gefühlswelt zweier Liebender in einer Collage aus Worten wiedergibt,
deren Zusammensetzung dem Leser nicht immer verständlich ist. Doch
gerade dieser Wechsel zwischen Verständnis und Unverständnis dieser zu
einem Gesamtwerk zusammengeklebten berührenden, brutalen, anklagenden
und zärtlichen Schnipseln fängt die Bedeutung von Liebe ein. Am Ende
des Romans blickt der Leser von seinem Buch auf und möchte
applaudieren.
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Simon Froehling im Bigerverlag
Rezension von




































