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Ein Buch über das Leben, Schaffen und Denken von Luis Buñuel

„Mein letzter Seufzer“ von Luis Buñuel

 

Filmemacher nähern sich ihrem „obskuren Objekt der Begierde“ unterschiedlich, wobei sie die Arbeit an einem Film aber nur ungern erläutern. Die Ausnahmen dieser Regel reichen von theoretischen Beiträgen zu Form und Funktion von Filmen (Eisenstein, Tarkowski), über in Bücher gegossene Filmschulen (Lumet, Mamet, Murch, Hitchcock), zu Werken, die die Filmemacher als Personen offenbaren, für die das Filmschaffen eine Ergänzung ihres Lebens ist, in einem Wechselverhältnis eng verbunden mit anderen Auseinandersetzungen, Bedürfnissen und Genüssen.
Letzteres gilt auch für das Buch „Mein letzter Seufzer“, ein weiteres Produkt der Zusammenarbeit von Luis Buñuel und Jean-Claude Carrière, die ab dem Beginn der 1960er Jahre zusammen die Drehbücher für sechs der acht letzten Spielfilme von Luis Buñuel verfassten. In dem Buch erzählt der Regisseur über sein bewegtes Leben, markantes Fühlen und nonkonformistisches Denken und Handeln.

 

mokant.at > foto: miha veingerl

Das goldene Zeitalter
Buñuel erstellt in seinem Buch keine Kunstfigur aus sich selbst, sondern erklärt offen und direkt Ereignisse und Ansichten. Erinnerungen wechseln sich mit ganzen Kapiteln aus, in denen er über Gedächtnis, Träume, Liebe, Vergnügen, Religion, Vorlieben (eine besondere Stellung gebürt dem Martini dry), Abneigungen oder den Tod siniert. Filme sind in dem Buch fast nebensächlich; er beschreibt zwar, reich mit Hintergrundinformationen, die Produktion jedes seiner Filme, erklärt jedoch meistens die technische Arbeit dahinter nicht.
Viel wichtiger sind ihm seine Lebensverhältnisse. Als 1900 geborener und 1983 verstorbener widmet er sich dabei vor allem den ersten 60 Jahren. Ob in seinem Erwachsenwerden zwischen einem Dorf und der Hauptstadt in Spanien, seinen Freundschaften mit Federico García Lorca oder Salvador Dalí, seiner eigenen Häutung durch Surrealismus und Film in Paris, seiner persönlichen Entdeckung der Vereinigten Staaten, dem Schock und Chaos des Spanischen Bürgerkriegs oder dem spontanen Fund einer Wahlheimat in Mexiko – in allen Poren seiner Erinnerungen trifft man auf einen unbändigen, den Alltag mitsamt der politischen und religiösen Unterwerfung der Mehrheit bekämpfenden, verspielten und mit Vorliebe sarkastischen Freigeist, der seine Umgebung ständig provozierte.

 

wikipedia.org/Revista Gente y la actualidad
Die Schönen des Tages
Die Tatsache, dass er die Kraft des Zufalls der auferlegten Ordnung vorzog und dass er keinem Strom (außer natürlich dem der Surrealisten) folgen wollte, wird am besten durch sein Verhältnis zur Realität selbst sichtbar: „Wenn mir gesagt würde: Du hast noch zwanzig Jahre zu leben, was wirst du anfangen mit den vierundzwanzig Stunden jedes Tages, der dir bleibt?, so würde ich antworten: Gebt mir zwei Stunden aktiven Lebens und den Rest zum Träumen, aber ich muss mich der Träume erinnern können...“
Wenn man unter anderem über die Entwicklung der am meisten fest im kollektiven Gedächtnis verankerten Filme Buñuels – das Erstlingswerk „Ein andalusischer Hund“ (1929), „Belle de Jour“ (1967) oder „Der diskrete Charme der Bourgeosie“ (1972) – ließt, schlürft man dabei genüsslich zahlreiche Anekdoten auf. Im Jahr 1973 wurde er zum Beispiel nach der Nominierung des „diskreten Charmes“ gefragt, ob er glaubt, dass er den Oscar gewinnen wird, und er antwortete: „Ja, davon bin ich überzeugt...Ich habe schon die fünfundzwanzigtausend Dollar bezahlt, die man verlangt hat. Die Amerikaner haben alle möglichen Fehler, aber ihr Wort halten sie“. Trotz des zu erwartenden Skandals schmückte einen Monat später der Oscar seine Vitrine – neben anderen Preisen für seine Filme, unter anderem einem Goldenen Löwen und zwei Goldenen Palmen.

Das Gespenst der Freiheit
Lob und Preise waren wie Spott und Widerstand auf allen gesellschaftlichen Ebenen ständige Begleiter auf der Suche dieses selbsternannten „Atheisten nach Gottes Gnaden“ nach seinem filmischen Gral. Wie auch sein Humor, mit dem er auf die im wahren Leben autoritär auferlegten Illusionen antwortete. So stellte er angeblich in seinem Sterbebett kurz vor dem Ende nur gewohnt trocken fest: „Ich sterbe!“. Durch und durch eben ein Mann, den man entweder liebt oder hasst, der einen jedoch nicht gleichgültig lässt.

 

Aufgeblättert nachlesen ...


Link dazu ...
Luis Buñuel im Alexander Verlag Berlin

Rezension von

Fotos: wikipedia.org/Revista Gente y la actualidad (1), miha veingerl (2)

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