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Zum fünfzehnten Mal fand die Regenbogenparade in Wien statt

Im Regenbogenland ist die Welt für Homosexuelle ein paar Stunden in Ordnung

 

Bunte Kleidung wie zur Blütezeit der Hippies. Ungewöhnliche Frisuren, die an den japanischen Zeichenstil erinnern. Geschminkte, strahlende Gesichter. Es wird gesungen, geküsst, ab und zu auch ein wenig gegrabscht. Es herrscht eine Stimmung, die ihresgleichen sucht. Hier, bei der Regenbogenparade in Wien, ist für ein paar Stunden die Welt noch in Ordnung – die Menschen können sich frei lieben, lieben, wen sie möchten und es öffentlich zeigen.

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Das Regenbogenfestival war auch dieses Jahr bunt und schrill
Andersherum
Der farbenfrohe Demonstrationszug für Kultur, Toleranz und Gleichberechtigung bahnt sich seinen Weg vom Stadtpark aus zum Schwarzenbergplatz. Vorbei an Urania, Schwedenplatz, Universität, Rathausplatz, Parlament und der Oper – gegen die Fahrtrichtung. Andersherum also, wie die Veranstaltung selbst, die als wichtigster Event der Lesben-, Schwulen- und Transgenderbewegung gilt. Jedes Jahr gehen über 100.000 Menschen auf die Ringstraßenparade, um sich für die Rechte von Homosexuellen einzusetzen. Seit 2003 ist die HOSI (Homosexuellen Initiative Wien) für die Organisation der Parade verantwortlich und unterstützt unter anderem das persönliche Coming-Out, den Abbau von Vorurteilen gegenüber Schwulen und Lesben und die Stärkung des Selbstbewusstseins als Homo- oder Transsexuelle/-r. Außerdem steht sie für die Ausweitung der Antidiskriminierungsgesetze und der eingetragenen Partnerschaft.

Mama, ich muss dir etwas beichten
Einer der Organisatoren ist Christian Högl. Das Motto der Veranstaltung, „We are familiy“, meint Högl, sei gewählt worden, um aufzuzeigen, dass auch Homosexuelle eine Familie besitzen und nicht alleine auf der Welt sind.

Allerdings haben Homosexuelle auch seit der Möglichkeit, eine eingetragene Partnerschaft einzugehen, nicht dieselben Freiheiten und Möglichkeiten wie heterosexuelle Paare. Nach wie vor führt auch vor allem das Recht auf Adoption zu heftigen Diskussionen und äußerst gespaltenen Meinungen. Doch obwohl die Regenbogenparade immer noch eine Demonstration bleibt, geht es hier trotz allem um Lebensfreude und den Wunsch zu zeigen, dass man nicht alleine ist.

Schriller Kampf
Auch Marlene (20 Jahre), die in Anbetracht des wundervollen Wetters ein besonders vorteilhaftes Outfit trägt, findet, dass es besonders wichtig sei, im Rahmen der Parade zusammen gegen Homophobie zu kämpfen und zu zeigen, wie viele Homosexuelle es tatsächlich gibt. Diese sollten nicht das Gefühl haben, sich verstecken zu müssen, sondern ihre Einstellungen offen zeigen dürfen. Auch Fetische. Und tatsächlich – bei über dreißig Grad leben ganze Gruppen von Menschen in Latexoutfits ihren Fetisch und ihre sexuellen Vorstellungen frei und schamlos aus und scheren sich für ein paar Stunden nicht darum, was man von ihnen hält.

Christian (35 Jahre) schimmert wie eine silbergoldene Weihnachtskugel. Bereits zum zehnten Mal nehme er an der Regenbogenparade teil und habe immer noch nicht genug bekommen. Das einzige, was ihn störe, seien Leute, die die schrille Parade als unnötig abtun, denn diese sei für den Kampf um Gleichberechtigung wichtig.

Der Zusammenhalt zwischen den Teilnehmern ist deutlich spürbar, dabei spielen weder Nationalität noch Alter eine tragende Rolle. Man bewundert einander und wird bewundert. Die Party-Wagen ziehen vorbei und machen Stimmung und Lust zu Tanzen. Die Leute schreien, lachen und toben.

Umschwung
Um 16:00 Uhr sind dann aber plötzlich alle ruhig. Es folgt die „Minute of Silence“ in Gedenken an die Aidskranken, Verstorbenen und Opfer von Gewalt, Diskriminierung und Rassismus. Bis etwa 23:00 Uhr geht die Parade als Party am Schwarzenbergplatz noch weiter, bis sie sich schließlich in diversen Clubs verliert. Der Zauber ist verflogen. Die bunt schillernden Kutschen sind wieder unscheinbare Kürbisse geworden. Von den Prinzen und Prinzessinnen ist keine Spur geblieben.

Passend zur Regenbogenparade kommt am 16. Juli der Film „I love you Phillip Morris“ von Glenn Ficarra und John Requa in die österreichischen Kinos. Nach einer wahren Begebenheit zeigen uns Jim Carrey als Gauner Steven Russell und Ewan McGregor als sensibler Phillip Morris, welche Ausmaße die Liebe zweier Menschen, die sich in einem Gefängnis zufällig begegnen, annehmen kann.

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