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Der Lifeball ist aus verschiedenen Gründen ins Wasser gefallen, meint Patricia Konarzewski
Letzten Samstag am Lifeball, als Zaungast, war die Eröffnungsfreude ob
des Wetters nur von kurzer Dauer. Doch so richtige Enttäuschung schien
sich unter dem etwas gelangweilten Publikum nicht breit zu machen, als
die Vorstellung nach dem Auftakt abgebrochen wurde und es den
Rathausplatz zu räumen galt. Zu sehen gab es nicht viel, oder eher,
viel vom Gleichen. Vom schlüpfrigen Treiben der frühen Lifebälle der
1990er ist mittlerweile kaum was übrig, vielleicht gerade deshalb, weil
Fetisch und Kinkyness noch immer so aussehen wie vor fünfzehn Jahren
und sich die neuen Träger mit den alten Standards schmücken.
Authentische Frivolität blitzt nur hier und da auf, der Rest geht im
Bodypainting-Glitzersumpf unter.
Vielleicht dachte sich Ballchef Gerry Keszler dasselbe, als er dem
Publikum einen neuen Dresscode verordnete. Gediegener sollte es werden
und bloß keine Nackten mehr – mit dem Ergebnis, dass sich an den
VIP-Eingängen Schlangen von betagten Ballgästen in Smoking und
Ballkleid tummelten. Der Schuss ging nach hinten los. Noch nie war es
amüsanter mitanzusehen, wie die Revolution ihre eigenen Kinder frisst –
den Anwandlungen Gerry Keszlers, oder den „Animositäten“, wie der ORF
es letzte Woche nannte, als die Nachberichterstattung überraschend
gekürzt wurde, sei gedankt. Und der Wettergott war schnell zur Stelle,
kleine Sünden werden ja bekanntlich sofort bestraft.
Und was vom Aids-Gedanken blieb?
Das Lifeball-Monopol in Sachen HIV-Awareness und AIDS-Karitas in
Österreich ist unumstritten und wichtig. Auch wenn die Veranstaltung an
Angepasstheit nicht zu überbieten ist, bleibt der Gedanke, dem Virus in
dionysischer Manier die Stirn zu bieten, aufrecht. Das Thema wird Jahr
für Jahr wiederbelebt, was angesichts sinkendem Wissensstand und
Schutzverhalten bitter nötig ist. Für einen Abend ist das Red Ribbon
glamourös und sich mit einer angstbesetzten Krankheit
auseinanderzusetzten ganz leicht – Kondom drauf und die Party kann
weiter gehen. So einfach ist das.





















































