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Es braucht mehr Aufklärungsarbeit zu HIV und Aids, ist sich die heimische Politik einig
Die Gruppe von Personen, die sich mit HIV infiziert haben, hat sich seit 1980 mehr als verfünfzehnfacht. Die Heilung von Aids ist auch heute noch nicht möglich, da HI-Viren nicht aus dem Körper entfernt werden können. Personen, die sich angesteckt haben, wissen häufig nicht, ob sie die Erkrankung dem Arbeitgeber melden müssen. „HIV muss man nicht melden. Wenige erkranken wirklich an Aids, heute kann ein tatsächlicher Ausbruch der Krankheit meistens verhindert werden“, sagt Lukas Schmuckermair von der Jugendprävention der Aidshilfe Wien. Bei Bekanntwerden der Krankheit sehen sich Betroffene oft mit Mobbing konfrontiert. „Das geht bis zur Kündigung. Oft wird die Krankheit gegen den Willen der Betroffenen bekannt gemacht“, so Schmuckermair.
Kontakte brechen ab
Nicht nur Kollegen, auch Arbeitgeber sind häufig zu wenig über die
Krankheit informiert. „Sie glauben, Personen mit einer HIV-Erkrankung
sind weniger leistungsfähig. Es existieren immer noch viele Vorurteile,
wie etwa, man könne sich durch Händeschütteln oder über die Tastatur
anstecken“, sagt Petra Bayr, SPÖ-Sprecherin für Globale Entwicklung.
HIV ist erst beim Ausbruch von Aids zu melden. Betroffene müssen dann
häufiger Behandlungstermine wahrnehmen und sind allgemein in einem
schlechteren Gesundheitszustand. Es gibt nur einen Beruf, den eine
HIV-positive Person nicht ausführbaren darf. „Den Beruf des Sexworkers
können HIV-Positive nicht ausführen. Bei allen anderen Berufen sind
Kündigungen unzulässig“, klärt Schmuckermair auf.
Auch bei Jobvergaben werden Betroffene häufig diskriminiert. „Bei
vielen Fluglinien müssen Bewerber angeben, ob sie HIV-positiv sind. Das
ist nicht zulässig“, sagt Schmuckermair. Abseits des Erwerbslebens
wenden sich Freunde häufig von den Erkrankten ab. „Im
gesellschaftlichen Bereich ist die Diskriminierung sehr stark. Freunde
und Bekannte wissen zu wenig über die Krankheit und wie sie übertragen
wird“, meint Judith Schwendtner, Sprecherin für Frauen- und
Entwicklungspolitik der Grünen. Die Aufklärung über Aids lasse in
Österreich allgemein noch sehr zu wünschen übrig, meint Schwendtner
weiter. „Aids und HIV werden in Österreich als Tabuthemen behandelt und
wurden in den letzten Jahren kaum diskutiert. Über Aids wird zu wenig
gesprochen.“
Bewusstsein schaffen
Das Bewusstsein der Bevölkerung wollen die Grünen über
Aufklärungskampagnen schärfen. Auch die Ausbildung von Personen, die
direkt mit Betroffenen in Kontakt stehen, soll mehr Aufmerksamkeit für
Aids und HIV schaffen. „Im Arbeitsumfeld der Personen, die häufig mit
HIV-Postiven zu tun haben – im Justizbereich, bei der Polizei, in der
Medizin – braucht es aufgeklärte Menschen“, so Schwendtner. „Weiters
brauchen wir engagierte Lehrer, die die Schüler über die Krankheit
aufklären. Den klassischen Aufklärungsunterricht gibt's in Österreich
ja leider kaum.“
Auf Aufmerksamkeit durch die Medien setzt die SPÖ. „Reden, reden, reden
ist das Wichtigste. Aids sollte kein Tabu-Thema mehr sein, man sollte
es so oft als möglich zur Sprache bringen. Sowohl bei Jungen als auch
bei Älteren kann man nicht genug Aufklärungsarbeit betreiben“, meint
Bayr. Die Jungen sollen über „Peer Group Education“ aufgeklärt werden:
„Dabei bildet man junge Leute aus, die dann mit Jungen über das Thema
reden. Dabei wird gezeigt, wie Kondome verwendet werden. Man sollte in
die Schulen, Parks und Jugendzentren gehen und mit den Jungen reden.“
Auf Aufklärungskampagnen setzt auch die ÖVP. „Man muss die Menschen
darüber aufklären, wie die Krankheit übertragen werden kann
beziehungsweise wie sie nicht übertragen werden kann. In Österreich
sind die Jugendlichen durch Elternhaus und Schule bereits gut über das
Thema informiert“, meint Silvia Fuhrmann, Jugendsprecherin der ÖVP.
Internationale Aids-Bekämpfung
Bei der internationalen AIDS-Bekämpfung kann Österreich nicht glänzen.
„Wie sich Österreich in der internationalen Entwicklungszusammenarbeit
verhält, ist bitter und enttäuschend. Österreich ist kaum vertreten und
zahlt nicht in den Global Fund (The Global Fund to Fight AIDS, Tuberculosis and Malaria, Anmerkung der Redaktion)
ein, bis auf das Jahr 2002“, erklärt Schwendtner. Anders beurteilt das
die ÖVP. „Mit dem Lifeball ist es Österreich gelungen, eine
international anerkannte Veranstaltung ins Leben zu rufen. Das zeigt
schon sehr stark das Engagement Österreichs beim Thema HIV und Aids“,
beschwichtigt Fuhrmann. Auch die derzeitige Aids-Welt-Konferenz in Wien
und die Aids-Demo wertet Fuhrmann als positives Signal. Durch die
Aids-Konferenz kann Aufmerksamkeit für ein Thema geschaffen werden, das
medial oft untergegangen ist, aber brandaktuell bleiben wird.
Links dazu ...
Aidshilfe Wien
Aidshilfen Österreich
Sozialdemokratische Partei Österreich (SPÖ)
Österreichische Volkspartei (ÖVP)
Die Grünen
Artikel von
Titelbild: mokant.at montage > foto: flickr.com/zensursula





