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Grossstadtgeflüster waren den Wienern noch ein Konzert schuldig

Elektropopper Grossstadtgeflüster brachten ihr Publikum in Wien zum Schwitzen

 

Grossstadtgeflüster – das sind seit 2008 Sängerin Jen Bender, Keyboarder Raphael Schalz und Schlagzeuger Chriz Falk. Freunde des gepflegten Elektropops erlebten am Montag im B72 ein Tanzfeuerwerk, das es in sich hatte.

Bekannt geworden ist die Berliner Popband 2007, als ihre Single „Ich muss gar nix“ zur Mitsing-Hymne des Indievolks avancierte. Inzwischen hat die Truppe drei Alben veröffentlicht, das jüngste Werk „Alles muss man selber machen“ ist im April erschienen. Nach einer fünftägigen Österreich-Tour kamen am Montag auch die Wiener Fans der Combo in den Genuss ihrer Live-Performance.

Bunte Regenbogenkostüme
So machen eingefleischte Fans im B72 ihrer Vorfreude Luft, indem sie lautstark „Grossstadtgeflüster“ auf die Bühne bitten. Um halb elf ist es dann endlich so weit: Die Elektropopper betreten die Bühne. Und weil das Auge ja mitisst, sind die drei auch abseits von musikalischen Höhepunkten ein optisches Schmankerl: Schwarze Kostüme mit bunten Regenbogenapplikationen und blaue Dreiecke im Gesicht sorgen für das visuelle Mehr.

Grossstadtgeflüster lassen nichts anbrennen und starten mit der Nummer „Laut Reden, Nichts sagen“. Das Publikum lässt sich trotz gefühlter 35 Grad nicht lange zum Tanzen bitten und singt Zeile für Zeile mit als gäbe es kein Morgen. „Schönen guten Abend Wien. Wir sind wieder zuhause“, heißt die Sängerin das Tanzvolk nach der ersten Nummer willkommen. Mit krachenden Synthezisern setzt die Band ihren Auftritt fort: „Kaethe“, ein Song, der vom Unangepasstsein erzählt, sorgt für den nächsten Kracher.

Mitmachpotenzial: Hoch
Jetzt erst mal durchatmen. Die Ballade „Fehler“ sorgt für Abkühlung. Erneut heiß her geht's bei „Bassbox“. Die Sängerin versteht es, das ohnehin schon aufgeheizte Publikum mit ihrer Tanzmoves noch zusätzlich anzufeuern. Das Hemd des Keyboarders ist inzwischen triefend nass. Schlagzeuger Chriz weiß sich gegen die Hitze zu helfen: Er drischt oben ohne auf sein Instrument ein. In der nächsten Nummer „Lebenslauf“ setzt die Band schließlich ein Zeichen für mehr Lebensqualität, indem sie die schädlichen Folgen des Turbokapitalismus auf den Einzelnen, der sich immer stärkerem Druck ausgesetzt sieht, anprangert.

Fürsorglich kümmert sich die Band um das Wohl ihrer Zuschauer, die beim Herumhüpfen ihre Körper ziemlich beanspruchen – Keyboarder Raphael Schalz teilt sympathischerweise seinen silbernen Ventilator und versucht, die Fans aus der ersten Reihe ein wenig abzukühlen, ein freilich schwieriges Unterfangen. Sängerin Jen Bender teilt gar ihre mit Wasser gefüllte Plastikflasche, indem sie sie einmal quer durch das Publikum gehen und später vom Barpersonal neu auffüllen lässt.

Ein tapferer Rosenverkäufer kämpft sich durch die tanzende Menge – ob jemand während dem Elektro-Livespektakel eine kaufen will, ist eher fraglich. Grossstadtgeflüster interagieren perfekt mit ihrem Publikum, sind lustig und charmant. Als Highlight des Abends gibt es schließlich den Überhit „Ich muss gar nix“, zu dem das Publikum noch einmal seine letzten Kraftreserven mobilisiert und ordentlich abgeht. Nach mehreren Zugaben verabschiedet sich Jen von den verschwitzten und glücklichen Zuschauern. Bleibt zu hoffen, dass die sympathischen Deutschen die Donaumetropole bald wieder beehren.

 

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