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Facebook ist mehr als bloßes Social-Networking, es hat unser Leben verändert
„You don't get to 500 million friends without making a few enemies“, heißt es im Film „The Social Network“, der im Oktober in die Kinos kommt. „Fight Club“-Regisseur David Fincher wirft darin einen Blick auf die Erfolgsgeschichte Facebooks und porträtiert jenen Mann, der sich zwar viele Freunde machte, aber genauso auch Feinde, Mark Zuckerberg. Mit Facebook erschuf er ein Massenphänomen: Wer heutzutage nicht auf der beliebten Social-Community-Seite angemeldet ist, erntet schon einmal verständnislose Blicke. Immerhin können sich Millionen Jugendliche und Erwachsene der Anziehungskraft des 2004 gegründeten, virtuellen Freundschaftsbuches nicht mehr entziehen. Sie geben scheinbar ohne Bedenken private Informationen über den Geburtstag, ihre Schule, Universität, Arbeitsstelle, die Familienverhältnisse, politische und religiöse Überzeugungen oder ihren Wohnsitz an. Aber was macht das Phänomen Facebook aus und wie wird es sich weiterentwickeln?
Mittlerweile hat es Facebook zur am häufigsten benutzten Kontaktseite geschafft: Über vierhundert Millionen Nutzer konnten 2010 verzeichnet werden, in 75 Sprachen wird Facebook mittlerweile angeboten. Statistiken belegen, dass Facebook unter anderem 9,5 Millionen Mitglieder aus Deutschland, 2,1 Millionen aus der Schweiz sowie beachtliche 1,9 Millionen Nutzer aus Österreich hat. Das Durchschnittsalter der amerikanischen und deutschen Facebook-Nutzer liegt bei unter 25 Jahren, wobei Nutzer in der Schweiz und Österreich zumeist zwischen 18 und 34 Jahren alt sind.
Facebook-Erfinder Mark Zuckerberg, der mit seinen Studienkollegen der Harvard University gemeinsam Facebook entwickelte, kann bei der Finanzierung unter anderem auf prominente Unterstützung von Microsoft, der russischen Investment-Firma „Digital Sky Technologies“ und den Internet-Unternehmer Peter Thiel zählen.
Faszination „Big Brother“
Facebook ist zur Datenbank mutiert. Seine Nutzer laden rund drei Milliarden Bilder und zehn Millionen Videos pro Monat hoch: Bilder von der Familienfeier, der Geburt des Kindes, wilden Partynächten und Nacktfotos, die laut den Nutzungsregel von Facebook eigentlich verboten sind, ein Wunderwerk an Erinnerungen also, das den teilweise fünfhundert, „Freunden“ präsentiert wird. „Man kann zwar einstellen, dass nur bestimmte Freunde private Fotos sehen, aber nur wenige stellen ihre Privatsphäreeinstellungen auch so ein“, meint Ritchie Pettauer, Betreiber des bekannten Datenschmutz-Blogs und Lektor an der Universität Wien für Publizistik. „Man könnte das als Proletarisierungsproblem auffassen.“
Ein anderes Problem entsteht, wenn sich der Chef oder Arbeitskollegen in der Freundesliste befinden. Allgemein zugängliche Fotos können sich da schon mal als Karriere-Stolperstein erweisen. „Einerseits geht es ein Unternehmen nichts an, was ich in meiner Freizeit mache, solange ich meinen Job zufriedenstellend ausführe, andererseits ist schnell ein Punkt erreicht, wo es zu einer Vermischung von Beruf und Privatleben kommt“, umreißt Pettauer das Problem.
Die Aufgabe der Privatsphäre
Immer wieder gibt es Kontroversen um die Privatsphäre auf Facebook. Ab 2009 wurden die Nutzungsbedingungen geändert, um die Daten der Mitglieder zeitlich unbegrenzt verwenden zu dürfen, sogar wenn der Nutzer den Account bereits gelöscht hat. Massive Proteste bewirkte eine erneute Änderung, dennoch gab Facebook private Fotos, Videos und ähnliches zu kommerziellen Zwecken an Dritte weiter. Ende Juni reagierten die Verantwortlichen auf die immer lauter werdende Kritik der Nutzer. Die Privatsphäre-Einstellungen auf Facebook werden dahingehend verbessert, als dass nun dritte Websites und Onlineprogramme nur noch Informationen einsehen können, die im Profil vom Nutzer ohnehin öffentlich freigegeben werden. Weiters können Websites erst dann auf private Daten zugreifen, wenn Facebook-Nutzer ihr Einverständnis für die Nutzung erklären. Datenschutz- Mankos bestehen aber weiterhin: Etwa in einem Datentransfer, der durch ein Handyupdate hervorgerufen wird und Kontaktdaten übernimmt, sowie im Speichern von Nicht-Mitgliedern, wenn man diese über ihre Mailadresse auf Facebook suchen möchte.
Auch Mark Zuckerberg selbst räumte öffentlich ein, dass Mitglieder von den Datenschutz-Einstellungen verwirrt und ebendiese nicht transparent genug seien. Genauere Stellungnahmen kamen seinerseits leider nicht, genauso wie eine Stellungnahme der Facebook-Presseabteilung zum Thema Privatsphäre und Nutzungsbedingungen ausblieb, um die sich mokant.at wochenlang bemühte. In der frühen Zeit des Internets sprachen Theoretiker davon, dass das Internet ein Raum sei, in dem jeder beliebige Identitäten annehmen könne, weswegen „die Idee, dass sich jemand unter seinem echten Namen in einer Internetplattform verzeichnet“, absolut fern lag. „Technisch gesehen“, merkt Pettauer an, „ist das Internet aufgrund seiner Technologie das perfekte Überwachungsmedium, früher hat es nur keinen interessiert, weil sich so wenige Leute öffentlich präsentiert haben“.
Brustwarzen-Doppelmoral und Google-Zukunft
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Titelbild: flickr.com/oversocialized




















