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Facebook steckt voll mit personalisierter Werbung

Das FB-Erfolgsrezept: Marketing-Maschinerie, die unsere Werte auf den Kopf stellen konnte

 

Heftige Kritik gibt es an Facebook auch wegen der personalisierten Werbung, bei der die privaten Informationen der Nutzer an sechzig Konzerne und Unternehmen weitergegeben wurden, unter anderem auch politische Überzeugungen und das Alter – eine gute Möglichkeit den Bildungsstand der Nutzer zu konstruieren. „Das ganze Marketing beruht mittlerweile darauf, dass man Zielgruppen ermittelt und es besteht die Annahme, dass die politische Einstellung mit dem Kaufverhalten der Rezipienten einhergeht“, erklärt Ritchie Pettauer die Relevanz der Angabe der politischen Überzeugung auf Facebook. Ein wenig anders stellt sich der Sachverhalt bei der Religion dar: „Religiöse Information preiszugeben, basiert nicht zuletzt auf der Tatsache, dass Facebook aus Amerika kommt, wo die Religion in der Gesellschaft und auch im Marketing eine tragende Rolle spielt.“

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Facebook hat sozialemotionalen Suchtcharakter, meint Christakis

Welcome to Nazibook
Schon im April 2009 wurden Facebook-Fanseiten mit rechtsextremen Inhalten gemeldet, Gruppen wie „Großdeutschland“ oder „Holocaust Party“ verbreiteten munter NS-Propaganda, was mit einer Drohung zur Anzeige wegen Volksverhetzung sowie dem Stopp einer Werbeeinschaltung der deutschen Telekom auf Facebook geahndet wurde. Die deutsche Bundeszentrale für politische Bildung nahm Facebook 2009 deswegen ebenfalls unter die Lupe. Facebook reagiere im Hinblick auf Inhalte, typisch amerikanisch, mit einer gewissen Doppelmoral, meint Ritchie Pettauer: „Nazi-Fangruppen gehen in Ordnung, aber eine abgebildete Brustwarze geht gar nicht, da wird alles sofort entfernt.“ Mittlerweile haben sich Protestgruppen auf Facebook etabliert, die solche Gruppen melden und so auch oft mit Erfolg zu deren Sperrung beitragen. Die Vielzahl der Unterstützer kommt dabei übrigens aus Amerika und größtenteils aus der Türkei sowie aus arabischen Ländern.

Facebook will Google werden
Mittlerweile versuche Facebook, Google als Suchmaschine abzulösen, meint Pettauer: „Auf Facebook hat man bisher Personen gesucht, aber man munkelt schon lange, dass sie sich als Internetsuchmaschine etablieren wollen.“ Interessensverlinkungen der Profilseite auf Facebook dienten genau diesem Zweck: Für Facebook sei es eine gute Möglichkeit, ein gewisses Ranking zu schaffen, da die Nutzer meistens ihre Interessen angeben. Nur an der sprachlichen Herausforderung dürfte Facebook noch scheitern: „Google führt parallele Images, während es auf Facebook noch nicht einmal einen Sprachfilter gibt, obwohl man die Sprache einstellen kann“, erklärt Pettauer. Deutsche (Initial-)Wörter wie zum Beispiel WIFI, das Wirtschaftsförderungsinstitut, werden etwa aus diesem Grund nicht erkannt, zuerst kommen Ergebnisse über Wireless-LAN, das auch mit WiFi abgekürzt wird.

Fünfhundert Freunde? Cool!

Wer auf Facebook wenige Freunde hat, ist nicht „cool“, soviel ist klar. Also versucht der Durchschnitts-Facebook-Nutzer sein Image aufzupolieren, indem er eine wahre Schar an „Als-Ob-Freunden“ zu seinem Profil hinzufügt, die meistens im echten Leben nicht einmal Bekannte sind. An sich kein Problem, würden die meisten nicht vergessen, ihre privaten Informationen und Bilder nur denen zugängig zu machen, die man auch im realen Leben kennt und im besten Fall sogar mag. „Soziologen weisen darauf hin, dass die Anzahl der Menschen, zu denen man aufgrund der Zeit- und Recourcenbeschränkung wirklich dauerhafte soziale Beziehungen aufrecht erhalten kann, maximal sieben beträgt“, erklärt Pettauer. Wohl mag es ein gutes Gefühl sein, über fünfhundert Freunde auf Facebook zu haben, in der Realität gilt aber ein anderes Ideal: Wenige Freunde, die mit Rat und Tat zur Seite stehen. Die virtuelle Realität kann immerhin bei tatsächlichen Problemen eher selten helfen.

Virtuelle Bedürfnis-Befriedigung
Worin liegt aber nun der Anreiz, sein Leben öffentlich darzustellen und die beeindruckende Freundesliste im halbstündigen Takt über seine Aktivitäten, die aktuelle Stimmungslage und den komplizierten Beziehungsstatus zu informieren? „Man könnte natürlich zuerst annehmen, dass Facebook die von Andy Warhol postulierten ‚15 minutes of fame' realisieren kann“, versucht Pettauer zu erklären, „da aber jeder auf Facebook diese Möglichkeit hat, versinkt er in der Masse.“

Der Erfolg von Facebook ist ein Phänomen, das auch längst das Interesse der Wissenschaft entflammt hat. Etwa beim Harvard-Soziologie-Professor Nicholas Christakis, der in seiner Studie das Facebook-Verhalten von 1.700 Studierende untersuchte. In einem Interview mit dem „UniSpiegel“ meinte Christakis, dass Facebook die Einstellung zur Privatsphäre verändert habe. Das Erfolgsrezept liege aber in dem Stillen eines tiefen Bedürfnisses: Mit anderen Menschen verbunden zu sein. Und das habe Suchtcharakter.

 

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