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Warnung! Du bist im Begriff einen absolut miserablen Freizeittipp zu lesen. Zum Wohle deiner eigenen Lebensqualität: Bitte nicht nachmachen!
Ich war David-Hasselhoff-Fan. So wie jeder, der in den 1980ern und 1990ern aufgewachsen ist. Buben wollten wie David Hasselhoff sein, Mädchen wollten ihn heiraten. Ich wollte ihn wirklich heiraten. Das habe ich mir mit zarten drei Jahren versprochen. Und fleißig für mein Lebensziel vorgearbeitet. Während andere Mädchen ihr Zimmer mit Pony-Plakaten zuklebten, tapezierte ich meins mit David Hasselhoff. David Hasselhoff mit Hundebabys. Hasselhoff in goldenem Anzug auf goldenem Motorrad. Hasselhoff in Lederjacke. Und so weiter. Während die anderen Mädchen ihr rosa Rad mit komischen, bunten Perlen verzierten, hieß meines Kitt und war dementsprechend mit Stickern auch dem Original-Kitt zum Verwechseln ähnlich. Ehrlich. Und irgendwann, dachte ich, würde ich David Hasselhoff kennenlernen, dann würde er sich in mich verlieben und wir würden für den Rest unseres Lebens zusammen sein.
Und dann vergehen zwanzig Jahre, bis plötzlich die Nachricht durch die Heimatstadt geht: David Hasselhoff kommt in ein Kaufhaus! David Hasselhoff! Kommt! In ein Kaufhaus! Moment … in ein Kaufhaus? Das Kindheitsidol, der meistgesehene Star der Fernsehgeschichte, Michael Knight, Mitch Buchannon, kommt in ein Kaufhaus? Was ist eigentlich in den letzten zwanzig Jahren passiert?
Die Frage bleibt unbeantwortet. Sie muss unbeantwortet bleiben, für
Philosophie ist kein Platz, wenn man sein Kindheitsidol kennenlernen
möchte. Cool in diesem Fall, wenn man Journalistin ist und auf die
Pressekonferenz von seinem Kindheitsidol gehen kann. Wo man auch
sogleich merkt, dass hier auch einige andere Journalisten sitzen, die
zwar an die dreißig Jahre alt sind, aber auf ihren Stühlen sitzen als
seien sie acht Jahre alt. Mit einem Hasselhoff-Buch fest umklammert.
Mit hochroten Wangen. Mit einem nervös wippenden Bein. Dann betritt
David Hasselhoff den Raum. Michael Knight! Michael Knight hat rote
Filzschuhe an! Michael Knight trägt ein rosa-grün-gestreiftes Hemd!
Michael Knight ist … alt!
Philosophie hat keinen Platz, wenn man sein Kindheitsidol kennenlernen
möchte. Das Herz bleibt für Sekunden stehen, wenn das Kindheitsidol in
die Richtung lächelt, in der man sitzt. Um sich bald darauf wieder zu
fragen, wo um Gottes Willen diese Schuhe verkauft werden. Um sich dann
aber wieder zu denken, dass die blauen Augen noch so aussehen wie
damals. Um sich dann wieder zu fragen, ob der Alkohol einen Menschen
schneller altern lässt. Um sich dann aber wieder vorzustellen, wie man
gemeinsam mit Michael Knight am Motorrad eng umschlungen fährt. Um sich
dann zu wundern, wie viel Geld David Hasselhoff eigentlich nötig hat,
um in einem Kaufhaus Bücher zu signieren und sich eine Tournee namens
„The Hoff is back“ anzutun.
Und dann ist sie doch unweigerlich da, die Philosophie, wenn man sein
Kindheitsidol trifft. Sie zerstört alles, was man sich bisher aufgebaut
hat. Die Seifenblasen zerplatzen. Das Herz bricht. Der Traummann ist
passé. Scheiß Realität.
Vergeudete Zeit: Sein Kindheitsidol kennenzulernen, führt die Zeit ad absurdum, die man für das Träumen und Schwärmen investiert hat.
Langeweilefaktor: Anti-Freizeit-Beschäftigungen müssen
nicht immer langweilig sein. Diese führt uns sogar knapp vor den
Herzstillstand, wenn wir dem Kindheitsidol gegenüber stehen. 0 von 5
Punkten.
Peinlichkeitsfaktor: Gekreische, Ohnmachtsanfälle, wackelige Knie, alles verdammt peinlich. 5 von 5 Punkten.
Wahrscheinlichkeit, dass der Satz „Nie mehr wieder“ fällt: Ich möchte nie mehr wieder David Hasselhoff treffen? So ein Blödsinn! Ich werde den Mann heiraten!





















































