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Südafrika geht den Bach runter, wenn es mit dem Strom schwimmt, meint Pascal Honisch
Zugegeben, es regnet eher selten in Südafrika, die Niederschlagsmenge
beläuft sich durchschnittlich auf 464 Millimeter im Jahr,
nichtsdestotrotz ist die Phrase „Vom Regen in die Traufe“ dieser Tage
mehr denn je angebracht. Dabei trennen uns doch gerade einmal sieben
Tage vom Beginn der FIFA-Fußball-Weltmeisterschaft 2010, dem
langersehnten Großevent, das – so der allgemeine Tenor – bereits im
Vorfeld verspricht, das durch die Apartheid und soziale Spannungen
einst so geschundene Land zumindest in sportlicher Hinsicht endlich zu
einen.
Not und Spiele
Doch bereits in dieser Ansicht liegt die Krux begraben. Denn Südafrika
präsentiert sich auch im 21. Jahrhundert weiterhin als Nest sozialer
Ungleichheiten und differenter Einstellungen in Bezug auf Geschichte
und Gegenwart. Extreme Politiker kontrahierender Lager, allen voran der
„Afrikaner Weerstandsbeweging“ (AWB) und der „African National
Congress“ (ANC) rufen immer wieder zum Kampf gegen den jeweils anderen
auf, ein Umstand, der mit dem Mord an Eugène Terre Blanche, dem
Anführer der rechtsextremen AWB, Anfang April dieses Jahres seinen
bisherigen Höhepunkt erreicht hat.
Fakten, die den südafrikanischen Veranstaltern und der FIFA herzlichst
egal zu sein scheinen, solange nur ihre Einnahmen stimmen. Zu diesem
Zweck lässt man Bettler, Prostituierte und Obdachlose aus den
Spielstätten verjagen oder interniert sie für die Dauer des Events, um
die erwarteten Touristen nicht zu vergrämen. Händler und Tandler müssen
für lizensierte Kooperationspartner wie Coca Cola und Konsorten den
Platz räumen, während wieder andere wegen Stadionbauten oder
infrastrukturellen Veränderungen kurzfristig in Wellblechhütten, die
hierorts am ehesten dem Wohnkomfort einer Garage entsprechen,
umgesiedelt werden. Die augenscheinliche Gemeinsamkeit all dieser
Leidtragenden liegt dabei bedenklicherweise in ihrer Hautfarbe.
Sportliche Apartheid
Die Annahme, die Fußball-Weltmeisterschaft würde auf lange Sicht einen
enormen wirtschaftlichen Aufschwung für das Land mit sich bringen,
erscheint indes leider unrealistisch. Ironischerweise ist sie der
Grund, warum viele Südafrikaner den Glauben an die Sinnhaftigkeit
dieses Events noch nicht ganz aufgegeben haben. Sie werden spätestens
dann zu zweifeln beginnen, wenn all die riesigen Stadien, deren
Entstehung dem Land bereits jetzt mehrere Milliarden Rand abverlangt
haben, plötzlich leer stehen und allein durch ihre Erhaltung jährlich
weitere Millionenkosten verursachen werden. Ebenso wahr wie traurig ist
auch der Umstand, dass die meisten Fußballfans Südafrikas gar nicht die
Möglichkeit haben werden, die Partien ihrer und anderer
Nationalmannschaften in den Spielstätten mitzuverfolgen, da sich
allerhöchstens Mitglieder der oberen Schichten des Landes,
bezeichnenderweise überwiegend Rugby-Anhänger, Tickets leisten können.
Wenn man sich dann vor Augen führt, dass das Finale in Johannesburg
direkt neben Soweto stattfindet, einem Cluster der schwarzafrikanischen
Arbeiterklasse Südafrikas, und Heimstätte drei der bekanntesten
Fußball-Vereine des Landes, wäre es nicht zu weit hergeholt, von einer
gezielten Provokation zu sprechen.
Prügelknabe des Kapitalismus
Was tut man nicht alles für eine Weltmeisterschaft? Im Falle Südafrikas
in jedem Fall zu viel vom Falschen. Die hohen Ausgaben und der vermehrt
schlechte Umgang mit der eigenen Bevölkerung stehen längst in keinem
gesunden Verhältnis mehr zum eigentlichen Vorhaben.
Das Land liefert viel eher den jüngsten Beweis für die bis heute
anhaltende ökonomische Ausbeutung des afrikanischen Kontinents durch
die westliche Welt, die sich dieser Tage vor allem durch die
kapitalistisch orientierten Organisationsformen der FIFA ausdrückt. Und
wie schon Jahrhunderte zuvor sind es auch diesmal die europäischen
ehemaligen Kolonial- und nunmehrigen Fußball-Mächte Frankreich,
Deutschland, Italien, Spanien, England, Portugal und Holland, die auf
ihre frühere Spielwiese zurückkehren und als Mitfavoriten auf den
Gewinn der Fußballweltmeisterschaft in Südafrika gehandelt werden.
Dabei bleibt zu hoffen, dass nicht gerade letztere den Titel holen,
waren es doch niederländisch-stämmige Buren, die das Land einst in die
Apartheid trieben. Der Grundstein für soziale Ausschreitungen im Zuge
der Weltmeisterschaft wäre in jedem Fall gelegt.





















































