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Mit „Mach dieses Buch fertig“ darf man nicht zimperlich umgehen

„Mach dieses Buch fertig“ von Keri Smith

 

Was lernen wir nicht alles schon in Kindheitstagen über den Umgang mit Büchern … Von der Mama wurden wir belehrt, dass wir das Bilderbuch nicht ankauen sollen, in der Schule wurden wir ermahnt, unsere kreativen Ergüsse nicht ins Geschichte-Lehrbuch zu kritzeln, und später waren wir schon so indoktriniert, dass wir selbst beim miserabelsten Buch es nicht gewagt hätten, es ordentlich gegen die Wand zu schmeißen. Die Grafikerin Keri Smith rettet uns nun endlich! Ihr Buch dürfen wir „fertig machen“. Der deutsche Buchtitel „Mach dieses Buch fertig“ (im englischen Original: „Wreck this journal“) ist zweideutig zu verstehen: Wir dürfen, nein, wir sollen ihr Buch als Aggressionskatalysator verwenden und es mit unserer Kreativität nach Herzenslust befüllen.

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Ein Hoch auf die Aggression!
Das kleine schwarze Büchlein von Keri Smith beinhaltet vorwiegend leere, weiße Seiten, die lediglich eine Anweisung beinhalten. So sollen wir die eine Seite „in Brand setzen“, auf der anderen „Obstaufkleber sammeln“, Linien zeichnen oder etwas Unvorhersehbares damit anstellen. Außerdem sollen wir das Buch an der Leine führen, unsere Lieblingsseite verschenken, den Buchrücken knicken und mit dem Buch duschen gehen. Auch kreative Aufforderungen stecken in „Mach dieses Buch fertig“: Eine Seite soll als Metapher verstanden werden, eine andere fordert uns auf, sie bunt anzumalen, wieder eine andere verlangt von uns einen stinklangweiligen Text kreativ aufzuwerten. Spätestens wenn man die zweite Aufforderung erfüllt hat, wird das Buch zum besten Freund. Man beobachtet, wie sich die vorerst leeren, eindruckslosen Seiten mit der eigenen Persönlichkeit füllen, und kann seinen ganzen Ärger und Frust in positive, kreative Energie umwandeln.

 

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Liebe ist …
Bei „Verwendung“ des Buches wird man trotzdem unweigerlich vier Phasen erleben: In der ersten Phase blättert man sich ein dutzend Mal durch die Seiten und wagt es nicht, auch nur dran zu denken, diese teils unverschämten Anweisungen durchzuführen! (Ich soll mein Abendessen auf die Seite kleckern? Was würde Mama dazu sagen?) In der zweiten Phase haben wir uns abgöttisch in das Buch verliebt. Wir dachten immer, wir seien unkreativ und Ärger müsse man runterschlucken. Weit gefehlt! Das Buch wird zum eigenen Kunstwerk und die Wut dürfen wir endlich mal ausleben. In der dritten Phase wird aus der Verliebtheit schnöder Alltag. Einige Anweisungen ähneln sich zu sehr, die coolsten hat man gleich zu Beginn gemacht, jetzt scheint sich alles nur noch zu wiederholen. In der vierten Phase, wenn das Buch bereits einige Tage herumgelegen ist und Staub fängt, nehmen wir es doch noch mal zur Hand und entscheiden: Ich habe damit angefangen, also mache ich es auch richtig fertig!

Und eines sei gesagt: „Mach dieses Buch fertig“ ist einfach die beste Sommerlektüre, die man sich wünschen kann! Immerhin ist sie der perfekte Begleiter ins Schwimmbad oder zum Festival, wenn sie doch nass und schmutzig werden soll.

 

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