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Modenotizen zum Auftakt der Festivalsaison
Ich lasse mich diese Woche der jugendlichen Leserschaft zuliebe auf ein Gedankenspiel ein: Mal angenommen, ich würde den Musikliebhabern angehören, die gerne Festivals besuchen – wie würde ich versuchen, mich vom Einheitslook der Boho-Meute stilistisch zu entfernen? Ganz einfach: Sich als belebenden Gegenpol inszenieren.
Exile from mainstream
Das Grundmotiv der einfachen Festivalblume lautet boyfriend (Männerhut, Riesenhemd und Gürtel – think Topshop anno 2008), trash (bunte Brillen und sonstiger bad taste-Müll in neon) oder, ganz gerissen, der Moss-Schmäh
(Wellington-Gummistiefel und Hotpants plus Hippie). H&M hat vor
einigen Wochen eine Festivalkollektion lanciert, die die geneigte
Kundin noch einfacher nach Vintage, Ethno und Glastonbury ausschauen
lassen soll: Praktisch für all jene, die glauben, sie sähen so gut aus.
Zugegeben, das gemusterte Zelt um knappe zehn Euro ist eine Überlegung
wert, auch dient die „Fashion against Aids“-Kollektion dem guten Zweck,
doch schlägt mein Herz beim Anblick von „washed denim“, Lederfransen
und Kaftanen wirklich nicht schneller. Als Aushängeschilder, wie könnte
es auch anders sein, wurden zwei Damen der Spezies „Tochter von“
mit der nötigen Rock'n'Roll-Credibility engagiert: Die eine dem
Jagger-Clan zugehörig, die andere gesegnet mit dem Birkin-Gen, gähn.
Aber zurück zum Gegengift für den gelungenen Festival-Look. Anstatt boyfriend machen wir auf girlfriend: Mit ein wenig Chichi, Detailliebe und karibischem Touch (ich mein's ernst). Verleihen wir der schlammigen Tristesse ein wenig bunt und
machen wir zwei Schritte zurück, wenn's matschig wird. Die Gummistiefel
müssen zwar bleiben (es gibt keine sinnvolle Alternative), aber wählen
wir welche, die einen schlanken Fuß machen und möglichst musterfrei
sind. Für sonnige Tage: die billige Plastiksandale zum nachherigen
Entsorgen. Hosenröcke, Bermudas und enganliegende Oberteile aus Jersey.
Blüten im Haar (Südsee! Nicht auf Hippie!), Frisur und Armreif! Und wem
das zu aufwändig ist: Mit Trikots und Zweiteilern im Safarilook kommt
man immer chic davon.
Learning from Rio
Und überhaupt, ich sehe es ganz klar kommen: Auf die derzeitige Misere in Sachen New Look
kann nur eine starke Strömung folgen. Ähnlich wie vor einigen Jahren
Prada, Hermès und Louis Vuitton die Retrofadesse mit Satinturbans,
Sarouelhosen (der schönere Begriff für die Haremshose) und
afrikanischer Ornamentik belebten, kann ich mir südamerikanische
Elemente als the next big thing gut vorstellen: Lernen wir von den Brasilianerinnen,
lautet derzeit mein Motto! Entgegnen wir den Unlooks mit viel Haut,
fließender Eleganz und kräftigen Farben. Ja, das kann ich mir gut
vorstellen.





















































