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Nagler bietet „akute psychosoziale Hilfe für Opfer und Angehörige“

Waltraud Nagler erzählt im Interview von ihrer Arbeit beim Kriseninterventionsteam

 

Das Kriseninterventionsteam (KIT) des Roten Kreuzes ist dann zur Stelle, wenn es gilt, Angehörigen, Betroffenen oder Sanitätern nach belastenden Ereignissen sofort und schnell psychosoziale Hilfe zu leisten. In Österreich war Tirol der Vorreiter bei der Einrichtung eines solchen Hilfsteams. Auch die Tirolerin Waltraud Nagler ist seit 1997 freiwillige Mitarbeiterin beim Roten Kreuz, 2008 gründete sie hier ein Kriseninterventionsteam in Hall/Wattens. Im Interview erzählt sie, warum das Lawinenunglück in Galtür Anlassfall für die KIT-Gründung war und warum die Arbeit beim KIT für sie „eine erfüllende, aber nicht immer leichte Aufgabe“ ist.

mokant.at: Einsatzkräfte des Roten Kreuzes können nur selten Beistand für Angehörige leisten. Seit wann füllen Kriseninterventionsteams diese Lücke?
Waltraud Nagler: Seit 1999. Damals ließen 31 Menschen ihr Leben in Galtür (Lawinenunglück im Tiroler Dorf Galtür, Anmerkung der Redaktion). Einzelne Psychologen leisteten Hilfe und standen Angehörigen bei. Um aber richtig arbeiten zu können, fehlte ihnen die Strukturierung einer Organisation wie dem Roten Kreuz. Die Einsatzkräfte vor Ort wiederum waren mit der Bergung und Versorgung von Opfern beschäftigt. So war es ihnen nicht möglich, die geschockten, hilflosen Angehörigen in der Situation zu unterstützen. Das ist ein Dilemma, das wir Sanitäter des Öfteren erleben …

mokant.at: … etwa bei Reanimationen, oder beim Extremfall Kindstod.
Waltraud Nagler: Ja. Wir Einsatzkräfte kümmern uns um den Patienten und müssen ihn auf schnellstem Weg ins Krankenhaus bringen. Meist ist es uns Sanitätern nicht wirklich möglich, das Gespräch mit den Angehörigen zu suchen. Nach der Katastrophe von Galtür wurde das Kriseninterventionsteam vom Roten Kreuz gegründet und mit Unterstützung der Arbeitsgruppe „Notfallpsychologie“ der Universität Innsbruck aufgebaut. Seitdem besteht für uns die Möglichkeit, mit multiprofessionellen Teams, bestehend aus Fachleuten der Bereiche Psychologie, Sozialarbeit, den Pflegeberufen, dem Rettungsdienst, der Polizei und Feuerwehr, akute psychosoziale Hilfe für Opfer und Angehörige nach traumatischen Ereignissen zu bieten.

mokant.at: Sie helfen auch Einsatzkräften bei der Stressverarbeitung nach belastenden Einsätzen.
Waltraud Nagler: Ja, wir sind hier speziell geschult und können Einsatzkräften, die unter besonderer Belastung nach Einsätzen stehen, Hilfe bieten.

mokant.at: Wer kann eigentlich KIT-Mitarbeiter werden? Welche Ausbildung haben Sie durchlaufen?
Waltraud Nagler: Personen mit einem Mindestalter von 25 Jahren aus dem sozialen Bereich und von Einsatzorganisationen können sich bewerben. Absolviert man das Auswahlgespräch positiv, kann man mit der Ausbildung starten.

Ich bin seit 2002 beim KIT. Durch diese Ausbildung habe ich beispielsweise besser gelernt, auf verschiedenste Reaktionen von Betroffenen in Krisensituationen umzugehen. Als Sanitäterin ist es einem oft nicht möglich, auf ihre Probleme und Sorgen einzugehen und sie in der akuten Phase zu unterstützen. Beim KIT ist das möglich und es ist eine erfüllende, aber nicht immer leichte Aufgabe.

mokant.at: Ist man nach Abschluss der Ausbildung zur Fortbildung verpflichtet?
Waltraud Nagler: Jeder von uns hat acht Schulungsstunden zu absolvieren. Sowohl internes als auch externes Fachpersonal hält Vorträge. Im Herbst 2010 wird es in Zusammenarbeit mit der Universität Innsbruck die elfte internationale Tagung zur Krisenintervention und Notfallpsychologie geben. Diese Tagungsreihe ist die größte Fortbildungsveranstaltung im deutschsprachigen Raum und ermöglicht Wissenstransfer und Vernetzung zwischen Kriseninterventionsteams, Notfallpsychologen und Notfallseelsorgern. Die Tagung ist für alle Interessierten frei zugänglich.

mokant.at: Wie verarbeiten die KIT-Mitarbeiter nach Einsätzen ihre Eindrücke?
Waltraud Nagler: Das ist ganz verschieden. Tatsache ist, einwandfreie Psychohygiene ist unerlässlich. Man muss auch besonders sein privates Umfeld über seine Tätigkeit aufklären und informieren. Einmal im Monat treffen wir uns zur Fallbesprechung und analysieren unsere Einsätze. Jedoch werden alle Einsätze diskret und vertraulich behandelt, wir unterstehen der Schweigepflicht.

 

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