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Ursache des Ortstafelstreits ist das „System Österreich“, meint Hans-Georg Eilenberger
Tatort Sankt Kanzian am Klopeinersee: Seit Jahren weigert sich Thomas
Krainz, der Bürgermeister des kleinen Südkärntner Ortes,
Behördenbescheide auf Slowenisch zuzustellen. Kärntner Slowenen, die
ihre Minderheitenrechte verletzt sahen, zeigten Krainz an. Letzten
Donnerstag stand er wegen des Verdachts auf Amtsmissbrauch vor Gericht.
Das Urteil: Freispruch. Nachsatz: Die Frage der Zweisprachigkeit sei
nicht im Verhandlungssaal zu lösen. Was bleibt dann noch übrig? Der
Kindergarten? Die Disko? Das Bahnhofsklo? So traurig es ist, überall
dort wäre die Materie vermutlich besser aufgehoben als in den Händen
der heimischen Parlamentarier.
Der Freispruch für Krainz ist Teil einer peinlichen Serie, die die
Machtlosigkeit der Justiz in der Kärntner Minderheitenfrage
illustriert. Auch gegen den jetzigen Kärntner Landeshauptmann Gerhard
Dörfler wurde drei Jahre lang ermittelt. Um die einschlägigen
Erkenntnisse des Verfassungsgerichtshofes in der Ortstafelfrage zu
umgehen, hatten er und sein Vorgänger als Landeshauptmann, Jörg Haider,
die betreffenden Tafeln einfach versetzt. Auch Dörfler wurde
Amtsmissbrauch vorgeworfen, die Ermittlungen gegen ihn wurden aus
fadenscheinigen Gründen eingestellt. Während den Richtern die Hände
gebunden sind, legen heimische Politiker die ihren in den Schoß.
Generelle Absichtserklärungen und diffuse Lösungsvorschläge gibt es
zuhauf. Nichts anderes ist die Ankündigung Werner Faymanns, bis 2012 zu
einer Lösung der Ortstafelfrage zu kommen und sich dabei „unter
Zeitdruck“ zu setzen. Was für eine Arbeitsauffassung hat dieser Mensch
eigentlich, jetzt von Zeitdruck zu faseln? Schon vor Jahren hat die
offenkundige Verfassungswidrigkeit der Kärntner Zustände das Maß der
Zumutbarkeit überschritten. Natürlich ist das nicht alleine Faymanns
Schuld. Unter Kanzler Schüssel etwa schien gegen Jörg Haiders
hartnäckige Ortstafel-Kampagnen kein Kraut gewachsen. Schüssel selbst
bezeichnete die Abwahl Haiders als Landeshauptmann „juristisch
unmöglich“. Lieber überließ er dem populistischen Lokalchauvinisten das
Feld, als sich der Verantwortung zu stellen.
Haider, der „große Blockierer“, ist inzwischen Geschichte, doch der
Streit um die Kärntner Zweisprachigkeit lebt fort. Wie lässt sich das
erklären? Wahrscheinlich wird sich die Lösung des Problems nicht an
einzelne Personen knüpfen, so wie sich das Problem nicht an einzelnen
Personen festmachen lässt. Tatsächlich hat der ganze Streit einen
zutiefst österreichischen Charakter. So verhindern vor allem
kleinbürgerlicher Populismus und Ignoranz umfassende Reformen. Ob
Asylwesen, Gleichbehandlungsfragen oder Verwaltungsreform – das
politische System ist mittlerweile davon durchdrungen.
Vielleicht müssen die Kärntner Slowenen einfach warten. Vielleicht
müssen wir dem „System Österreich“ seine widerlichen Angewohnheiten
einfach zugestehen. Dann aber sollten Besucher des
Kuriositätenkabinetts Österreich der Fairness halber die ganze Wahrheit
erfahren: Die Minderheitenrechte in Artikel sieben des Staatsvertrages?
Finden Sie zur freien Entnahme auf der Herrentoilette. Die Brösel am
Boden? Keine Sorgen, das ist nur der österreichische Rechtsstaat.
Stellen Sie keine Fragen, versetzen Sie doch eine zweisprachige
Ortstafel oder montieren Sie eine verfassungswidrige Zusatztafel! An
dieser Stelle möchte ich „Servus“ sagen, denn nach einer kurzen
Kontrolle durch die Fremdenpolizei werden die meisten uns wieder
verlassen. Ich wünsche einen angenehmen Aufenthalt auf der Saualm. Der
Rest sammelt sich in einer halben Stunde, bitteschön, vor dem nächsten
Ausstellungssaal gleich gegenüber der zweitgrößten Einkommensschere
Europas.





















































