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hunTU verspricht Spiel, Spaß und Wahnsinn. mokant.at war dabei

Paranoia ist eine bekannte Nebenwirkung bei hunTU-Teilnahme. Spaß macht's trotzdem

 

Baden in einem Hochstrahlbrunnen, eine Kuh melken und ein Ei ohne Hitze braten? Diese und viele weitere, außerordentlich skurrile Aufgaben waren Teil der diesjährigen Schnitzeljagd „hunTU“. Das Konzept der sogenannten „scavenger hunt“ ist einfach –Teams von vier bis acht Leuten bekommen zu Beginn eine Liste mit Objekten, die sie sammeln und der Jury vorzeigen müssen und so Punkte für ihr Team sammeln können. Organisiert wird die amüsante Veranstaltung von Studierenden der Technischen Universität Wien, die sich die Idee gewissermaßen von der „ScavHunt“ abgeschaut haben, einer legendären Schnitzeljagd der Chicago University, die bereits seit zwanzig Jahren abgehalten wird. Der Ansturm auf die Wiener Veranstaltung ist in den letzten Jahren explosionsartig gestiegen, schließlich darf jeder teilnehmen, nur ein Teammitglied sollte von der TU stammen.

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„2008 hatten wir noch sechs Teams, 2009 und 2010 stieg die Zahl auf 26 Teams an. Mit dieser Veränderung ging auch einher, dass wir eine neue Location brauchten und damit vom Metalab ins Freihaus der TU Wien wechselten“, erklärt einer der Organisatoren, Thomas Schranz. „Früher mussten wir auch die Kosten selber tragen, bei der letzten hunTU hat uns die Hochschülerschaft der TU in Form eines Sonderprojekts finanziell sehr unterstützt.“ Ist die hunTU nichts mehr als eine Schnitzeljagd für Kindgebliebene? Was lockt so viele Teilnehmer an? Die mokant.at-Redakteurin Alexandra Gritsevskaja hat sich in das hunTU-Abenteuer gestürzt und berichtet von kaputten iPhones und Paranoia.

hunTU-Mission. Tag 1.
Treffpunkt ist der Haupteingang der TU Wien, an dem die Teilnehmer von den hunTU-Organisatoren begrüßt werden und jeder ein Band bekommt. Dort treffe ich auch das erste Mal auf meine Gruppe, von der ich bisher noch niemanden kenne. Anschließend werden die Regeln erklärt und die Listen der zu erbringenden Items ausgeteilt. Außerdem werden noch einige andere Aktivitäten verzeichnet, für die man Punkte für sein Team sammeln kann. So bekommen wir zum Beispiel zehn leere, unbeschriftete Teile des Wiener Stadtplans, die bestimmte Orte (Bahnhöfe, Märkte, Parkanlagen) zeigen und die es zu beschriften gilt. Das nehmen wir uns als Erstes vor – gleich nachdem wir uns alle in eine Telefonzelle gezwängt und ein Foto davon geschossen hatten (Item N° 49). Nebenbei klären wir auch gleich, wer welche Gegenstände bereits zuhause hat oder sich darum kümmern wird. Letzten Endes schaffen wir es, alle zehn Karten zu beschriften (N° 59) und machen uns auf den Weg nach Hause, um im Keller nach dem restlichen Krempel zu suchen.

 

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hunTU-Mission. Tag 2.
Es wird interessanter, als die ersten Teams eintrudeln, um ihre Gegenstände der Jury vorzuzeigen und dafür Punkte zu kassieren. Von Puddingschriften (N° 25) bis über Glasaugen (N° 4), sieben Zwergen (N° 80) und einer Menge Crossdressing (verlangt wurde zum Beispiel ein Teammitglied in japanischer Mädchenuniform), war praktisch alles dabei. Ich verbringe den Tag damit, Fotos von verschiedenen Baustellenunternehmen zu schießen (N° 89), ein Teammitglied bringt ein Kochbuch sowie das auf Seite 42 stehende, zubereitete Gericht mit (N° 132) und ein anderer absolviert währenddessen das „Stalking“ (N° 158). Dabei bewegen sich zwei der Organisatoren zu Fuß vom Hauptquartier in den Innenbezirk und es gilt, ihre Tätigkeiten und „außergewöhnliche Ereignisse“ wie auch die dazugehörige Uhrzeit aufzuschreiben, ohne dabei vom Organisator erkannt zu werden. Danach geht es über zur „Weinverkostung“ (N° 152) und dem Erkennen von Ausschnitten aus Liedern (N° 45) und Serien (N° 111).

 

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hunTU-Mission. Tag 3.
Hundemüde. Mit tellergroßen Augenringen geht es weiter zum Naschmarkt, auf dem Weg dorthin besuche ich mit einem anderen Teammitglied jemanden, der uns ein kaputtes iPhone gibt. Eigentlich wird ein iPhone mit zerbrochenem Displayglas (N° 140) verlangt, aber was nicht ist, kann noch werden. Vor allem in Verbindung mit einem weiteren gesuchten Gegenstand – dem Vorschlaghammer (N° 83). Daraus würde sich auch bestimmt ein guter Werbespot (N°180) machen lassen. Nachdem wir den Naschmarkt mit einigen Items, die auf der Liste vermerkt sind, verlassen, spaltet sich die Gruppen erneut auf. Mittlerweile haben wir auch schon einen Mann in Highheels 15 für uns laufen lassen (N° 10).

Am Abend findet dann die langersehnte „Journey to the end of the night“ statt, bei der die Teilnehmer, mit einer wachsenden Anzahl von Jägern im Nacken und bis auf die Knochen durchnässt, versuchen, möglichst unauffällig und schnell die auf einer sich auflösenden Karte eingezeichneten Checkpoints zu Fuß oder mit den öffentlichen Verkehrsmitteln (alle anderen Fortbewegungsmittel sind bei diesem Spiel nicht erlaubt) zu erreichen und dabei nicht geschnappt zu werden. Wer gefangen wird, wird automatisch selbst zum Fänger und damit zum Gegenspieler der vor kurzem noch verbündeten Gruppe – eine Art Massen-Fangspiel für Erwachsene also. Das äußerst schlechte Wetter löst gemischte Gefühle aus, doch Angst, Adrenalin und eine beachtliche Menge an Paranoia empfinden alle Teilnehmer. Das mittlerweile weit verbreitete Realitätsspiel wurde in San Francisco, USA, von der sogenannten „Playtime Anti-Boredom Society“ 2006 gegründet und findet von London bis Los Angeles überall begeisterte Anhänger.

Nachdem wir den zweiten Checkpoint passieren, wo die hunTU-Organisatoren bereits auf uns warten, entschließen sich viele, doch nicht mehr weiterzulaufen (es gibt noch „massigst“ Checkpoints, doch langsam wird es sehr kalt) und lieber nach Hause zu gehen und Kräfte für die Endrunde zu sammeln.

 

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hunTU-Mission. Tag 4.
Letzte Vorbereitungen trotz Müdigkeit und Verkühlung, Stress und leicht gereizter Stimmung. Dies und das schnell fertig machen. Wir basteln an einer Kugelbahn (N° 76) und fädeln insgesamt fünf Fäden in ein Nadelöhr ein (N° 118) und bevor man es glauben kann, sind sie schon wieder vorbei, die Pi-Tage (3,14) des Schnitzeljagens. Schlussendlich gibt es eine Gewinnerehrung, doch im Grunde ist das nicht mehr so wichtig, denn was zählt, ist das „Dabeisein“. Dass das sowohl Stress als auch eine Menge Spaß bedeutet, gibt auch Michaela vom Team „Las Madas“ zu. Den Bürgermeister (N° 82) und die Drillinge (N° 51) zu finden, wäre eine echte Herausforderung gewesen, meint sie. Und auch Gegner Martin aus dem Team „Tischtuchhalter“ konnte nicht alle Objekte erbringen – wer weiß denn, wo man auf die Schnelle das Buch „Der Struwwelhitler“ auftreiben kann?

Doch für das nächste Mal will man es sich auch nicht leichter machen. Martin würde zum Beispiel gerne „einen Barcode nachzeichnen“ auf die Liste setzen, während Andrea für die Aufgabe „Zehn Paar unterschiedliche Streifensocken“ ist. „Als Organisator sind es besonders die umständlich aufzutreibenden oder schwer zu transportierenden Objekte, die einem immer wieder ein Schmunzeln auf das Gesicht zaubern lassen“, verrät Paul Leitner.

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