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mokant.at > foto: stefan hohenwarter
Wer Spammails liest, darf auch mal träumen. Unnötig?

Warnung! Du bist im Begriff einen absolut miserablen Freizeittipp zu lesen. Zum Wohle deiner eigenen Lebensqualität: Bitte nicht nachmachen!


Lieber Josef!

Vor rund einem Jahr hast du mir geschrieben. Als ich deine E-Mail öffnete, da war es um mich geschehen. Ich hab dir das so nie gesagt, ich weiß. Aber deine Worte trafen mitten ins Herz. „Hallo die Julia... Ich hätte gern gern gern mit dir dauerhafte wahre Affäre unternehmen können,deswegen bitte ich dich auf die folgende E-Mailadressen mir zu antworten.. Bis bald.. Josef..“
mokant.at > foto: stefan hohenwarter

Ja, Josef! Ich hätte auch so gern gern gern mit dir keine unechte, sondern eine wirklich wahre Affäre unternommen! Ich wollte dir das schreiben, ganz ehrlich, aber dann hast du mich verletzt. Ja, Josef, ich weiß davon, dass du einem Arbeitskollegen auch eine Liebesmail geschrieben hast. Mit deinem unwiderstehlichen Charme hast du ihn umworben: „ich will eine Freundin für dauerhafte Affäre kennenlernen und ich habe deine E-Mailadresse aus der Website entnommen,weil ich das Ziel ereichen hätte.. Bis bald.. Josef..“ Bittere Tränen hab ich geweint. Ich dachte, womöglich war das doch nur eine dieser unzähligen Spam-Mails. Die, die nur Lügengeschichten erzählen. Die ich immer wieder lese, immer wieder ich mich freue, dass ich endlich potent, reich und glücklich werde und sich dann doch nur als Seifenblasen herausstellen. Aber jetzt bin ich mir sicher, mein Herz, mit „ich will eine Freundin für dauerhafte Affäre“ hast du sicher mich gemeint!

 

mokant.at > foto: stefan hohenwarter
Ich weiß, dass du etwas schüchtern bist. Du denkst, du könntest mich nicht befriedigen. Blödsinn, mein Lieber. Ich habe unlängst eine Mail mit dem Betreff „Ihre Lady im Schlafgemach schöner poppen“ erhalten. Ich musste sofort an dich denken. Nicht, dass du den Betreff falsch verstehst! Du sollst nicht mich schöner poppen, du sollst schöner poppen! „best-ellen sie Ihre P-rodukte fuer Probleme vom Mann immer noch bei der undiskreten Apothe-ke in ihrer Umgebung? Pro.bieren Sie jetzt den Online Testsieger“ Ja, ich weiß, was du dir denkst. Was für ein Idiot du doch immer warst! Du hast immer in der undiskreten Apothe-ke deine P-rodukte bestellt und nicht beim Online Testsieger durchgeführt von irgendwem zu irgendwas!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

mokant.at > foto: stefan hohenwarter
Ja, wir beide könnten glücklich werden, wenn wir öfter mal unsere Mails lesen würden. Das habe ich jetzt erkannt, Josef. Ich helfe gerade dem Franzz Gander aus Nigeria bei einer Transaktion von 27,2 Millionen US-Dollar und mir stehen da vierzig Prozent zu. Keine Angst, das ist alles legal, sagt Franzz. Du musst wissen, da geht's um das Vermögen von Dr. Smith, der ist „aus Versehen“ gestorben. Ganz tragische Geschichte. Falls die Transaktion nicht hinhauen sollte, habe ich aber noch einen finanziellen Polster, mein Schatz. Ich habe erst unlängst eine „OFFIZIELLE GEWINNBENACHRITIGUNG VON SITZ DES VIZE PRASIDENTEN INTERNATIONALE PROMOTIOM-GEWINNZUTEILUNG“ erhalten. Stell dir vor, ich habe „SECHS HUNDERT UND ACHTUNDSIEBZIG TAUSEND DREI HUNDERT UND FUENFUNDVIERZIG EURO UND NEUNUNDSIEBZIG ZENT“ gewonnen!
Falls du dich fragst, wie's mir geht: Naja, nicht so gut. Habe das letzte Monat damit verbracht, alle Mails zu lesen, die mir mein Mailprogramm unerklärlicherweise dem „Spam-Verdacht“ zuordnet. Ab jetzt wird aber sicher alles gut! Aber bitte schreib nicht mehr den unzählig anderen, sondern nur noch mir!

Mit meinem ganzen Herzen dein,
Julia


Vergeudete Zeit: Die Autorin hat das letzte Monat verschwendet, um Spam-Mails zu lesen. Könnte durchaus sein, dass das Langzeitfolgen nach sich zieht.

Langeweilefaktor: Die Autorin hat gelesen, dass es da so ein Medikament gibt, das glücklich macht. Zu bestellen bei einem Testsieger. Bei Interesse, bitte melden. Mit dem Medikament: 0 von 5 Punkten, ohne: 5 von 5 Punkten.

Peinlichkeitsfaktor: Peinlich nur dann, wenn man sich von den Mails ertappt fühlt. 3 von 5 Punkten.

Wahrscheinlichkeit, dass der Satz „Nie mehr wieder“ fällt: Verdammt, es gibt schon einen Grund, warum das Mailprogramm einen Spamfilter hat!

 

Anti-Freizeit-Tipps nachlesen ...


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