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„Biographie des Hungers“ von Amélie Nothomb
Verführung der Mutter
Die kleine Amélie will vor allem die uneingeschränkte Liebe ihrer
Mitmenschen allen voran die ihrer Mutter, Schwester und Kindermädchen
um die Phantasie göttlich zu sein nähren zu können. Umso schmerzlicher
erscheint ihr die Offenbarung der Mutter Liebe müsse man sich durch
Arbeit und Verführung verdienen. „Also reicht es nicht, Liebe zu
fordern. Also war ich nicht meinem Wesen nach göttlich. Also standen
mir die pharaonischen Portionen, die ich verlangte, gar nicht zu.“
Ihren unstillbaren Hunger nach Liebe kann das Mädchen nicht kontrollieren, den nach Nahrung dafür umso besser. Was erscheint in diesem Fall naheliegender als mit dem Essen aufzuhören und das Begehren nach Gefühlen mit körperlicher Enthaltsamkeit zum Schweigen zu bringen? „Ich hatte meinen Körper getötet und empfand das als atemberaubenden Sieg.“ Wörter werden dem Mädchen Ersatz für Nahrung, weshalb es sich dem Lesen des Wörterbuches widmet. Ihr abgemagerter Körper bedeutet ihr nichts mehr, ihren Geist will sie mit der Aufnahme von Wörtern vor der Auflösung erretten.
Die belgische Diplomatentochter, deren Kindheit einer Weltreise gleicht, kehrte 1992 mit siebzehn Jahren nach Belgien zurück um sich dem Studium der Romanistik zu widmen. Das Unverständnis diesem Land gegenüber ist einer der Gründe, weshalb sie sich dem Schreiben widmet und damit einen Weg aus den Fängen der Anorexie findet. Mittlerweile ist die 42jährige eine erfolgreiche Autorin, die auf über zwanzig publizierte und wesentlich mehr unveröffentlichte Werke zurückblicken kann. Für ihr literarisches Schaffen wurde sie unter anderem mit dem Grand Prix du Roman der Académie française ausgezeichnet.
Rückkehr an den Anfang
Nach Beendigung ihres Studiums zog es Amélie Nothomb allerdings erneut
in das von ihr auserwählte Land Japan zurück, wo sie eine Stelle in
einem Konzern annahm und sich in den Sohn eines Juweliers verliebte.
Diese in „Biographie des Hungers“ kurz angedeuteten Passagen ihres
Lebens, hat die Schriftstellerin in gleich zwei weiteren Romanen
verarbeitet. „Mit Stauen und Zittern“ erzählt von Amélie Nothombs
Erfahrungen als Angestellte in einem japanischen Unternehmen und wurde
2003 verfilmt. Ihn ihrem letzten ins deutsche übersetzten Roman „Der
japanische Verlobte“ verarbeitet die Autorin die in dieser Zeit
laufende Beziehung zu einem japanischen Mann, dem sie als die Frau fürs
Leben erscheint. Die Heiratswünsche des jungen Japaners sind für die
freiheitsliebende Diplomatentochter ein Grund nach Belgien zu flüchten
und sich dem Verfassen ihres ersten Romans „Die Reinheit des Mörders“
zu widmen. Trotz der seit dem Debütroman vergangenen Zeit und der
vielen Jahre des Schreibens ist Amélie Nothomb eines mit Sicherheit
weiterhin geblieben: „überhungrig“.
Aufgeblättert: „Sommer wie Winter“ von Judith W. Taschler
Aufgeblättert: Lesen statt Lernen
Aufgeblättert: „Zwischen den Wänden“ von Johannes Epple
Aufgeblättert: „Der Maler des Verborgenen“ von John Vermeulen
Aufgeblättert: „Sehnsucht nach dem Vater“
Aufgeblättert: „Philosophie für Verdorbene. Essays über Pornografie“
Aufgeblättert: „Noch ein Martini und ich lieg unterm Gastgeber“
Aufgeblättert: „Herznovelle“
Aufgeblättert: „Der Bro Code“
Aufgeblättert: „Tschernobyl Baby“
Link dazu ...
Amélie Nothomb bei Diogenes
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