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Reisetipps für die sich stetig wandelnde Partymetropole Deutschlands: Hamburg
Sie ist die zweitgrößte Stadt Deutschlands, siebtgrößte der Europäischen Union und darin die größte Stadt, die nicht gleichzeitig Hauptstadt eines EU-Mitgliedsstaates ist. Schon diesen geringen Informationen kann man entnehmen, dass es sich hierbei um eine Weltmetropole handeln muss. Nichts weniger ist Hamburg. So hat sich der Stadtstaat im Norden der Bundesrepublik über Jahrhunderte von der wirtschaftlichen Schaltzentrale zum Party- und Tourismuszentrum des Landes entwickelt. Frei nach dem Motto „Wo gehobelt wird, da fallen auch Späne“ scheint der Stadt an sich zwar weiterhin eine rosige Zukunft beschienen, viele ihrer Bewohner sind indes allerdings gefangen in einem Teufelskreis aus Bürokratien, Verbrechen und Armut.
Zwischen Bobos und Polizei
Ein Begriff, den man in diesem Zusammenhang immer wieder zu hören
bekommt, ist „Gentrification“, ein sozialer Umstrukturierungsprozess,
der die Veränderung von Mensch und Infrastruktur beschreibt. Im
Schanzenviertel bekommt man diesen in den letzten Jahren besonders stark
zu spüren. Angehörige der oberen Mittelschicht, die man im
Straßenjargon schlicht „Bobos“ nennt, haben den ehemaligen
Künstlerdistrikt im Nordwesten Hamburgs überlaufen und auch
internationale Franchiseketten erschlossen den Stadtteil mehr und mehr
für ihre Zwecke. Das Resultat waren und sind Straßenschlachten zwischen
Bewohnern, deren Existenzen durch diese Entwicklungen aufs Spiel gesetzt
werden, und der Polizei. Wer sich in diesem Sumpf aus Bürokratien und
Machtspielen dennoch ein Bild vom wahren Hamburg machen möchte, sollte
vom Kauf standardisierter Reiseführer absehen und besser die
nachfolgenden Tipps beherzigen.
Tipp 1: Nicht alles, was glänzt, ist Gold
Die Rollenverteilung scheint klar: Hamburg soll wachsen, noch größer und
besser werden, als es bereits ist und jeder, der sich diesem
Fortschritt in den Weg stellt, ist böse. Nicht umsonst werden Obdachlose
schamlos von den Partymeilen vertrieben, um den Eindruck des gemeinen
Touristen nicht zu trüben. Auf Hochglanz poliert präsentiert sich auch
die Reeperbahn heute eher den Schaulustigen und weniger den
interessierten Kunden. Die haben längst andere „Places“ in Hamburg
gefunden, um ihrem Treiben nachzugehen.
Das soll zwar nicht heißen, dass man als Reisender den Kiez bei Nacht
meiden muss, man sollte seinen Ausflug dorthin aber gegebenenfalls mit
einem Spaziergang durch den angrenzenden Park relativieren. Dort nämlich
versuchen die Verstoßenen verschanzt in Schlafsäcken dem regen
Partygeschehen zu entfliehen, solange, bis die ersten Sonnenstrahlen,
und mit ihnen die örtlichen Ordnungshüter, sie wieder von dort
vertreiben.
Tipp 2: Stadt im Wandel ist eine mit Baustellen
Natürlich kommen Touristen nicht nur nach Hamburg, um dort die Nacht zum
Tag werden zu lassen. Viele sind auf der Suche nach Kultur und
Geschichte dem Ruf der Hansestadt gefolgt. Doch Sightseer sollten
gewarnt sein: Hamburg befindet sich in einem steten Prozess des Aus- und
Umbaus, was auf Wohnblöcke gleichermaßen zutrifft, wie auf Museen und
viele andere Dinge. Vor allem wer plant, bestimmte Bauwerke zu
besichtigen, sollte sich deshalb im Vorhinein stets vergewissern, ob und
in welchem Maß diese überhaupt begehbar sind. Ohnehin ist es wohl
lohnenswerter, ausgiebige Stadttouren zu unternehmen und dabei vor allem
den geschichtsträchtigen Hafen näher auszukundschaften, als seine
befristete Zeit in Museen zu vergeuden.
Zu diesem Zweck bietet Hamburg, wie viele andere deutsche Städte, Velotaxis an. Diese eigenwilligen, um nicht zu sagen „ulkigen“ Fahrradtaxis bieten für maximal zwei Personen Platz, sind nicht an Straßen gebunden und haben zumeist einen Ortskundigen als Fahrer, der auf Nachfrage auch gerne den Reiseführer mimt. Wer zum ersten Mal nach Hamburg kommt, wird schnell feststellen, dass Fahrräder hier längst Autos als Primärfahrzeuge abgelöst haben. Plant man einen längeren Aufenthalt, ist es daher durchaus ratsam, sich selbst eines zuzulegen.
Tipp 4: Der Reiz des Abseits
Fälschlicherweise wird das Nachtleben der Stadt oft auf den Kiez reduziert, der allerdings nur einen Bruchteil dessen darstellt, was Hamburg zu später Stunde zu leisten vermag. Der Stadtteil Sternenschanze mit seinem hart umkämpften Schanzenviertel hingegen präsentiert sich als eigentliches Epizentrum der Jugendkultur. Hier trifft sich, was cool ist oder es zumindest gerne wäre. Partys und Konzerte finden unter anderem in der „Roten Flora“ eine Bühne, einem Ende der 1980er besetzten Gebäude. Die Betreiber der Flora finanzieren durch ihre Einnahmen wiederum Kunstaktionen, Flohmärkte und Feste. Einen Blick in diesen Teil der Stadt sollte man daher in jedem Fall riskieren.
Wobei es kein passenderes Wort als „riskieren“ in diesem Zusammenhang geben kann, bedenkt man, dass die „Rote Flora“, sowie die lauten aber auch stillen Demonstranten der Sternenschanze, seit jeher ein Dorn im Auge der fortschrittsorientierten Stadtführung sind. Wer im Recht ist, scheint dabei für einen Außenstehenden schwer zu beurteilen, halten sich Anarchie und diktatorische Bürokratie doch irgendwie die Waage. Was mich zum letzten Tipp bringt: Besucht Hamburg und macht euch selbst ein Bild!






































