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Die Erinnerung an den Holocaust ist wichtig, meint Sofia Khomenko
Der Holocaust kann nie zu lange her sein, um an ihn zu erinnern, meint Sofia Khomenko
„Es ist ja schon so lange her. Reicht es nicht irgendwann? Sollte man
das nicht endlich mal hinter sich lassen?“ – Genau 65 Jahre ist es
jetzt her, seit das KZ Mauthausen von US-Truppen befreit wurde. Für
viele Menschen lang genug, um nicht mehr daran denken zu wollen. „Ich
möchte nicht die ganze Zeit hören, dass alle Österreicher schuld sind,
warum soll ich an etwas schuld sein, was ich überhaupt nicht gemacht
habe?“, meint etwa Publizistikstudentin Eva. Sie weiß, dass es
schrecklich war, aber irgendwann ist es genug. Vielleicht hat Eva
tatsächlich schon genug gehört und gesehen. Vielleicht hat sie
tatsächlich schon genug von den Gräueln der NS-Zeit. Nicht, weil sie
nicht mehr will, sondern einfach, weil sie nicht mehr kann.
Man müsste meinen, dass wir heutzutage an schreckliche Bilder aus dem
Fernsehen gewöhnt sind. Aber als wir uns in der 7. Klasse den Film „Die
Todesmühlen“ angeschaut haben, der zeigt, was die Alliierten bei der
Befreiung von Konzentrationslagern gesehen haben, mussten einige den
Raum verlassen, weil ihnen schlecht wurde. Die anderen hatten blankes
Entsetzen in den Augen. Nach dem Film sprach lange Zeit niemand auch
nur ein Wort. Und jeder wusste: Noch eine Minute mehr und man hätte es
nicht mehr ertragen.
Man könnte sich jetzt die Frage stellen, ob man Menschen solche Filme
zumuten darf. Vielleicht muss man es sogar, wenn man sich die Situation
von vielen Jugendlichen jetzt anschaut: SMS werden verschickt mit dem
Aufruf, das Judentum zu verabscheuen, an Stammtischen hört man „Witze“
à la: „Was ist der Unterschied zwischen Juden und Moslems? Die Juden
haben es schon hinter sich.“
Alles überzeugte Neonazis? Nein, alles Jugendliche, die mit
„rechtsradikal“ gar nichts zu tun haben wollen und für die das Wort
„Antisemit“ eine Art Schimpfwort ist. Jugendliche, die, wenn man sie
drauf anspricht, das „nicht ernst gemeint“ haben. Eigentlich hätten sie
auch überhaupt nichts gegen Juden. Gerade einmal drei Prozent der 16-
bis 18-Jährigen stufen sich selbst als eindeutig rechts ein. Viele
andere sind nicht aus Überzeugung rechtsradikal, sondern einfach aus
Unwissen.
Studien belegen, dass in Schulen, in denen auch aktueller
Antisemitismus und Rassismus zum Thema gemacht und diskutiert werden,
am wenigsten davon unter den Schülern verbreitet ist. Totschweigen
hingegen führt zur Verbreitung von einem Gedankengut, von dem die
meisten gar nicht wirklich wissen, was es eigentlich bedeutet.
Deswegen ist es wichtig, über die Vergangenheit zu reden. Es geht dabei
nicht um Schuld. Natürlich will niemand schuld sein an etwas, das er
nicht gemacht hat. Aber Verfolgung beginnt nicht mit
Konzentrationslagern. Verfolgung beginnt mit Hetze und Hetze bei
Hassbotschaften, die akzeptiert werden, weil sie „eh nicht ernst
gemeint sind“. Deswegen wird Mauthausen nie „lange her“ sein. Es sollte
wie ein Brandmahl in jeden Menschen aus jedem Land eingebrannt sein,
als eine Erinnerung daran, wozu Menschen fähig sind.
Der Film „Die Todesmühlen“ hat damals übrigens nicht nur Bestürzung
ausgelöst. Nachdem der erste Schock vorbei war, haben die meisten
beschlossen, sich gegen Antisemitismus und Rassismus zu engagieren:
Hier und jetzt.
Film „Die Todesmühlen“ (engl. „Death mills“) auf Youtube
Gedenkstätte des ehemaligen KZ Mauthausen
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