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Modenotizen zum Musthave, der gar keiner ist
Die schlechte Nachricht zuerst: Er ist schon so gut wie ausverkauft.
Die gute Nachricht: Er ist ohnehin nicht der schönste. Chanel hat
letzte Woche einen neuen It-Nagellack auf den Markt geworfen. Diesen
Sommer sind die schnellen Finger, die noch einen ergattern konnten,
pudrig türkis, mit einem Namen, der dem Farbton eine neue Dimension
verleiht: Nouvelle Vague! Zwar steht Türkis nicht ganz oben auf
der Liste der Farben, die ich mit der französischen
1950er-Kinostilrichtung „Nouvelle Vague“ verbinde, obwohl ich
zugegebenermaßen auch noch nie darüber nachgedacht habe, aber darf man
Peter Phillips, dem Beautykopf bei Chanel, überhaupt vorwerfen, er
könnte sich jemals im Farbton vergreifen? Nein. Angekündigt wurde das
schon vor einigen Wochen, doch so richtig Glauben schenken mochte ich
dem neuen „Pop-Up“-Look nicht – bis ich ihn TATSÄCHLICH auf den Fingern
der Models der Chanel Cruise Collection, präsentiert vor zwei Wochen in St. Tropez, erspähte (nur auf den Fotos, freilich).
Cruise Collection, für die Anfänger, bedeutet: Eine
Zwischenkollektion mit Ferienappeal, ursprünglich konzipiert für
Jetset-Damen, die es sich leisten können, unterm Jahr öfters mal in
wärmere Gefilde zu cruisen. Mittlerweile ist die collection croisière eine Art Lifestyle-surplus des Labels, ein unbeschwertes Intermezzo zwischen den Frühjahrs und Herbstkollektionen.
Aber zurück zum Nagellack:
Die schönste Farbe des Chanelsommers ist das Babyblau ohnehin nicht.
Die andere Fingerfarbe für den Sommer ist ein Mischung aus dem
letztjährigen Korallenrot und sattem Pink (Riviera heißt
der Lack, und den gibt's noch zu kaufen. Die € 22 ist er allemal wert.
Ursexy zu gebräunter Haut). Diejenigen, die noch immer dem
schlammfarbenen Particulière vom Jänner nachjagen, einen guten Morgen!
Saison-It-Lacks überlasse ich den Fashion-Victims, ich wähle den auf
dem zweiten Stockerlplatz. Und wer keine Lust auf die drei Chanel
Optionen hat, soll sich für den Sommer was anderes zulegen. Mal sehen,
was mir einfällt: leuchtender Safran auf den Nägeln, matter Champagner
oder tiefes Tannengrün (die Suche nach DEM Nagellack ist sowieso das
Aufregendste). Generell gilt: Dunkler Lack lässt kurze Nägel länger
erscheinen, heller Lack eignet sich daher eher für lange Nägel. Bei der
Wahl des Farbtons unbedingt den Hautton der Hände mitbedenken (zum
Beispiel kommt pinker Nagellack auf rosa Fingern nicht gut).
Karl Lagerfeld beschwörte heuer die wilden 1970er an der Côte d'azur als er, damals noch muskelbepackt und vor kultivierter Erotik strotzend, Teil der jeunesse dorée am Strand von St. Tropez war. Barfüßiger Rock'n'Roll, fließende Tunikas, grobmaschige Strickkleider und braune Maxi-Cordhosen dominierten die Vision eines bauchfreien Spätsommers. In Giorgia May Jagger, dem vierten Model aus dem Jagger-Clan und Gesicht der Kollektion, fand er die fleischgewordene Synthese von Popgeschichte und Bardot-Lookalike.
John Galliano schwelgte für Dior in den Reminiszenzen der Markenhistorie-Eleganz bei Dior Mitte der 1960er: maritime Streifen, toupiertes Haar und Rüschen in der Pastell-Farbskala, die Lust auf die französische Chic vor einem halben Jahrhundert machen. Eindeutiger könnten uns beide Designer nicht veranschaulichen, in welche Richtung die Zeitvektoren der Urlaubsmode heuer zeigen.
10 festival for fashion & photography
Und zum Schluss noch ein Hinweis auf das Highlight für den kommenden
Monat: Vom 7. bis 17. Juni findet in Wien zum fünften Mal das
„Festival for fashion & photography“ statt. mokant.at wird für euch
von den Fashionshows, Preisverleihungen, Ausstellungen und Partys
berichten. Das detaillierte Programm findet ihr unter
www.10festival.at. Ich hoffe, wir sehen uns dort!





















































