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Die PR-Lobby großindustrieller Unternehmen möchte ein „grüneres“ Image verkaufen
Seit den 1970ern wird der Umweltschutz propagiert. Wurden seine Aktivisten damals noch belächelt, ist heute die Fraktion derer, die Umweltschutz nicht als Notwendigkeit betrachten, nur noch sehr klein. Dabei ist das Umweltbewusstsein in reichen Ländern höher als in armen und die Opferbereitschaft dafür vor allem in Nord- und Mitteleuropa hoch – Erkenntnisse aus der Studie „International Social Survey Programme 2001“. Umweltbewusstsein ist so „in“ wie noch nie. Da verwundert es auch kaum, dass auch jene großindustriellen Unternehmen ins Schwitzen geraten, die bezüglich des Umweltschutzes keine reine Weste haben. Um das eigene Image ein bisschen aufzupäppeln, setzen sie auf „Greenwashing“, also auf PR-Methoden, die dem Konsumenten eine umweltfreundliche Firmenpolitik vermitteln sollen. Doch was steckt wirklich unterm grünen Mäntelchen?
Ich wär' so gern grün
Firmen würden wohl kaum von sich selber behaupten, sie würden
„Greenwashing“ betreiben. Der Begriff wird von Kritikern verwendet, die
klar machen möchten, dass gewisse Firmen, ihrer Meinung nach, rein gar
nichts mit Umweltfreundlichkeit am Hut haben, obwohl sie es propagieren.
„Greenwashing“ stammt vom Begriff „Whitewashing“, also dem Schönreden,
und „Geldwaschen“.
„Greenwashing“ bezeichnet raffinierte Öffentlichkeitsarbeit-Methoden,
die darauf zielen, Firmen als umweltfreundlich zu verkaufen. Da werden
etwa Kampagnen gestartet, die das ökologische Engagement propagieren
sollen oder ein Produkt auf den Markt geschmissen, das besonders
umweltfreundlich erscheint. Die Konsumenten sollen von der „grünen“
Öffentlichkeitsarbeit beeindruckt werden und die nicht ganz so grünen
Sünden des Unternehmens vergessen.
Glückliche Kühe und Konsumenten
Ein Unternehmen, dem „Greenwashing“-Methoden vorgeworfen werden, ist
etwa „McDonald's“. In den USA verkauft der Fast-Food-Riese nur noch
Kaffee mit dem Siegel „Rainforest Alliance“ – das klingt zwar
vorbildlich, die Allianz wird aber von Umweltaktivisten als
industrienahe kritisiert, an Mindestlohne und –abnahmepreise halte sie
sich nicht. In Europa wirbt „McDonald's“ mit glücklichen Kühen in seiner
Fernsehwerbung und möchte den roten Hintergrund seines Logos durch ein
grünes auswechseln. Auch die Tankstellenkette „BP“ steht unter
„Greenwashing“-Verdacht. Zur Jahrhundertwende verpasste sich „BP“ ein
grünes Image – das Logo wurde durch eine Blumen-Sonne ausgetauscht und
der traditionsreiche Name von „British Petroleum“ („Britisches Öl“) auf
„Beyond Petroleum“ („Jenseits von Öl“) ausgetauscht. Man bringt
Schulunterlagen zum Thema Klimaschutz heraus und Solarstromanlagen
werden auf BP-Tankstellen installiert. Welchen enormen Anteil „BP“ an
der klimaschädlichen Emission leistet, wird da in der Wahrnehmung des
Konsumenten nebensächlich.
Trotz grünen Images umweltschädigend?
Ein positives Öko-Mäntelchen wird medial sanft über das angestaubte
Image der Großkonzerne gelegt. Etwa auch durch Investitionen in
Dokumentarfilme. Die Natur-Doku „Home“ vom Journalisten und
Umweltaktivisten Yann Arthus-Bertrand wurde vom französischen
Luxusgüter-Konzern „PPR“ mit zehn Millionen Dollar mitfinanziert. Am
Anfang und Ende des Films prangt das „PPR“-Logo vom Bildschirm, aus dem
sich der Titel des Filmes langsam umformt. Gleichzeitig werden
Tochterfirmen von „PPR“ wie Gucci aufgrund ihrer nicht-ökologischen
Produktion kritisiert.
„Greenpeace“ steht in erster Reihe, wenn es darum geht, Firmen
anzuprangern, die „Greenwashing“- Methoden nachgehen sollen. „Würden die
Konzerne transparenter in Erscheinung treten und gewisse Prüfungen
verschiedener Institute zulassen, wäre ja das Vertrauen der Konsumenten
gegeben“, meint Greenpeace-Konsumentensprecherin Claudia Sprinz. Aber
die gebe es nun mal nicht und so könnten sich die Konsumenten schwer ihr
eigenes Bild von der angeblich umweltfreundlichen Firmenpolitik machen.
Informationspolitik vs. Verarbeitung
Wie kann man den medialen Grün-Umschwung der Konzerne deuten? Dass
Konzerne in umweltfreundlichere Fahrzeuge, wie etwa Hybrid-Autos,
investieren und auf der Suche nach neuen Energieförderungsmitteln sind,
zeigt, dass sie sich Gedanken über die Umwelt machen. Gleichzeitig
stapelt sich im Ozean zwischen Kalifornien und Hawaii der Plastikmüll.
Mehr als 155.000 Tonnen Elektroschrott werden laut dem deutschen
Umweltbundesamt aus Deutschland exportiert und laut einer Studie der
Weltgesundheitsorganisation (WHO) sterben pro Jahr durchschnittlich
dreizehn Millionen Menschen an ungenießbarem Trinkwasser und verpesteter
Luft. „Greenwashing“ steht für eine Informationspolitik, die sicher mit
Recht das Bestreben hat, auf die umweltfreundliche Arbeit der Konzerne
aufmerksam zu machen. Doch der wesentliche Faktor, nämlich jener der
Verarbeitung, scheint zumindest teilweise ignoriert zu werden.
PPR über die Dokumentation „Home“ (Englisch)
BP: Umwelt und Gesellschaft
Greenpeace: Stop Greenwash (Englisch)
Artikel von
Philipp Richter und
Fotos: flickr.com (5)/Roberto Verzo, twicepix (creative commons), A Chilling Soul, Konna E, twicepix (creative commons)




















