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„Es kann nie zuviel Aufklärung geben“, ist sich Hausjell sicher

Fritz Hausjell über das „Albtraumteam“ Strache und was rechte Ideologie ausmacht

 

mokant.at: Wie wichtig ist geschichtspolitische Bildung für Medienkompetenz?
Fritz Hausjell: Es kann dahingehend nie zuviel Aufklärung geben. Manchmal kann es natürlich aufgrund von intensiver Vermittlung in der Schule zu einer Art Übersättigung kommen, da man die gleichen Dinge oft hört und das Thema dadurch an Attraktivität verliert. Wobei es Jugendliche gibt, die nach dem ersten Mal gegenüber dem Gehörten schon eine Abwehrhaltung einnehmen, weil ihnen das auf ideologischer Ebene in ihrem politischen Umfeld schon vermittelt wurde. Und es gibt gut informierte aber zuviel „beschallte“ Jugendliche. Ich glaube aber, dass Jugendliche mittlerweile besser die Aussagen von Politikern durchschauen können als es früher der Fall war.

 

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„Politisch inkorrektes Verhalten“ sei für viele Jugendliche attraktiv

mokant.at: Sehen Sie einen vermehrten Rechtsruck bei Jugendlichen?
Fritz Hausjell: Der Versuch, junge Menschen ideologisch für den Rechtsradikalismus zu gewinnen, ist nach wie vor erfolgreich und er läuft zum Teil auch über die zeitgeschichtliche Thematisierung, die Relativierung und Verniedlichung des Holocaust. Es ist ein Knackpunkt, der attraktiver als früher ist. Früher herrschte ein gewisses politisches Tabu vor, heute ist das für bestimmte Gruppen ein Themenbereich, von dem sie wissen, dass er zu Widerstand und Auseinandersetzung führt. Dabei kalkuliert man die Attraktivität von politisch inkorrektem Verhalten mit ein. Oft geht es gar nicht um politische oder ideologische Inhalte, sondern darum, Lehrer, Eltern und Mitschüler zu ärgern, die gut informiert sind oder in der Familiengeschichte Betroffene haben. Das ist ein Transportmittel, da geht es erst zweitrangig um die Vermittlung von ideologischen Werthaltungen.

mokant.at: Der FPÖ-Kandidatin bei den letzten Bundespräsidentschaftswahlen, Barabara Rosenkranz, wurde eine Verharmlosung des nationalsozialistischen Gedankenguts vorgeworfen. Glauben sie, dass Rosenkranz bewusst auf das geschichtliche Wissensdefizit der potentiellen Wähler gesetzt hat?
Fritz Hausjell: Ich bin mir nicht sicher. Von außen sehe ich es so, dass sie eindeutige Signale gemacht hat. Die bewegen innerhalb der FPÖ-Wählerschaft nur einen Teil wirklich, ein anderer Teil fühlt sich davon nicht angesprochen, möglicherweise sogar abgestoßen.

Die mangelnde Mobilisierung der FPÖ-Wählerschaft, im Vergleich zu den anderen Wahlen, ist eigentlich nicht erklärbar. In der Wahlanalyse zeigte sich, dass die früheren FPÖ-Wähler nicht zur Wahl gegangen sind und das muss doch für die FPÖ erstaunlich sein, wenn sie eine gestandene Politikerin zur Wahl schicken, die ein eindeutiges Angebot macht. Allein schon das Großschreiben von „Mut“ auf ihren Plakaten ist in der rechtsextremen Szene eine Assoziation mit nationalsozialistischem Gedankengut.

mokant.at: H. C. Strache und Barbara Rosenkranz beteuerten, ihre Aussagen würden missverstanden.
Fritz Hausjell: Dass H. C. Strache unterstrichen hat, dass die FPÖ kein Geschichtsverein sei, war natürlich nicht überzeugend. Sieht man sich Straches „Dreamteam“ an – manche würden es als Albtraumteam bezeichnen –, so sieht man, dass sich genügend davon selbst x-mal einschlägig geäußert haben. Und dass sie zu einem deutschnationalen, rechtsextremen Bereich der FPÖ zu zählen sind, aber sicher nicht zu den rechtsliberalen Kreisen gehören, wie sie es uns glauben machen wollen.

mokant.at: Wie beurteilen sie die Vorfälle in den Gedenkstätten von Ebensee und Auschwitz, wo Jugendliche Naziparolen riefen, oder auch in Mauthausen, wo Gaskammern mit Hakenkreuzen beschmiert wurden? Sind das Bubenstreiche, wie viele es bezeichneten?
Fritz Hausjell: Nein, auf keinen Fall, da ist schon mehr dahinter. Oft ist das eine bewusste Provokation, in dem Wissen, dass man damit viele Leute sehr aufregt. Die klare Besetzung von Räumen, in denen sonst das Gedenken an das entsetzliche Leid von hundert Millionen Menschen respektiert wird, ist eine bewusste Schändung. Wir sprechen hier explizit von Leuten, die aus meiner Sicht einen eindeutigen politischen Hintergrund haben. Dass der ein oder andere das als Mutprobe sieht, das schließe ich nicht aus, aber auf der Ebene darf man auf keinen Fall diese Taten, gerade aus politischer Sicht, als „dumme Bubenstreiche“ abtun. Ein erwachsener Politiker wie H. C. Strache darf diese „Buben“, die eigentlich viel zu alt für diese Bezeichnung sind, nicht entschuldigen, das darf nicht durchgehen. Wenn das die mit der Zeitgeschichte angeblich nicht vertrauten, jungen Menschen tun, erscheint es doch zweifelhaft, dass sie genau wissen, wo welche Stätten sind und wen sie mit welchen Parolen treffen.

mokant.at: Glauben Sie, dass Menschen, die sich zur rechten Ideologie hingezogen fühlen, überhaupt ausreichend über die Verbrechen der Nazis Bescheid wissen?
Fritz Hausjell: Ein Teil weiß ganz genau, was sie da vertreten. Man erhofft sich auch von der Ideologie, dass man auf der Seite der Führer ist und entscheidende Positionen besetzen kann. Hier geht es um die Freude daran, andere zu beherrschen und entscheiden zu können. Das Ausgangsmotiv kann dabei sein, über eine private Misere hinwegkommen zu wollen. Das Bekenntnis zu einer rechtsradikalen Gruppierung kann aber auch das Ergebnis einer Grundmentalität, einer faschistoiden Haltung sein, die im Elternhaus schon vermittelt wurde. Der Hintergrund kann aber auch eine Antihaltung in der Pubertät sein. Trotz allem geschieht das meist auf der Ebene eines hohen Wissens. Dass es solche mit geringem Wissenstand auch gibt, bestreite ich nicht, aber ich befürchte, dass diese Menschen dann auch durch Informationen nicht mehr zugänglicher werden. Die Arbeit mit Zeitzeugen in Schulen hat dafür viel bewirken können, Schüler lernen so eine Empathiefähigkeit, da sie Menschen gegenüberstehen, die durch die Hölle gegangen sind.

 

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