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Ein Schachspiel grausamer Art, das Schachspiel gegen sich selbst

Warnung! Du bist im Begriff einen absolut miserablen Freizeittipp zu lesen. Zum Wohle deiner eigenen Lebensqualität: Bitte nicht nachmachen!

 

Schachmatt, du Idiot! Hahaha, da schaust du jetzt blöd! Wie? Du glaubst mir nicht, dass ich mit dem nächsten Zug deinen König schlage? Dann mach' halt mal deine Augen auf! Guten Morgen! Klar, lass dir nur Zeit und kontrollier das noch mal … Ich kann mir zumindest vorstellen, wie es sein muss, zu verlieren. Ich bin ja der klassische Gewinnertyp. Zumindest beim Schachspielen. Wobei man jetzt schon auch Parallelen zum wahren Leben ziehen könnte. Ich meine, im Grunde ist doch Schachspielen der Inbegriff des Lebens. Willst du einen Menschen kennenlernen, spiel Schach mit ihm. Bei der ersten Verabredung mit meinem Ex-Freund haben wir Schach gespielt. Ich hab gleich gemerkt, der hält voll viel von sich. War total siegessicher und so. Hat gar nicht richtig nachgedacht bei seinen Zügen. Nach gefühlten zehn Minuten hatte ich ihn Schachmatt, so wie dich jetzt gerade. Hui, ist der bleich geworden. Ich glaub, er hat sich dafür geschämt, bei der ersten Verabredung Schwäche zu zeigen. Mir hat's gefallen. So wie jetzt gerade. Jaja, ich hör schon auf zu reden. Ich warte aber eigentlich nur darauf, dass du mir mein Schachmatt glaubst. Du kannst noch so oft in Gedanken die eine Figur hin- und herschieben. Das wird deinen blöden König jetzt auch nicht mehr retten. Wirklich wahr, deine Sturheit ist wirklich zum Kotzen. Nimm das Leben doch mal locker, vertraue anderen Menschen, die dir nichts Böses wollen. Wie? Ja, sicher, jetzt gerade will ich dir natürlich schon was Böses, deinen König töten, aber ansonsten … Du kannst nicht behaupten, ich würde dich schlecht behandeln. Mein Gerede bringt dich um den Verstand? Das kannst du jetzt aber nicht unter schlechte Behandlung zählen. Ich erkläre dir so viel, weil du vom Leben ja keine Ahnung hast. Man muss mit dir alles hundert Mal durchkauen, hundert Mal! Und wehe, es taucht ein Problem auf! Jede verdammte Perspektive auf das Problem möchtest du dann besprechen. Und wenn es nur darum geht, ob du lieber Marillen- oder Erdbeerenmarmelade auf das Brot schmieren sollst … Ja, ich weiß, ich hab dir gesagt, die Marillenmarmelade sei die bessere und in Wirklichkeit war die Erdbeermarmelade viel … aber verdammt noch mal, mir geht es hier jetzt nicht um die verdammte Marmelade! Du drehst doch insgeheim durch, wenn du eben nur neunundneunzig Mal etwas durchgekaut hast und du nur fünfzig Prozent der Perspektiven bedacht hast. So ist das nun einmal. Ich kenn dich. Ist jetzt das Spiel beendet, ja? Ein ziemlich lahmes Spiel war das schon von dir, das muss ich jetzt so sagen. Konzentriert hast du nicht gewirkt. Warum konzentrierst du dich nie? Wie du mir da den Springer regelrecht auf die Schlachtbank gelegt hast! Und was hast du eigentlich gegen deine Bauern? Waren das Selbstmordattentäter, mein Gott? Nein, ich muss schon sagen, toll war das. Also ich war toll, mein ich. Du nicht so. Aber hey, wie gesagt: Schachspielen, da lernst du die Menschen erst richtig kennen und wegen der Marmelade wollte ich sagen, die …

Julia, spielst du noch immer mit dir selber Schach?

Nein, ich bin schon fertig. Stell dir vor Schatz, ich hab schon wieder gewonnen!

Resümee: Wer den ultimativen Selbsterfahrungstrip möchte, sollte definitiv gegen sich selber Schach spielen. Innere Monologe sind vorprogrammiert. Schizophrenie ist allerdings eine bekannte Nebenwirkung. Bei Fragen oder Beschwerden wende dich bitte an den Psychotherapeuten deines Vertrauens.

Vergeudete Zeit: Kommt auf den Herausforderer an. Zehn Minuten bis Jahre.

Langeweilefaktor: Schach ist nur für die langweilig, die keine Ahnung vom Leben haben. 2 von 5 Punkten.

Peinlichkeitsfaktor: Gering, außer man fordert sich selbst in einem Pub heraus, dann 5 von 5 Punkten.

Wahrscheinlichkeit, dass der Satz „Nie mehr wieder“ fällt: Liebst du es zu gewinnen? Dann ist Gegen-dich-selber-Schach-Spielen genau das richtige für dich! Du wirst nämlich gewinnen, hundertprozentig! Gleichzeitig musst du auch mit dem Schmerz des Verlierens leben können, ansonsten wirst du „Nie mehr wieder“ seufzen.

 

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Glosse von

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