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Warnung! Du bist im Begriff einen absolut miserablen Freizeittipp zu lesen. Zum Wohle deiner eigenen Lebensqualität: Bitte nicht nachmachen!
Wer fragt sich nicht, wohin das Flugzeug, das man am Himmel erblickt, wohl gerade hinfliegt? Oder woher es kommt? Man beginnt unweigerlich von karibischem Sand zu träumen oder von sattgrünen irischen Wiesen oder französischem Baguette – was die Tagesverfassung halt gerade fernwehtechnisch gebrauchen würde. Eigentlich eine schöne Flucht aus dem Alltag, die aber leider nur die Lebenszeit von einigen Sekunden hat, bevor sie am harten Boden der Realität – mit uns gemeinsam – zerschnellt. Aber aufgepasst! Wer in Gedanken einmal woanders hinfliegen möchte, muss nicht stundenlang auf den Himmel starren, um ein Flugzeug zu entdecken, das einem in einen Tagtraum mitnimmt. Im Internet gibt es Seiten, auf denen man den Flugverkehr live mitverfolgen kann. Juchu, _ _ _ _ (hier bitte den gewünschten Fernweh-Traum einfügen), ich komme!
Einfach die URL www.flightradar24.com eingeben und es kann losgehen. Zugegeben: Während man sich wie ein kleines Kind freut, ein Flugzeug am Himmel zu entdecken, wird man hier erst einmal von tausenden Flugzeug-Icons erschlagen. Da fragt man sich, wenn dreißig Flugzeuge zu einem scheinbar unentwirrbaren Knäuel über London kreisen, wie um Gottes Willen die denn dort alle am Himmel Platz haben! Ist der erste Schock überstanden, muss nur noch die Entscheidung auf ein beliebiges Flugzeug fallen, das einem sympathisch erscheint. Dann einfach draufklicken und schon bekommt man alle wichtigen Informationen: Boeing 757-258 von der Airline „El Al Israel Airlines“ fliegt gerade auf 10.013 Meter über Ingolstadt mit einer Geschwindigkeit von 811 km/h, ist in Frankfurt gestartet und hat das Ziel Tel Aviv. Airbus A330-223 befindet sich währenddessen 10.980 Meter über der Nordsee und fliegt nach Minneapolis. Wahnsinn. Die Passagiere haben es gut. Die haben unter sich das blaue Meer, während man selber nur vorm PC hockt und Flugzeug-Icons anstarrt. Frechheit. Das Leben kann so ungerecht sein.
Wer besondere Fetische hat, kann auch nach bestimmten Flugzeugen suchen. Für jeden Geschmack ist gesorgt: Soll es zwischen x und y km/h schnell sein? Oder auf einer bestimmten Höhe fliegen? Alles kein Problem, dank der hilfreichen Filtereinstellungen. Für manchen dürfte das wohl jetzt langweilig klingen (warum auch immer). Aber hier ein Tipp: Wenn nach einer gewissen Zeit die Augen schwer werden und die gelben Flugzeuge am Bildschirm verschwimmen, kann man mit Gleichgesinnten chatten. Hier tauscht man sich über Flugzeugtypen aus, bespricht die Lage, die sich da am Bildschirm auftut, sucht gemeinsam nach bestimmten Flügen, schimpft über gewisse Flüge oder lobt gewisse Flüge. Bei solchen Gesprächen liegt es auf der Hand, dass sich auch virtuelle Freundschaften bilden. Da geht's einmal erotisch zu, wenn etwa Maschinen mit Frauen verglichen werden, und einmal wieder sehr ernst, wenn darüber diskutiert wird, in welchem Fliegertyp die Sitze am angenehmsten sind, aber auch lustig kann's sein, wenn etwa Chris gesteht, dass er vor dreißig Minuten das allererste Mal mit einer 777 geflogen ist – hach, dieser Chris, haben wir über ihn herzhaft gelacht …
Resümee: Achtung! Live-Flug-Beobachtung macht süchtig! Auch wenn der
erste Eindruck sein könnte, der langweiligsten Beschäftigung überhaupt
nachzugehen. Nach spätestens zwei Minuten ist jeder gefangen und kann
nicht mehr aufhören, die gelben Flugzeug-Icons am Radar zu beobachten,
sie zu verfolgen, ihnen nachzuträumen.
Vergeudete Zeit: Fünf Minuten bis zehn Stunden.
Langeweilefaktor: Wer Flugzeuge beobachten möchte, braucht tatsächlich lange Weile. Aber verdammt, es macht Spaß! 3 von 5 Punkten.
Peinlichkeitsfaktor: Gering – man kann dieser Freizeitbeschäftigung absolut anonym frönen. 0 von 5 Punkten.
Wahrscheinlichkeit, dass der Satz „Nie mehr wieder“ fällt: Erst wenn das Suchtstadium fortgeschritten ist.





















































